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So, 14:30 Uhr
18.08.2019
Trockenheit im Wald

Die Schadensaufarbeitung läuft auf Hochtouren

Thüringens Forstministerin Birgit Keller verschaffte sich in der vergangenen Woche in einem Wald bei Blankenhain im Forstamt Bad Berka einen Überblick über die Aufarbeitung der Waldschäden. Die Forstämter arbeiteten mit Hochdruck an der Beseitigung der angefallenen Schäden. Wiederbewaldung und Waldumbau seien die wichtigsten Maßnahmen für die Zukunft...

Im Revier Blankhain befinden sich 1.600 Hektar Staatswald. „Die Forstleute arbeiten zusammen mit den Waldbesitzern und Forstunternehmen auf Hochtouren, um die von Trockenheit und Schädlingen verursachten Waldschäden zu beseitigen und die gesunden Bäume zu schützen“, so Keller.

Die Ministerin wurde bei dem Termin begleitet von Vertretern des Landesforstes, des Bauernverbands, des Waldbesitzerverbands und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Ministerin Keller schlug vor, dass sich auch Landwirte bei der Aufarbeitung der Waldschäden einbringen und die Forstleute zum Beispiel bei Aufforstungs-, Schutz-, Kultur- und Pflegemaßnahmen sowie Transportleistungen unterstützen können.

Der Vize-Präsident des Thüringer Bauernverbandes Udo Große unterstützte diesen Vorschlag: „Wir Thüringer Landwirte sind grundsätzlich bereit, einen Beitrag bei den geplanten forstwirtschaftlichen Maßnahmen zum Wohle des Waldes zu leisten. Zuvor müssen aber die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen geklärt werden. Es müsse zugleich sichergestellt werden, so Große weiter, „dass die konkreten Entscheidungen über Art und Umfang des Einsatzes unserer Maschinen und unseres Knowhows letztlich auf Unternehmensebene getroffen werden.“

Ministerin Keller schlug zudem weitere Maßnahmen vor, um den Waldaufbau nach den aktuellen Schadereignissen weiter voranzubringen. „Bereits nach den ersten größeren Schadensmeldungen 2018 haben wir einen Koordinierungsstab im Ministerium etabliert, um Lösungen für die schwierige Situation zu erarbeiten und die Sanierungsarbeiten im Wald abzustimmen. In den letzten Monaten zeigte sich, dass engere Abstimmungen auch auf lokaler Ebene zwischen Forstamt, Landkreisen, Waldbesitzern, Forstunternehmern und sonstigen Behörden notwendig sind. In dieser Situation halte ich die Einrichtung ‚Regionaler Krisenforen‘ für wichtig, um regionale Lösungen schneller und bedarfsgerecht koordinieren zu können“, so Keller.

Die wichtigsten Maßnahmen bleiben die Wiederbewaldung und der Waldumbau verdeutlichte Ministerin Keller: „Allein im Frühjahr 2019 wurden durch ThüringenForst über 180.000 Forstpflanzen auf Schadflächen im ganzen Land gepflanzt. Im Oktober und November 2019 sieht die Landesforstanstalt eine zweite verstärkte Wiederaufforstungswelle vor, aber das alles ist bei weitem nicht das, was wir noch vor uns haben. In Zukunft sprechen wir von Millionen Anpflanzungen.“

Gestern besuchte Thüringens Forstministerin die Forstbaumschule der ThüringenForst AöR in Breitenworbis. Dort stehen für 2020 weitere zwei Millionen Eichenpflänzchen bereit, die jeweils im Frühjahr und im Herbst in den Waldboden gebracht werden. Damit soll die Strategie der Begründung von Laub- und Laubmischwäldern vorangetrieben werden.

„Waldbesucher müssen in diesem und nächsten Jahren mit deutlich verstärkten Waldbewirtschaftungsmaßnahmen rechnen. Im Rahmen der Krisenbewältigung ist der Einschlag geschädigter Bäume erforderlich, was in der Regel mit Wegesperrungen und der intensiven Inanspruchnahme unseres Waldwegenetzes verbunden ist“, sagte der Vorstand von ThüringenForst Volker Gebhardt. „Hier bitten Waldbesitzer und Förster um Verständnis in der Bevölkerung – wir können die Krise nicht wegzaubern, diese aber sehr wohl kraftvoll anpacken und in einem absehbaren Zeitraum lösen.“

Zudem forderte Thüringens Forstministerin einen Waldgipfel bei dem der Bund alle Länder einbezieht und gemeinsam geeignete Lösungen für die Waldrettung koordiniert. „Ich begrüße es, dass das Bundesforstministerium die Notlage im Wald erkannt hat und nun auch aktiv wird. Allerdings kann ich nicht nachvollziehen, dass beim Moritzburger Gipfel am 1. August 2019 nur die unionsgeführten Ministerien geladen waren. Die Waldschäden betreffen alle Länder und nehmen keine Rücksicht auf politische Eigeninteressen. Deshalb sollten wir uns alle gemeinsam zur Rettung unserer Wälder einsetzen und sie nicht zum Spielball für politische Interessen werden lassen.“

Aktuell sind allein bei der Fichte bereits 1.372.200 fm vom Buchdrucker und rund 150.000 fm vom Kupferstecher befallen. Die Schadholzmenge ist etwa jeweils zur Hälfte im Staatswald und im Betreuungswald angefallen. Hinzu kommen Trockenschäden von ca. 560.000 fm an der Buche und anderen Laubhölzern. Bisher ist mehr als die Hälfte der regulären jährlichen Einschlagsmenge als Schadholz angefallen.
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Kommentare

19.08.2019, 07.55 Uhr
Andreas Dittmar | Nicht reden, sondern tun
Krisenstäbe, Regionale Krisenforen, Waldgipfel,Taskforce, da rollt ja wirklich der politische Harvester durch den Forst.
Meine Oma hat zu DDR-Zeiten 30 Jahre im Forst gearbeitet. Da bin ich in den Ferien auch das ein oder andere Mal mit dabei gewesen. Mit einem B1000 wurden die ArbeiterInnen von ihren Wohnorten abgeholt und zur "rollenden Teeküche" gefahren. Dann wurden die Bäumchen eingepflanzt. Das war keine Raketenwissenschaft aber ein Knochenjob. Man braucht Jungpflanzen, Forsthacken, Personal und das notwendige Kleingeld. Wenn Personal fehlt, kann man bestimmt auf den schier endlosen Pool der Klimaaktivisten zurückgreifen. Vorher muss natürlich das Schadholz raus. Die Entscheidung, ob da nun moderne Technik oder Rückepferde zum Einsatz kommen, müssen die Unternehmen vor Ort entscheiden.

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19.08.2019, 08.21 Uhr
N. Baxter
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