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So, 09:33 Uhr
18.06.2017
Erbschaften als Massenphänomen

Da freuen sich die Nachkommen

Erbschaften werden zum Massenphänomen in Deutschland: Mehr als jeder dritte Erwachsene hat mindestens schon einmal geerbt (35 %), bei den über 55-Jährigen sogar mehr als die Hälfte. Regionale Spitzenreiter sind die Bayern (38 %), Schlusslichter die Bewohner von Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern (31 %)...


Große Erbschaften gab es bisher am häufigsten in Hessen, wo jeder vierte Erbe mindestens 100.000 Euro vererbt bekam, gefolgt von den Bundesländern Bayern und Hamburg. Zukünftig werden Erbschaften in diesem Umfang in Deutschland aber immer wahrscheinlicher. Vier von zehn Deutschen, die selbst etwas vererben wollen, schätzen den Wert der Erbmasse auf mindestens 100.000 Euro, jeder fünfte sogar auf mehr als eine Viertelmillion Euro. Wesentlicher Grund dafür sind Immobilien, die künftig wahrscheinlich schon in mehr als jedem zweiten Erbe enthalten sein werden.

Das sind Ergebnisse einer bundesweiten, in allen 16 Bundesländern repräsentativen Studie der Quirin Privatbank in Zusammenarbeit mit dem internationalen Marktforschungsinstitut YouGov Deutschland. Auf Basis von 7.432 Online-Interviews wurde im April 2017 ermittelt, wie viele Erwachsene schon einmal geerbt haben, zukünftig ein Erbe erwarten oder selbst planen, ein Erbe zu vergeben. Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank: „Die Themen Erben und Vererben werden in Deutschland immer wichtiger damit steigen der Informationsbedarf der Menschen und die Anforderungen an die Berater nachhaltig.“

Jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat vor, etwas zu vererben. Am häufigsten in Baden-Württemberg (55 %), am seltensten in Sachsen (40 %). Nur jeder achte Deutsche findet es dabei wichtig, die Verteilung einer Erbschaft zuvor mit allen Beteiligten zu besprechen. Die exakt gleichmäßige Verteilung unter den Erben hält die Hälfte der Deutschen für gerecht. Jeder Fünfte findet es aber auch gerecht, wenn Menschen, die es nötig haben, mehr bekommen als andere oder sogar alles.

Immobilien spielen wachsende Rolle

Immobilen werden bei Erbschaften immer bedeutender. Bisher waren laut der Quirin-Privatbank-Studie Häuser, Grundstücke oder Wohnungen bundesweit in jedem dritten Erbe (34 %) enthalten besonders häufig in Rheinland-Pfalz (46 %), am seltensten in Sachsen (22 %). Das dürfte sich künftig ändern: Jeder zweite Befragte, der eine Erbschaft vergeben will, also auch jeder zweite, der eine Erbschaft erwartet, geht davon aus, dass Immobilien zur Erbschaft gehören werden.

„Auch in Ostdeutschland ist das so, obwohl es hier bisher viel seltener Immobilienerbschaften gab als im Westen“, weiß Karl Matthäus Schmidt. In der Vergangenheit, so die Erkenntnis der Quirin-Privatbank-Studie, haben bundesweit allerdings nur etwa ein Viertel der Erben die geerbte Immobilie selbst bezogen.

Hoher Informationsbedarf

Bislang musste im Schnitt jeder siebte Erbe in Deutschland Erbschaftsteuern bezahlen. Im Saarland war das mit 20 % doppelt so häufig der Fall wie in Sachsen-Anhalt mit nur 11 %. Durch die hohe Eigenheimquote im Saarland erwarten die Menschen dort mit Abstand auch am häufigsten, eine Immobilie zu erben. Und tatsächlich haben die Saarländer bundesweit am häufigsten auch vor, eine Immobilie zu vererben. Auseinandersetzungen zwischen Erben gab es am häufigsten in Bremen.

Mehr als jeder vierte Erbe in der Hansestadt berichtet von Streitfällen deutlich mehr als im bundesdeutschen Schnitt (18 %) und doppelt so häufig wie in Berlin oder Sachsen-Anhalt. Knapp die Hälfte aller Deutschen, gleichermaßen in West- wie in Ostdeutschland, fühlt sich beim Thema Erben und Vererben schließlich nicht ausreichend informiert. Der größte Beratungsbedarf wird bei den Themen Erbschaftsteuer, Testamente und Beurkundungspflichten gesehen. „Sechs von zehn Befragten halten es laut unserer Studie für wichtig, dass Banken sie bei diesem Thema ausführlich informieren und unterstützen“, betont Vorstandsvorsitzender Schmidt.

Die spezifischen Ergebnisse für Thüringen

  • Bei 7 % der Erben in Thüringen lag der Wert der bisher erhaltenen Erbschaften höher als 100.000 Euro. Das ist im Vergleich mit dem Durchschnitt für Gesamt-Deutschland (Bundesschnitt 16 %) ein erwartet niedriger Wert. Innerhalb Ostdeutschlands ist das ein mittlerer Wert. In Sachsen (6%) und Sachsen-Anhalt (5 %) ist der Prozentsatz noch niedriger.
  • Während der Wert des übertragenen Erbes deutlich unter dem Bundesschnitt liegt, ist die Zahl der Erbschaften sogar leicht überdurchschnittlich. 36 % der Bürger in Thüringen haben schon geerbt (Bundesschnitt 35 %)
  • Aufgrund der niedrigen Erbschaften gibt es auch ein geringes Infobedürfnis in Sachen Erbschaftsteuer, 27 % würden hier gern mehr wissen (33 % im Bundesdurchschnitt)
  • Thüringer streiten beim Erben im Bundesländervergleich etwas unterdurchschnittlich. In Thüringen war das bei 17 % der Erbschaften der Fall (Bundesschnitt 18 %)
  • Thüringer haben nicht viel zu vererben, aber sie nutzen im Bundesländer-Vergleich am häufigsten die Gelegenheit, die Erbteile schon zu Lebzeiten übertragen. Bei 28 % der Vermögensübertragungen ist das in Thüringen der Fall.
  • Thüringen hat den geringste Zustimmung bei der Frage, ob die eigene Erbschaft als voll und ganz gerecht empfunden wird. 50 % erklären das, 60 % sind es im Bundesschnitt. Mit Abstand schlechtester Wert, Saarland (53 %) und Schleswig Holstein (55 %) haben ebenfalls schlechte Werte.
  • Thüringen hat bundesweit den zweithöchsten Anteil an Erben, die ihre Erbschaft als „Überhaupt nicht“ und „eher nicht“ gerecht empfinden. 22 erklären das Bundesschnitt (17 %). nur in Bremen ist der Anteil noch höher (23 %)
  • Weil die Thüringer so schlechte Erfahrungen mit der Gerechtigkeit beim Erben gemacht haben, legen sie Wert darauf, dass es künftig besser läuft. Deutlich überdurchschnittliche Werte haben die Thüringer nämlich, wenn es darum geht, dass es für sie ganz besonders wichtig ist, dass Erbschaften ohne Reibereien verlaufen sollen. 39 % sagen das (Bundesschnitt 36 %, deutlich über Bundesdurchschnitt; dritthöchster Wert nach Saarland und Rheinland Pfalz)
  • Schlusslicht: In Thüringen ist der Anteil der Bargeld-Erbschaften (59 %, Bundessschnitt 66 %) sowie der Wertpapiere (2 %, Bundesschnitt 9 %) am geringsten. Auch Immobilien werden in 30 % der Fälle und damit unterdurchschnittlich oft (Bundesschnitt 34 %) vererbt.
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