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So, 12:48 Uhr
07.01.2018
Lohntransparenz-Gesetz

Wissen, was der Kollege verdient

Männer verdienen bei gleicher Arbeit immer noch deutlich mehr als Frauen – laut Statistischem Bundesamt bekommen weibliche Beschäftigte bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation rund sechs Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Um hier Abhilfe zu schaffen, verabschiedete der Bundestag vergangenes Jahr das sogenannte Lohntransparenz-Gesetz...


Mit diesem soll es seit gestern nun möglich sein, Auskunft über das Gehalt von Mitarbeitern in ähnlicher Position zu bekommen. Alles Wissenswerte zum neuen Gesetz fasst Markus Mingers, Rechtsanwalt, im Folgenden zusammen.

„Das Lohntransparenz-Gesetz erlaubt es nicht, das Gehalt eines beliebigen Mitarbeiters zu erfragen“, weiß Mingers. „Zunächst beschränkt sich der Auskunftsanspruch auf Beschäftigte derselben Beschäftigtengruppe, also Personen, die einer vergleichbaren Tätigkeit nachgehen. Mindestens sechs Personen müssen dieser Gruppe zugehören, damit der Anspruch besteht – je spezifischer die Jobbeschreibung, desto schlechter sind folglich die Chancen, das Gehalt der Mitarbeiter zu erfahren.“

Es wird nicht das Gehalt eines einzelnen Kollegen oder einer einzelnen Kollegin offengelegt, sondern das Durchschnittsgehalt von fünf Personen, die ähnliche Arbeit leisten. Als Mann erfährt man nicht, wie viel Geld männliche, als Frau nicht, wie viel weibliche Beschäftigte verdienen. Der Anspruch gilt zudem nur für Unternehmen ab einer Mitarbeiterzahl von 200 Arbeitnehmern.

Auskunft zum Gehalt – So funktioniert’s!

„Die Anfrage zum Gehalt der Beschäftigtengruppe muss schriftlich erfolgen. Die Beantwortung übernimmt der Betriebsrat – ohne Betriebsrat obliegt die Aufgabe dem Arbeitgeber selbst“, so der Rechtsexperte. Macht ein Beschäftigter vom Gesetz Gebrauch, muss ein Jahr verstreichen bis er erneut Auskunft zum Durchschnittsgehalt verlangen darf. Einzige Ausnahme: die Arbeitsbedingungen haben sich in dieser Zeit merklich verändert.

Auskunft erhalten – und jetzt?

Erfährt ein Mitarbeiter durch den Bericht des Betriebsrats oder des Arbeitgebers, dass er weniger verdient als seine Kollegen, erhält er nicht automatisch mehr Gehalt. Vor dem Gericht hat er aber aussichtsreiche Chancen auf eine höhere Vergütung. Diskriminierung (oder: ungerechtfertigte Ungleichbehandlung) verstößt gegen das geltende Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Liegt also eine ungerechtfertigte Benachteiligung vor, besteht arbeitsrechtlich Anspruch auf Nachzahlung. „Vor einem möglichen Gerichtstermin sollte allerdings ein klärendes Gespräch mit dem Chef stehen“, rät Mingers abschließend.
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Kommentare

07.01.2018, 16.26 Uhr
Leser X | Am Leben vorbei
Dieses Gesetz greift nur in größeren Betrieben, in denen die Wahrscheinlichkeit der Lohndrückerei geringer ist, weil dort eher nach Tarif gezahlt werden muss.

Ein typisch deutsches Gesetz also mal wieder mit mehr Schein als Sein. Eine neue Nebelkerze, ein bisschen mehr Opium für's dumme Volk.
07.01.2018, 17.40 Uhr
Konfuzius | Richtig, Leser X
In den Betrieben, für die das Gesetz gilt, gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit auch einen Betriebsrat. Dieser hat, wenn kein Tarifvertrag gilt, über die Vergütungsgrundlagen mitzubestimmen. Daher wird mit dem Gesetz mal wieder vom Problem (Kleinunternehmen und tariflose Unternehmen) abgelenkt.
Schade ist, dass große, tarifgebundene Unternehmen dennoch diesem Auskunftswahnsinn ausgesetzt sind. Das hätte man bei einem guten Gesetz ausnehmen können.
07.01.2018, 20.33 Uhr
Andreas Dittmar | Lächerlich.....
Bei Betrieben mit Tarifverträgen sind bestimmten Tätigkeiten auch bestimmte Lohngruppen zugeordnet. Eventuell noch mit altersabhängigen Stufungen. Darüber gibt es aber Tabellen, die von jedem Arbeitnehmer einsehbar sind. Ich kann mir nicht vorstellen, das jemand bei vorhandenen Betriebsrat trotzdem abhängig vom Geschlecht bezahlt und das sogar noch schriftlich dokumentiert. Das mit einem Lohntransparenz-Gesetz zu unterbinden, zeigt wieder einmal mehr die Unfähigkeit unserer Volksvertreter.
07.01.2018, 22.09 Uhr
Friedrich I. | Na das
geht wohl so nicht, wie es geschrieben steht.
Das bundesdeutsche Datenschutzgesetz hat hier auch noch etwas zu sagen.
Eine FDJ`lerin ist es gewöhnt Daten weiter zu geben.
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