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Di, 07:00 Uhr
18.01.2022
Kalkhaltiges wird vom weichen Trinkwasser der Ohra-Talsperre abgelöst

„Wasser Marsch!“ in Bad Langensalza

Als eine „turbulente Geschichte“ bezeichnet Bad Langensalzas Bürgermeister und Chef des örtlichen Wasserverbandes den Prozess bis zur heutigen Einspeisung von weicherem Wasser in die Haushalte der Stadt. Matthias Reinz wurde nach seiner Wahl 2018 sozusagen gleich ins kalkige Wasser geworfen, als es darum ging, wie die Qualität (besonders aber der Härtegrad) des Trinkwassers zu verbessern sei…

Ab heute fließt weicheres Wasser durch die Hähne (Foto: Eva Maria Wiegand) Ab heute fließt weicheres Wasser durch die Hähne (Foto: Eva Maria Wiegand)

Lange war eine Enthärtungsanlage im Gespräch, die den Kalk auswaschen und dann in die Salza ableiten sollte, erzählte Bürgermeister Reinz im uhz-Interview. Diese Idee wurde in der Bevölkerung allerdings skeptisch aufgenommen, denn viele fürchteten, dass aus der Salza endgültig eine „Kalka“ werden könne. Denn durch verstärkte Kalklösung im wärmeren Klima der vorherrschenden Zwischeneiszeit kam es um Bad Langensalza nicht nur zur Bildung von festen Travertinen, sondern im Unterlauf der Salza eben auch zu Kalksandablagerungen, die nun den Weg ins Trinkwasser fanden. Wie nachhaltig und lange eine Entkalkungsanlage gearbeitet hätte bzw. wann sie umweltpolitisch obsolet geworden wäre, war völlig ungewiss.

Als vielversprechender galt die Variante, zukünftig Trinkwasser aus der Ohratalsperre zu beziehen, wofür es schließlich auch Fördergelder des Freistaates Thüringen gab. Im Dezember 2018 hat der Verband den Vertrag mit der Thüringer Fernwasserversorgung zur Lieferung von Fernwasser an das Verbandswasserwerk unterzeichnet und in den folgenden drei Jahren waren umfangreiche Investitionen notwendig, um das Versorgungsgebiet auf die Einspeisung des neuen Fernwassers vorzubereiten.

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Der Wasserverband erklärt den sukzessiven Austausch so: „Unser Versorgungsnetz ist derzeit mit Trinkwasser aus verbandseigenen lokalen Brunnen (Golken und Goldborn) gefüllt. Mit der Einspeisung von Fernwasser ist ein langsamer Verdrängungsprozess verbunden. Die lokalen Wasser werden nach und nach ausgetauscht.“

Werksleiter Matthias Vogt ergänzte auf uhz-Anfrage: „Die Hochbehälter auf dem Roten Berg sind gefüllt mit dem neuen Wasser und wir gehen davon aus, dass in drei bis vier Wochen die komplette Umstellung sowie der Austausch im Netz nahezu vollständig erfolgt sind. In Ortschaften wie Schwerstedt und Blankenburg, die etwas weiter weg liegen, wird es länger dauern, bis das neue, weiche Wasser ankommt, aber in der Kernstadt findet der Tausch schon heute statt.“

Vogt verwies ausdrücklich darauf, dass die abgenommene Menge Wasser einen Einfluss auf die Umstellung hat. „Je mehr Wasser von Ort verbraucht wird, desto schneller fließt das neue Wasser nach und ersetzt das bisherige.“

Jetzt gilt also endlich: Wasser marsch! Und wir haben Ihnen hier die wichtigsten Fakten zu den Änderungen in Kurzform zusammengestellt:
  • das Wasser ist reines Fernwasser mit ca. 4-6 °dH, am Anfang des Umstellungsprozesses wird jedoch der Härtewert noch darüber liegen
  • das Fernwasser wird einen pH-Wert von 8,54 haben, die Säurekapazität variiert von 0,02 bis 1,22 mmol/l
  • die Leitfähigkeit bei 20 °C wird mit 173 S/cm angegeben, gegenüber dem bisherigen Wert von 1.030 S/cm
  • der Nitrat-Gehalt liegt im Fernwasser mit 3,9 mg/l deutlich unter dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung (50 mg/l)
  • der Sulfat-Gehalt wird mit 9,5 mg/l und der Chlorid-Gehalt mit 14,1 mg/l angegeben
  • das Desinfektionsverfahren wird schrittweise umgestellt von Chlordioxid auf Natriumhypochlorit – ein nach Trinkwasserverordnung zugelassenes Mittel

Die Grenzwerte der aktuellen Trinkwasserverordnung werden durch das eingespeiste Fernwasser weiterhin eingehalten, beteuert der Verband auf seiner Homepage. Besitzern von privaten Aufbereitungsanlagen wird empfohlen, diese an die neue Wasserqualität anzupassen. Enthärtungsanlagen unter Einsatz von Regeneriersalz sollten außer Betrieb genommen werden, rät der Wasserverband.

Desweiteren verweisen die Experten darauf, dass es trotz sorgfältig durchgeführter Arbeiten im Zuge der Umstellung im Versorgungsnetz vorübergehend zu Trübungen des Trinkwassers sowie zu Lufteinschlüssen kommen kann. Die seien jedoch gesundheitlich unbedenklich. In den vergangenen Monaten ist ein größerer Teil des Trinkwassernetzes bereits gespült worden und man geht davon aus, dass Trübungen und Ablösungserscheinungen im Netz weitestgehend vermieden werden können. Die Spülungen werden weiter fortgesetzt.

„Möglicherweise ist es nach der Umstellung aber notwendig, für eine begrenzte Zeit sogenannte Inhibitoren einzusetzen. Sie stabilisieren die Leitungen, um die genannten Trübungen und Ablösungserscheinungen so gering wie möglich zu halten. Die Inhibitoren sind lebensmittelecht, nach Trinkwasserverordnung zugelassen und somit gesundheitlich völlig unbedenklich“, erläutert der Wasserverband abschließend.
Olaf Schulze
Autor: osch

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