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Fr, 11:18 Uhr
18.09.2015
Spinnen, Weben, Stricken, Nähen

Mühlhausen zeigt Ausstellung zur Thüringer Textilindustrie

Mühlhausens Oberbürgermeister Dr. Johannes Bruns eröffnet am 23. September um 17.30 Uhr eine Ausstellung zur Thüringer Textilindustrie im Geschwister-Scholl-Heim/Mehrgenerationenhaus. Unter dem Titel "Spinnen, Weben, Stricken, Nähen" zeigt sie bis zum Jahresende ein Stück Mühlhäuser Industriegeschichte.

Das Musterbuch der Handelsfirma Heinrich und Christian Lutteroth zeigt die Vielseitigkeit der Mühlhäuser Textilproduktion bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts.   (Foto: Foto: Stadtarchiv Mühlhausen) Das Musterbuch der Handelsfirma Heinrich und Christian Lutteroth zeigt die Vielseitigkeit der Mühlhäuser Textilproduktion bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts. (Foto: Foto: Stadtarchiv Mühlhausen)
Zu Beginn der Jahres hatte das Thüringer Wirtschaftsarchiv in Kooperation mit dem Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar und der Industrie- und Handelskammer Erfurt die Geschichte der traditionsreichen Branche untersucht und die Ergebnisse in einer Ausstellung zusammengestellt.

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Zahlreiche Industriefotos aus Archivbeständen, Werbeaufnahmen von Modenschauen und Porträts von Menschen zeigen darin die Arbeitswelt der DDR-Jahre. Von den rund 215.000 Beschäftigten der Thüringer Textilindustrie waren zwei Drittel Frauen. Neben Produktpaletten und Verkaufsstrategien beleuchtet die Ausstellung Frauenarbeitsplätze in Spinnereien und Nähereien. In Mühlhausen wurden in den Cottana-Werken vor allem Jugendmode und Webwaren, Schürzen und Arbeitskleidung produziert. Aber auch die Herstellung gestrickter Damenmode bei Mülana war maßgebend. Beide Betriebe bezogen ihre Garne regional von der Westthüringer Kammgarnspinnerei Mühlhausen (WKM).

Zur Ausstellungseröffnung am Mittwoch (23.9.) um 17.30 Uhr laden die Stadt Mühlhausen und das Thüringer Wirtschaftsarchiv in das Geschwister-Scholl-Heim/Mehrgenerationenhaus ein.

Hintergrund:
Die ehemalige Reichsstadt Mühlhausen kann in der Textilindustrie eine lange Tradition vorweisen. Tuchmacher pflegten schon seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts über die Hanse Handelsbeziehungen zu den norddeutschen Küstenstädten. Von Lübeck aus exportierten die Kaufleute Mühlhäuser Tuche und Laken bis nach England, Russland und Schweden. Damit prägte die Stadt einen der ältesten und bedeutendsten Industriezweige Thüringens entscheidend mit und Handwerker verhalfen Mühlhausen in dieser Zeit zu angesehenem Wohlstand. So verweisen einige Mühlhäuser Familienwappen auf das traditionsreiche Gerberhandwerk und andere Handwerkskünste, die den Textil- und Bekleidungsmarkt bedienten und somit eine enge Verbundenheit vieler Mühlhäuser Familien zur Textilbranche verdeutlichen. Das waren bis zum Beginn der Industrialisierung neben den Gerbern vor allem die Leine- und Wollweber, Hut-, Knopf- oder Schuhmacher sowie Zeug- und Tuchmacher.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verdrängten die zunehmende Mechanisierung der Arbeitsschritte und dadurch entstandene Textilgroßbetriebe die kleineren Handwerksmanufakturen. Handelshäuser wie die Firma Lutteroth wuchsen und förderten dadurch eine weitere Industrialisierung. Streichgarnspinnereien, wie Firma A. E. Bohn & Comp. und Fa. Christoph Walter, oder die maschinelle Herstellung von Wollprodukten, wie bei Firma Albin Aulepp oder H. Jödicke, waren nur möglich durch die stetige Ansiedlung zuliefernder Maschinenfabriken. Eine Spezialität Mühlhausens war die Verarbeitung der in den Gerbereien anfallenden Lederreste zu Saffianleder. In dieser Branche blühten Firmen wie C. G. Oswald, Gebr. Kleeberg, P.W. Mehlers Wwe. & Söhne oder wohl am bekanntesten Fa. Friedrich Stephan auf. Außerdem blieben die Webereien bestimmend in der Mühlhäuser Textilverarbeitung. Firmen wie S. A. Oppé, Ernst Rowedder, Kroll & Kleinschmidt, Gebrüder Busch oder Binckebanck & Hammer produzierten baumwollene, halbwollene und wollene Gewebe.

Mit der Enteignung dieser Traditionsbetriebe durch die SED-Regierung entstanden bis 1972 riesige volkseigene Kombinate. In Mühlhausen waren das neben Cottana und Mülana vor allem der VEB Bekleidungswerk und der VEB Westthüringer Kammgarnspinnerei Mühlhausen. In der Marktwirtschaft und im Zuge der Globalisierung hatten diese Betriebe keine Chance. Nun kommt mit der Ausstellung ein Stück Zeitgeschichte zurück nach Mühlhausen.

Autor: red

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