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Mi, 08:30 Uhr
16.03.2022
Gästeführer besuchten Bad Langensalzaer Drei-Türme-Brauerei

Der „Süffige Günter“ und anderes im Keller

Angefangen hat alles in der WG-Küche von Alexander Schaller in Weimar. Der damalige Student hatte zuvor eine Kellerführung in seiner Heimatstadt Bad Langensalza erlebt und dabei auch die Gewölbe der ehemaligen Müller-Brauerei besucht. Spontan reifte in ihm eine Idee…

ie erfolgreichen Brauer Alexander Schaller und Günter Lenegfeld (Foto: M.Fromm) ie erfolgreichen Brauer Alexander Schaller und Günter Lenegfeld (Foto: M.Fromm)

„Warum soll ich das Ganze nicht selbst einmal probieren?“, dachte er sich. Mit ein wenig Hefe, Hopfen und Malz kreierte er im Wohnheim sein erstes eigenes Bier. Seine Mitbewohner waren die ersten Verkoster. „Es schmeckte scheußlich, aber ich hatte den Antrieb, weiter an der Sache dran zu bleiben und so lange zu probieren, bis ich es perfektioniere“, blickt der heutige Ingenieur zurück.

Mittlerweile betreibt er in einem Anbau seines Wohnhauses im Zentrum der Kurstadt seine eigene private Craftbier-Brauerei und produziert in echter Handarbeit das Dreitürme-Bier. Der Bad Langensalzaer Dreitürmeblick bildet die Grundlage für den Namen und das Etikett der Flaschen, welche er alle selbst abfüllt und beklebt. Ab 2017 begann Schaller mit dem Ausbau und der Einrichtung der kleinen Produktionsstätte in der Herrenstraße. Nach und nach vertiefte er sich immer mehr in die Thematik und baute Schritt für Schritt alles zusammen, was man für die Herstellung von Bier benötigt.

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Rat und Hilfe fand er bei Günter Lengefeld, der zu DDR-Zeiten den Beruf des Brauers und Mälzers erlernte. „Damals musste man noch richtig schuften“, erzählt der heute 81-Jährige über seine frühere Tätigkeit. Heutzutage läuft in den modernen Anlagen so gut wie alles automatisch per ausgeklügelter Technik und EDV.

Die Kunst des Bierbrauens hatte den früheren Mitarbeiter der Bad Langensalzer Müller-Brauerei bis in die Mongolei verschlagen. Anfang der 90er Jahre wurde er über den Deutschen Brauerbund angeheuert und gefragt, ob er sich nicht vorstellen könne, in Ulan Bator Bier zu brauen. Lengefeld ließ sich auf das Abenteuer ein und leitete die Produktion der „Chinggis“-Brauerei in der mongolischen Hauptstadt. Einige Jahre später erhielt er dafür den Goldenen Polarstern, die höchste Auszeichnung der Mongolei.

Diese Erfahrung gab und gibt er gern an Alexander Schaller weiter, der sich eines Tages bei ihm am Telefon meldete. „Ich dachte, mich ruft ein Verrückter an“, gibt Lengefeld mit einem Lächeln zu. Doch aus dem ersten Austausch wurde eine enge Beziehung der beiden Bierenthusiasten. „Es gibt kaum einen Brautag, an dem Günter nicht dabei ist“, sagt Schaller. Seit 2020 hätten sie gemeinsam 14.000 Liter Bier produziert. „Keinen einzigen Liter davon mussten wir wegen schlechter Qualität oder mangelnder Nachfrage wegschütten“, ist Lengefeld stolz. Und das trotz Corona-Pandemie.

Von der Erfolgsgeschichte überzeugten sich am Dienstagabend auch die Bad Langensalzaer Gästeführerinnen und Gästeführer. Beide Braumeister erklärten den sehr interessierten Guides der Kurstadt die Besonderheit der Produktion. In allen Kellerführungen, welche seit 2009 ca. 20.000 Gäste angelockt haben, wurde über die Tradition des Langensalzaer Biers, welches im Volksmund nur „Müller dünn“ genannt wurde, berichtet. Umso glücklicher sind die Mitglieder der Gästeführerzunft, dass seit zwei Jahren wieder ein Bier in der Kurstadt gebraut wird, das von hoher Qualität ist.
Dementsprechend wollen die Gästeführer gern das Dreitürme-Bier in das Konzept der nach zwei Jahren Pause wieder startenden Kellerführungen mit einbinden. „Für unsere kleine Stadt ist es wirklich etwas Besonderes, dass wir unser ‚eigenes‘ Bier haben“, sagte Mary Fischer, die Vorsitzende der Gästeführer Zunft.

Durch ihre Initiative wurden die Führungen durch Bad Langensalzas Unterwelt vor 12 Jahren gestartet und entwickelten sich zu einem Selbstläufer. Nun sollen sie wieder Fahrt aufnehmen und die Gäste begeistern. Am Ende jeder Führung gibt es eine Bier-Verkostung und einige Anekdoten zur Bad Langensalzaer Brauereigeschichte. Selbstverständlich sollen die Führungsteilnehmer das „herrliche Gesöff“ auch erwerben können. Eine Besonderheit ist die Namensgebung der verschiedenen Biersorten der Dreitürmebrauerei. Sehr beliebt ist der „Süffige Günter“, eine Hommage an Braumeister Lengefeld durch seinen würdigen Nachfolger Alexander Schaller.
Markus Fromm

Gästeführer besuchten Brauer (Foto: M.Fromm)
Gästeführer besuchten Brauer (Foto: M.Fromm)
Autor: red

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