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Mi, 14:00 Uhr
17.05.2017
NABU Thüringen fordert überlegtes Vorgehen beim Bibermanagement

Biber brauchen unseren Schutz

Der NABU Thüringen hält die Forderungen nach einem Schadensausgleichsfonds nicht für zielführend und die Schaffung von biberfreien Gebieten in der offenen Landschaft in Thüringen für rechtswidrig...

Biber brauchen Schutz (Foto: P. Wächterhäuser/NABU)

Zunächst müssen die bestehenden Fördermöglichkeiten an den Biber angepasst, nutzungsfreie Uferrandstreifen an Gewässern geschaffen und über eine standortangepasste Bewirtschaftung am Ufer und in der Aue nachgedacht werden.

Auf natürliche Weise erschließt sich der Biber in Thüringen ehemals angestammte Reviere wieder zurück. Dies tut er nicht ohne seine Spuren in der Landschaft zu hinterlassen. Er fällt Bäume, baut Dämme und Burgen. Was für den Ökologen eine Freude ist, kann manche Landnutzer schnell verärgern. Es wird über Schäden berichtet, die der Biber angeblich in Thüringen anrichten soll. Manche sprechen sogar davon, dass der Baumeister mehrere Hektar Ackerfläche unbrauchbar machen könnte.

Laut NABU Thüringen sind diese Meldungen in den meisten Fällen überzogen. „Wenn man sich die Situation vor Ort ansieht, sind es oft nur ein paar Quadratmeter Fläche, die von Wasser überspült oder vernässt werden. Bei den Fällaktivitäten des Bibers verhält es sich ähnlich, oft kann man die Bäume mit wenigen Handgriffen zur Seite räumen“, berichtet Marcus Orlamünder, der Biberbeauftragte des NABU Thüringen.

„Zusammen mit den Unteren Naturschutzbehörden können wir den Landnutzern bei ihren Problemen meist unkompliziert helfen. Ein Beispiel ist der Bau von Biberdammdrainagen, die den Wasserstand auf einem vernünftigen Niveau halten. Der Biber ist gezwungen Dämme zu bauen und die Gewässerrandbereiche zu gestalten, weil der Mensch die Bäche begradigt hat und das Wasser viel zu schnell aus der Landschaft abfließt. Der Biber sorgt dafür, dass sich der Wasserstand in den Bächen erhöht und das Wasser wieder länger in der Landschaft zurückgehalten wird und leistet damit einen unschätzbaren Beitrag zum dezentralen Hochwasserschutz. Auch die Landwirte dürften sich freuen, wenn der Biber bei langanhaltenden Trockenperioden, das Wasser in der Landschaft hält. „Was wir wirklich brauchen ist mehr Raum für unsere Gewässer. Die Einführung eines ungenutzten Uferrandstreifens von mindestens 10 Meter Breite kann schon viele Probleme lösen“, erklärt Marcus Orlamünder.

Aus Sicht des NABU ist es zudem wichtig zuerst alle möglichen Präventivmaßnahmen anzuwenden. Diese sind notwendig, um größere Schäden zu vermeiden. „Zum Beispiel können Nutzgehölze wie Obstbäume mit einem fachgerecht angebrachten Maschendraht oder einem speziellen Schutzanstrich geschützt werden. Droht eine Fläche durch einen Biberdamm zu überfluten, kann in Abstimmung mit uns und der Unteren Naturschutzbehörde eine Dammdrainage Abhilfe schaffen“, so der Biberexperte. Probleme entstehen oft durch Unwissenheit und falsche Einschätzung der Situation, hier hilft vor allem eine fundierte Beratung, wie sie der NABU Thüringen schon seit 10 Jahren betreibt.

Den Ruf nach einem Ausgleichsfonds hält der NABU für eine voreilige Lösung. „Vielmehr müssen die derzeit schon bestehenden Fördermöglichkeiten an den Biber angepasst werden. Dann ließe sich auch verhindern, dass ein gefällter Biberbaum oder ein durch den Biber verursachter Uferabbruch dazu führt, dass diese Fläche dem Landwirt aus der Förderfläche herausgerechnet wird und möglicherweise sogar der ganze Betrieb Sanktionen erleiden muss.

Für absurd halten die Naturschützer die Forderung nach Ausweisung von Gebieten in der offenen Landschaft, aus denen der Biber fern gehalten werden soll. Dies sei ebenso rechtswidrig wie die geforderte Aufweichung des besonderen Schutzstatus des Bibers und darüber hinaus auch unwirksam. „Wenn man einen Biber aus dem Revier entnimmt wird der Bestand von einem anderen Biber wieder aufgefüllt. Solche Aktivitäten gelten nicht als zielführende Maßnahme für ein sinnvolles Wildtiermanagement“, sagt Marcus Orlamünder.

Dem NABU Thüringen ist es vor allem ein Anliegen endlich zu einer standortangepassten Bewirtschaftung am Ufer und in der Aue zu kommen. Dafür müssten allerdings auch bessere Anreize für Nutzungsalternativen wie extensive Weiden, Wald, Energieholz oder weitere mögliche extensive Bewirtschaftungsformen geschaffen werden. In diesem Punkt setzt der NABU auch weiterhin auf die Unterstützung aus der Thüringer Politik.

Nähre Informationen finden Sie unter www.NABU-Thueringen.de
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Kommentare

18.05.2017, 11.27 Uhr
Andreas Dittmar | Vielleicht schon zu spät
Wenn man die Bachufer erstmal befestigt bzw. Bäche verrohrt oder begradigt und damit vielleicht die Biber aus ihren Revieren vertrieben hat, wird es schwierig werden das wieder wenn auch nur teilweise zurück zu bauen. Hinter so einem Abschnitt ist auch die Fließgeschwindigkeit deutlich höher und die Überschwemmungsgefahr gerade bei Unwettern größer, da der regulierte Abschnitt das Wasser nicht mehr ausbremsen kann. Unweigerlich bahnt sich dann das Wasser über den unbewirtschafteten Uferstreifen den Weg auf den Acker und zwar mit oder ohne Biberdamm. Vielleicht hätte man sich vor Eingriffen in die Natur mit den Bibern zu einem klärenden Gespräch an einen Tisch setzen sollen. Von denen hätte man bestimmt etwas lernen können. Diese jetzt versuchen in dem verkorksten Ökosystem wieder anzusiedeln und ihre natürliche Bautätigkeit zu reglementieren bringt da nicht viel, weder mit noch ohne Förderung. Vielleicht tun es ja Gummischoner auf den Zähnen.
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