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Fr, 15:25 Uhr
07.01.2022
uhz-Interview mit dem Organisator der Demos in Bad Langensalza

"Wir suchen den Dialog mit allen"

Während derzeit jede Woche bundesweit Tausende Menschen auf die Straßen gehen, um gegen die Corona-Maßnahmen der Regierungen und für ihre Freiheitsrechte spazieren zu gehen, wurde in Bad Langensalza ein anderer Weg gewählt. Hier versammeln sich bis zu 350 Bürger sonntags an der Marktkirche. Die uhz unterhielt sich mit dem Initiator dieser Protestkundgebungen …

Marius Franke ist der Anmelder der Demonstrationen, die allsonntäglich in Bad Langensalza stattfinden. Der 33-Jährige stammt aus Stade bei Hamburg und hat in Schwerin eine Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit absolviert. Privat entschied er sich für Thüringen, weil ihm die Landschaft gefällt und „die Menschen hier so nett und offen sind“.

Marius Franke (rechts) organisiert die Versammlungen in Bad Langensalza (Foto: oas) Marius Franke (rechts) organisiert die Versammlungen in Bad Langensalza (Foto: oas)

uhz online: Wie kam es dazu, dass in Bad Langensalza eine regierungskritische Versammlung unter dem Motto „Freiheit statt Spaltung“ stattfinden kann, während andernorts ins Thüringen Spaziergänge von der Polizei aufgelöst werden?
Marius Franke:
Es begann schon am Anfang der Corona-Krise 2020 mit Protesten in der Stadt gegen die Unehrlichkeit und Unglaubwürdigkeit der Politik im Umgang mit der Krankheit. Leider hat sich das immer mehr verschlimmert und so hielten Freunde und ich es für sinnvoll, den Protest wieder auf die Straße zu bringen. Beim zweiten Spaziergang wurden wir von der Polizei eingekesselt und ich bekam das Angebot, als Versammlungsleiter zu fungieren, wenn wir künftig eine Standveranstaltung abhalten würden. Weil bisher alles friedlich blieb und wir regelmäßig Absprachen mit der Polizei, dem Landratsamt und dem Ordnungsamt der Stadt treffen, wurde uns die Versammlung mit 350 Teilnehmern quasi als Vertrauensvorschuss genehmigt.

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Sie stehen jetzt als Versammlungsleiter in der Verantwortung. Abgesehen vom Protest gegen die Corona-Maßnahmen, welche weiteren Ziele verfolgen Sie mit den sonntäglichen Zusammenkünften?
Die Treffen geben vielen Bürgern Kraft und sie bedanken sich regelmäßig bei mir. Das ist schon eine große Motivation für uns. Die Frage ist ja auch, was ist mit einem Spaziergang zu erreichen? Wir wollen hier ins Gespräch kommen und uns dafür einsetzen, dass die Leute weiter individuell freie Entscheidungen treffen dürfen. Wir sind gegen die verordneten Ungerechtigkeiten und wollen zu einem wirklichen Austausch der Meinungen gelangen. Schließlich wollen wir eine Bürgerinitiative gründen und möglichst Politiker aller Parteien zusammenbringen, die im Dialog miteinander über Lösungen und Änderungen des derzeitigen Status quo reden.

Bei einer der letzten Veranstaltungen trat der AfD-Bundespolitiker Jürgen Pohl auf, Sie selbst sind Mitglied der Partei. Wie wollen Sie unter diesen Bedingungen einen parteiunabhängigen Protest gewährleisten?
In der politischen Parteien-Landschaft gibt es nur wenig Unterstützung für unsere Forderungen und Wünsche. Ich versuche immer, parteiunabhängig zu sprechen, denn es betrifft uns alle, was in unserem Land passiert. Ich verleugne meine Mitgliedschaft nicht, versuche aber all diejenigen zu erreichen, die sich interessieren und Zweifel an den Regierungsmaßnahmen hegen. Und auch wenn ich das Grundsatzprogramm der AfD richtig und wichtig finde, teile ich nicht alle Positionen der Partei. Den Extremismus darin, wie er immer wieder in den Medien dargestellt wird, kann ich allerdings nicht entdecken.

Die meisten Gegner ihrer Initiative werfen Ihnen vor, ein Leugner der Corona-Krankheit zu sein und mit Ihrem Widerstand gegen die Impfungen Menschenleben zu gefährden. Was können Sie diesen Kritikern erwidern?
Der Begriff „Leugner“ verbietet sich für mich in diesem Zusammenhang, denn die Krankheit ist nachweislich existent. Jedoch hinterfrage ich alles, was ich höre und lese und es gibt viele vertrauenswürdige Experten, die ein anderes Bild der Pandemie zeichnen, als unsere Regierung und die Medien. Eine absolute Wahrheit ist nicht zu finden und ich ziehe für meine Meinungsbildung Statistiken zu Rate und die Betrachtung der realen Umwelt. Wenn ich dann bemerke, wie wenig im Alltag beispielsweise auf Hygiene Wert gelegt wird, kann ich die angebliche Gefahr nicht so erkennen, wie sie uns öffentlich dargestellt wird.

Anlässlich zwei der letzten Veranstaltungen fanden sich auch Gegendemonstranten hinter dem Rathaus ein und machten auf Plakaten unter anderem auf die Gefährlichkeit des Erregers und die Opfer der Corona-Erkrankungen aufmerksam. Haben Sie Kontakt zu dieser Gruppe oder wissen Sie überhaupt von deren Existenz?
Über die zuständige Veranstaltungsbehörde weiß ich von den Veranstaltungen, kenne die Gruppe aber nicht. Ich würde gerne mit diesen Menschen sachlich diskutieren, weil ich verstehen möchte, wie sie denken und warum. Nur ein Dialog zwischen den unterschiedlichen Standpunkten und ein konstruktiver Austausch kann uns in dieser Situation weiter bringen.

Wie lange wollen Sie den Protest in Bad Langensalza noch weiter auf der Straße austragen?
So lange wie es nötig ist; bis sich die Einsicht in der Politik breit macht, diese Spaltung der Gesellschaft endlich zu beenden. Ich fürchte, es wird sich noch bis April oder Mai hinziehen, ehe die unsinnigen Maßnahmen wieder aufgehoben werden. Dann muss eine Aufarbeitung der letzten beiden Jahre erfolgen, denn die Folgeprobleme der verfehlten Politik werden erst noch auf uns zukommen. Und hier meine ich nicht nur die gesundheitlichen Auswirkungen.

Das Gespräch führte Olaf Schulze.
Autor: osch

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