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So, 13:57 Uhr
16.04.2017
Marios Bücherkiste

Sebastian Fitzek erfindet eine Todeslotterie

Er wurde 1959 in Nordhausen geboren, hat in Redaktionen vieler großer Deutscher Zeitungen gearbeitet. Und der Mann liest gern. Für die Nordthüringer Online-Zeitungen stöbert Mario Bartsch in den Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt...

Seine Bücher handeln von Psychopathen und Mördern. Seitdem Sebastian Fitzek 2006mit demRoman„Die Therapie“ sein Debüt feierte, hat er jedes Jahr mindestens ein neues Werk herausgebracht und sich stets in neue psychische Abgründe gewagt. Mit seinem neuen Thriller „AchtNacht" betritt er nun aber ungewohntes Terrain, denn dieses Mal wagt er ein sozialpsychologisches Experiment: Eines das aus dem Ruder läuft.

Der Ausgangspunkt von „AchtNacht" sei die Idee, dass zwei Menschen, ein sozialpsychologisches Experiment starten. „Sie setzen die Lüge in die Welt, dass es legal sei, eine Todeslotterie zu spielen“, fasst Fitzek den Plot in einem Interview zusammen. Die Lotterie sieht so aus: Menschen können den Namen desjenigen auf einen Zettel schreiben, den sie am meisten hassen. Jedes Jahr am 8.8. um acht Uhr acht wird dann aus diesem Los-Topf ein Name gezogen. Der Auserwählte darf eine Nacht lang gejagt werden und zwar bis zum Tode, der Täter bleibt straffrei; erhält ein Kopfgeld von zehn Millionen Euro. Ort der Handlung ist Deutschland, und so jagen an diesem Tag 80 Millionen eine Person.

Sebastian Fitzek AchtNacht (Foto: Knaur Verlag) Im Laufe des Buches gerät das Experiment dann aber außer Kontrolle, weil einer der beiden Initiatoren das Experiment nicht abbrechen, sondern wissen will: „Wie viele glauben es und machen mit?“ Während seine Inspirationsquelle „The Purge“ in der Zukunft spielt, sagte Fitzek zum Szenario seines Buches: „Es ist natürlich unter ganz bestimmten emotionalen Umständen möglich.“

Als Beispiel zieht er einen Fall aus den USA heran, als ein Mob vor einer Polizeidienstelle, die Herausgabe eines mutmaßlichen Vergewaltigers forderte, nachdem dessen Fotos auf den sozialen Netzwerken veröffentlicht worden waren. Der Mob wollte den Mann töten, doch am Ende stellte er sich als unschuldig heraus. „Das ist das Gefährliche: Welche Gefahren von Lügen - auch in sozialen Netzwerken - ausgehen, die dann auch in die Realität überspringen können.“

Über Deutschlands Thriller-König

Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren. Nach einem Hörfunk-Volontariat und einem Studium der Rechtswissenschaften, arbeitete der im Urheberrecht promovierte Jurist mehrere Jahre als Chefredakteur und Programmdirektor verschiedener Radiostationen bis er Anfang 2000 damit begann, eine Geschichte aufzuschreiben, die ihm schon seit längerer Zeit im Kopf herumspukte. Heraus kam sein Debüt „Die Therapie“, das trotz einer Kleinstauflage und ohne jegliches Marketing ausschließlich durch Mundpropaganda zu dem Überraschungserfolg des Jahres wurde.

Seitdem wuchs die Lesergemeinde von Fitzeks Thrillern stetig und ausnahmslos alle seine Bücher wurden zu Bestsellern. Mit „Der Nachtwandler“ gelang ihm 2013 erstmals der Sprung auf Platz 1 der Spiegel-Taschenbuch-Liste. Mit „Passagier 23“ hielt er sich 2014/2015 mehrere Monate auf dem Spitzenplatz der Hardcover-Liste. Im Herbst 2015 gelang es ihm gleich drei seiner Werke („Die Blutschule“, „Passagier 23“, „Das Joshua-Profil“) auf den ersten drei Plätzen der deutschen Bestellerlisten zu platzieren.

Seine Werke sind mittlerweile in einer Gesamtauflage in Deutschland von sechs Millionen Büchern erschienen und werden in 24 Sprachen übersetzt. Sie waren die Vorlage für eine internationale Independent-Kinoproduktion (Das Kind, mit Ben Becker, Dieter Hallervorden und Eric Roberts) und sind Gegenstand mehrerer Theateradaptionen („Der Seelenbrecher“, „Die Therapie“ (Premiere 2016) und „Passagier 23“ (Premiere 2016.) Derzeit arbeiten mehrere namhafte Produktionsfirmen an weiteren Verfilmungen, wie etwa Ziegler-Film (Abgeschnitten, Kino) und die UFA (Das Joshua-Profil, mehrteilige TV-Serie).

Inhaltlich greift Fitzek in seinen Werken immer wieder Themen wie Kindesmisshandlung und Missbrauch auf, die ihn als Vater dreier Kinder besonders erschüttern und so sehr bewegen, dass er sich seine „eigenen Ängste von der Seele schreiben muss“.

Laut eigener Aussage sind alle seine Bücher Familiengeschichten, da das Böse wie das Gute seinen Ursprung in eben jener Familie hat. Dabei interessiert ihn weniger die Schilderung expliziter Gewalt als die Darstellung der psychologischen Folgen, die körperliche wie seelische Grausamkeit auf den Menschen hat.

Mit „AchtNacht“ liefert Sebastian Fitzek wieder einen spannenden, brutalen und verzwickten Roman ab. Wer gerne einen Blick in die Abgründe der menschlichen Psyche wirft, wird dieses Buch in einem Rutsch durchlesen.
Mario Bartsch

Sebastian Fitzek: „AchtNacht“
Klappenbroschur; 416 Seiten
Knaur Verlag; 2017
12,99 Euro
ISBN 978-3-426-52108-3
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