So, 18:30 Uhr
19.12.2021
Disziplinierte Demonstranten und friedlicher Verlauf der Proteste
Pro und Contra in der Altstadt
Zwei angemeldete Demonstrationen prägten am Nachmittag dieses Adventsonntags das Bild in der Bad Langensalzaer Altstadt. Im Mittelpunkt standen die umstrittenen Coronamaßnahmen und ihre Auswirkungen. Während sich an der Marktkirche Widerstand offenbarte, trafen sich die Unterstützer hinterm Rathaus …
Wie an jedem Adventsonntag fanden sich auch heute wieder etwa 250 Menschen vor der Marktkirche in Bad Langensalza ein, um gegen die Einschränkungen der Landesregierung im Zuge der Coronamaßnahmen zu demonstrieren. Und wie bereits am letzten Sonntag zogen sie nicht mehr spazierend durch die Stadt, sondern verharrten eine Stunde lang in kleinen Gruppen bei Glühwein oder Kaffee und lauschten den Rednern bzw. der abgespielten Weihnachtsmusik.
Etwa einhundert Meter weiter erklang Punkrock- und Rapmusik linksorientierter Gruppen mit engagierten Texten aus einer professionellen Lautsprecheranlage. Hier, hinter dem Rathaus, organisierten Antifa-Aktivisten wie schon in der Vorwoche ein Gegenveranstaltung. An Informationsständen wollten sie ihren Standpunkt erläutern, der auch in abgespielten Audio-Mitschnitten und auf handgefertigten Infozetteln an einer Wäscheleine verkündet wurde. Die Aktivisten verwiesen auf die Todesopfer im Landkreis, die an oder mit Corona verstarben und forderten Solidarität mit der Pflege.
Vor der Marktkirche sprachen verschiedene Redner, darunter der Thüringer AfD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Pohl, zur versammelten Menge. Pohl stellte unter Beifall für seine Partei klar: Wir wollen keine Impfpflicht! Der örtliche Versammlungsleiter ermutigte die Anwesenden, miteinander zu reden, Erfahrungen auszutauschen und sich zu vernetzen. Er bedankte sich - ebenfalls unter dem Applaus der Zuhörer - bei den Polizeikräften vor Ort für ihren besonnenen Einsatz. Diese waren heute in deutlich geringerer Anzahl als noch vor Wochenfrist erschienen und verlebten einen ruhigen, weil äußerst friedlichen Nachmittag. Zu einem solchen friedlichen Protest war auch gleich zu Beginn nach Verlesung der Hygienevorschriften aufgerufen worden und es gab keinerlei Vorfälle während der Proteststunde, die etwa anderes vermittelten. Die Menschen, so der Hauptredner, hätten inzwischen auch im Westen Deutschlands keine Angst mehr, ihre Meinung und ihren Protest auf die Straße zu bringen, wie die 11 000 Hamburger Demonstranten von gestern beweisen würden.
Hinter dem Rathaus gab es in der Zwischenzeit auch Kaffee für die knapp 20 antifaschistischen Aktivisten, die von einem Einsatzfahrzeug der Polizei bewacht, nun ihren Mund-Nasen-Schutz lüpfen konnten, um das Heißgetränk zu schlürfen. Sie blieben weiterhin unter sich und hörten abwechselnd Musik und Audiofiles, die sich mit der Notwendigkeit des Impfens gegen das Corona-Virus beschäftigten.
An der Marktkirche sind es kurz darauf drei Kinder, die den Mut finden, frei sprechend ihren Frust über die erlebte Situation in der aktuellen Vorweihnachtszeit zum Ausdruck zu bringen. Ihr Fazit: 2G bringt nichts und das dauernde Lüften im Unterricht führt zu Erkältungskrankheiten der genervten Schüler. Auch sie wurden mit dankbaren Applaus bedacht. Die Textstärke der Demonstranten bei den abgespielten Weihnachtsliedern ließ hingegen zu wünschen übrig und die Beteiligung am Gesang hielt sich in Grenzen. Kurz vor 17 Uhr war die Veranstaltung beendet und die Menschen gingen mit ihren Kindern und vereinzelten Laternen wieder von dannen.
Ob sie dabei noch das Aufklärungsangebot der Gegendemonstranten nutzten und deren Argumente auf sich wirken ließen, darf zumindest bezweifelt werden. Angesichts des wegweisenden Transparents, das von den Vertretern der Antifa vor ihren Infoständen platziert wurde, schien ein offener Meinungsaustausch mit Andersdenkenden eher unwahrscheinlich und wohl auch nicht wirklich gewollt.
Olaf Schulze
Autor: oschWie an jedem Adventsonntag fanden sich auch heute wieder etwa 250 Menschen vor der Marktkirche in Bad Langensalza ein, um gegen die Einschränkungen der Landesregierung im Zuge der Coronamaßnahmen zu demonstrieren. Und wie bereits am letzten Sonntag zogen sie nicht mehr spazierend durch die Stadt, sondern verharrten eine Stunde lang in kleinen Gruppen bei Glühwein oder Kaffee und lauschten den Rednern bzw. der abgespielten Weihnachtsmusik.
Etwa einhundert Meter weiter erklang Punkrock- und Rapmusik linksorientierter Gruppen mit engagierten Texten aus einer professionellen Lautsprecheranlage. Hier, hinter dem Rathaus, organisierten Antifa-Aktivisten wie schon in der Vorwoche ein Gegenveranstaltung. An Informationsständen wollten sie ihren Standpunkt erläutern, der auch in abgespielten Audio-Mitschnitten und auf handgefertigten Infozetteln an einer Wäscheleine verkündet wurde. Die Aktivisten verwiesen auf die Todesopfer im Landkreis, die an oder mit Corona verstarben und forderten Solidarität mit der Pflege.
Vor der Marktkirche sprachen verschiedene Redner, darunter der Thüringer AfD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Pohl, zur versammelten Menge. Pohl stellte unter Beifall für seine Partei klar: Wir wollen keine Impfpflicht! Der örtliche Versammlungsleiter ermutigte die Anwesenden, miteinander zu reden, Erfahrungen auszutauschen und sich zu vernetzen. Er bedankte sich - ebenfalls unter dem Applaus der Zuhörer - bei den Polizeikräften vor Ort für ihren besonnenen Einsatz. Diese waren heute in deutlich geringerer Anzahl als noch vor Wochenfrist erschienen und verlebten einen ruhigen, weil äußerst friedlichen Nachmittag. Zu einem solchen friedlichen Protest war auch gleich zu Beginn nach Verlesung der Hygienevorschriften aufgerufen worden und es gab keinerlei Vorfälle während der Proteststunde, die etwa anderes vermittelten. Die Menschen, so der Hauptredner, hätten inzwischen auch im Westen Deutschlands keine Angst mehr, ihre Meinung und ihren Protest auf die Straße zu bringen, wie die 11 000 Hamburger Demonstranten von gestern beweisen würden.
Hinter dem Rathaus gab es in der Zwischenzeit auch Kaffee für die knapp 20 antifaschistischen Aktivisten, die von einem Einsatzfahrzeug der Polizei bewacht, nun ihren Mund-Nasen-Schutz lüpfen konnten, um das Heißgetränk zu schlürfen. Sie blieben weiterhin unter sich und hörten abwechselnd Musik und Audiofiles, die sich mit der Notwendigkeit des Impfens gegen das Corona-Virus beschäftigten.
An der Marktkirche sind es kurz darauf drei Kinder, die den Mut finden, frei sprechend ihren Frust über die erlebte Situation in der aktuellen Vorweihnachtszeit zum Ausdruck zu bringen. Ihr Fazit: 2G bringt nichts und das dauernde Lüften im Unterricht führt zu Erkältungskrankheiten der genervten Schüler. Auch sie wurden mit dankbaren Applaus bedacht. Die Textstärke der Demonstranten bei den abgespielten Weihnachtsliedern ließ hingegen zu wünschen übrig und die Beteiligung am Gesang hielt sich in Grenzen. Kurz vor 17 Uhr war die Veranstaltung beendet und die Menschen gingen mit ihren Kindern und vereinzelten Laternen wieder von dannen.
Ob sie dabei noch das Aufklärungsangebot der Gegendemonstranten nutzten und deren Argumente auf sich wirken ließen, darf zumindest bezweifelt werden. Angesichts des wegweisenden Transparents, das von den Vertretern der Antifa vor ihren Infoständen platziert wurde, schien ein offener Meinungsaustausch mit Andersdenkenden eher unwahrscheinlich und wohl auch nicht wirklich gewollt.
Olaf Schulze












