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So, 08:57 Uhr
08.12.2019
Von Soul-Food, Cloud-Kitchen und Quality-Time:

Darum feiert Essengehen sein Comeback

Für viele Menschen ist Online-Shopping ein fester Bestandteil ihres Alltags geworden. Verbraucher können sich nahezu alles nach Hause liefern lassen: Kleidung, Essen, Hundefutter, Pflanzenerde. Die Liste ließe sich noch unendlich erweitern...

Gläser (Foto: Unsplash / Scott Warman) Gläser (Foto: Unsplash / Scott Warman)


So lässt sich selbst der Einkauf im Supermarkt bequem vom Sofa aus erledigen. Das ist vor allem eines: praktisch. Doch gerade im Hinblick auf bestelltes Essen sind Lieferdienste nicht immer die beste Wahl. Lange Wartezeiten und kalte Gerichte laden schließlich nicht gerade zum Genießen ein, im Gegenteil. Spätestens seitdem die Auswahl der Lieferdienste geschrumpft ist, kommt vor allem am Wochenende Frust auf. Nicht allein deshalb setzen viele Foodies nun wieder auf den klassischen Restaurantbesuch. Warum dieser ein Comeback erlebt und wie dabei die Umwelt geschont wird, verrät Kristina Gerlitz, Trendscout und Kommunikationsexpertin bei speisekarte.de.

Porzellan statt Plastik: Wie Essengehen Ressourcen spart


Die Deutschen produzieren so viel Plastik- und Verpackungsmüll wie nie zuvor. Laut Umweltbundesamt waren es 2017 ganze 18,7 Millionen Tonnen. Vor allem junge Menschen greifen häufig zu Mahlzeiten in Einwegverpackungen. Mehr als zwei Drittel der unter 30-Jährigen kauft einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge mindestens einmal im Monat Essen bei Restaurants oder Lieferdiensten, das in Einwegverpackungen steckt. In Zeiten der Klimakrise und steigendem Umweltbewusstsein scheint dieser Trend zunächst absurd. Doch spätestens durch die vielen Lieferanten auf den städtischen Straßen wird klar, dass geliefertes Essen nach wie vor beliebt ist. Nachvollziehbar, denn es gibt gerade in der kalten Jahreszeit nichts Gemütlicheres als die Pasta des Lieblingsitalieners auf der heimischen Couch zu verspeisen - oder? Was in der Theorie nach einem schönen entspannten Abend klingt, wird in der Realität jedoch schnell zur Umwelt-Sünde. Der Hang zum Onlineversand, Essenbestellen und Coffee-to-go ist einer der Hauptgründe für die nicht enden wollende Plastikflut. Doch nicht nur dem Klima zuliebe setzen immer mehr Food-Liebhaber auf den klassischen Restaurantbesuch. Mit den liebevoll angerichteten und duftenden Speisen auf edlem Geschirr können Plastikverpackung, Pizzakarton und Co. einfach nicht mithalten - das Auge isst schließlich mit. Es lohnt sich also die Jogginghose gegen eine Jeans zu tauschen und dem Lieblingsrestaurant mal wieder einen Besuch abzustatten. Den eigenen Geschmacksknospen und der Umwelt zuliebe!

Für ein gutes Bauchgefühl: Quality-Time mit Freunden und Familie
Ein Restaurantbesuch dient nicht nur der Umwelt, auch die Beziehungen zu Freunden und Familie profitieren davon. Bereits die Vorbereitung auf die gemeinsamen Stunden steigert die Achtsamkeit und schließlich wird auch das Essen bewusster genossen. Sei es nun im Restaurant oder ein gemeinsamer Kochabend mit Freunden: Die Aufmerksamkeit ist einer ganz konkreten Situation gewidmet. Der Restaurantbesuch fördert die Kommunikation und ist wichtiger Moment für emotionalen Austausch. Zudem fokussiert der aufrechte Sitz vor einem gedeckten Tisch, auf eine Sache und nicht auf viele Dinge gleichzeitig - wie es im Alltag so oft der Fall ist. Das scheint nun recht simpel, doch isst ein Großteil der Bevölkerung zwischen Tür und Angel: Vor dem PC, im Gehen, im Stehen, auf dem Sofa. Laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts, ist in den letzten zehn Jahren die Zahl der gemeinsamen Mahlzeiten am Morgen oder Abend unter der Woche um ganze fünf Prozent zurückgegangen. Das gemeinsame Mittagessen sogar um neun Prozent. Aus dieser Entwicklung resultiert, dass von Montag bis Freitag nur noch 39 Prozent gemeinsam frühstücken und jeder zweite sein Mittagessen mit der Familie, Freunden oder Arbeitskollegen zu sich nimmt. Darüber hinaus bringt der Restaurantbesuch neben Geselligkeit auch Bewegung. Das gemeinsame Essen lässt sich mit einem Verdauungsspaziergang Richtung heimwärts besiegeln.

Slow-Food und Cloud-Kitchen: Der Blick über den Tellerrand


In den letzten Jahren sind Cloud-Kitchens zum Trend geworden. Restaurants, die zwar Küche und Speisekarte haben, dafür aber keine Stühle, Tische oder Kellner. Ihre Existenz besteht darin, die Kunden von Lieferdiensten zu bekochen. Dabei ist es doch vor allem der Besuch vor Ort, der besticht. Das Essen landet gleich aus der Pfanne auf dem Teller. Der Salat ist frisch und die einzelnen Teile des Menüs lassen sich noch auseinanderhalten. Vor Ort schmeckt es nicht nur besser, auch das Auge hat mehr davon. Wer gerne auswärts essen geht, freut sich auf das Stöbern in Speisekarten, die hübsch angerichteten Teller und die Atmosphäre im Restaurant. Da kann die professionelle Studioaufnahme der Online-Bestellung allein nicht mithalten. Darüber hinaus kann mit einem Blick auf die Teller der anderen Gäste im Restaurant Inspiration für die eigene Wahl gesammelt werden. Bei Fragen zur Herkunft und Zubereitung, sind Koch und Kellner nicht weit. Und das Essen ist warm! Im hektischen Großstadtverkehr hingegen, werden aus 20 Minuten schnell 55 Minuten Lieferzeit. Da bleibt kein Essen heiß und der Magen vorerst leer!

Fazit: Gemeinsam statt alleine essen


Ein Restaurantbesuch schont also nicht nur die Umwelt, er pflegt soziale Kontakte und ermöglicht wertvolle Zeit mit Freunden und Familie. Am richtigen Ort gibt es eine nette Geste vom Kellner oder etwas aufs Haus, ein spontaner Sonderwunsch oder flexible Menü-Auswahl. Zudem ermöglicht die eigene Anwesenheit einen Blick in die Ecken des Restaurants und lässt prüfen, wie sauber es ist und rückschließend auch in der Küche sein wird. Bei Allergien, Unverträglichkeiten und Fragen zu Herkunft und Zubereitung des Essens kann transparent nachgehakt werden. Ganz klar, Essengehen feiert sein Comeback und das nicht nur in der besinnlichen Jahreszeit!
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