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25.03.2022
Regeln der Diplomatie
Diplomatie im allgemeinen ist bekanntlich die Kunst des Verhandelns zwischen bevollmächtigten Repräsentanten verschiedener Staaten. Meist geht es um die Pflege zwischenstaatlicher Beziehungen durch Absprachen über Angelegenheiten wie Friedenssicherung, Kultur, Wirtschaft und Handel. Um für beide Seiten eine Win-win-Situationen zu erreichen, ist Kompromissbereitschaft jedes Beteiligten dabei unerlässlich. Außerdem sollte grundsätzlich vermieden werden, die anderen Verhandelnden bloßzustellen oder in die Enge zu treiben. Soweit die Theorie...
Natürlich bin ich der Meinung, dass wir mit ausländischen Diplomaten auch respektvoll umgehen sollten. Allerdings setzt das auch ein entsprechendes Verhalten dieser voraus. Das Bedrängen unserer Regierung wegen der Lieferung von Waffen, ist aber genau das Gegenteil vom üblichen diplomatischen Handel. Ein absolutes Tabu ist das Anprangern des Staatsoberhauptes des Gastlandes, weil dieses die Interessen seines Landes vertritt, auch wenn diese Interessen dem Heimatland des Diplomaten entgegenstehen. So geschehen, nachdem unser Bundespräsident vor einem Jahr die Pipeline Nord Stream 2 verteidigt hatte.
Nicht erst seit diesem Zeitpunkt galt der Ukrainische Botschafter Andreij Melnyk, als jemand der die Regeln des diplomatischen Anstands nicht immer achtet.
Nach dem Motto wehret den Anfängen ist es in unserem Land schon über viele Jahre üblich, Lehren aus unserer Geschichte zu ziehen. Herr Melnyk sieht das anders. Er setzt die deutsche Politik unter Druck und ist ein offen bekennender Verehrer des früheren ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera. So besuchte der Botschafter zum Beispiel das Grab Banderas auf dem Münchner Waldfriedhof. Bandera hatte sich Anfang der 1930er Jahre erst der Organisation Ukrainischer Nationalisten angeschlossen, stieg schnell darin auf und wurde Führungskader, um dann, aufgrund von Differenzen mit deren Anführer, Andreij Melnyk (kein Schreibfehler, dieser hieß auch wie der aktuelle Botschafter), die Spaltung in eine konservative OUN-Melnyk und eine revolutionär/radikale OUN-Bandera herbeizuführen.
In der Ostukraine wird Bandera aufgrund der Zusammenarbeit mit der deutschen Wehrmacht als Kollaborateure bezeichnet, in der Westukraine hingegen als Nationalheld gefeiert. Dort wird ihm mit Denkmälern gehuldigt und Straßen und Plätze wurden nach ihm benannt. Auch bezeichnet der Diplomat das Regiment Asow, welches rechtsextreme Ansichten vertritt, als mutige Kämpfer für die Verteidigung der Heimat.
Im Oktober forderte der Botschafter von Deutschland Reparationen und aktuell fordert er Waffen wie unter anderem Kampfpanzer, U-Boote und Kampfflugzeuge. Angesichts der großen Hilfsbereitschaft, die unser Land der Bevölkerung der Ukraine entgegenbringt, wäre es angemessener, wenn sich der ukrainische Botschafter an übliche, diplomatische Regeln hielte, etwas kompromissbereiter wäre und mehr Verständnis für sein Gastland aufbringen würde.
Ein ehemaliger Regierungsvertreter, der sich stets an üblichen diplomatischen Gepflogenheiten gehalten hatte, wäre am vergangenen Wochenende 100 Jahre alt geworden. Egon Bahr war als Bevollmächtigter von Kanzler Willy Brand oft als Unterhändler zu Sondierungsgesprächen in Moskau oder Ost-Berlin in geheimer Mission unterwegs gewesen. Sein politisches Konzept nannte sich damals Wandel durch Annäherung.
Vielleicht wäre dieses Konzept auch heute der richtige Ansatz, um den Frieden in Europa wiederherzustellen.
acto, der vollständige Name ist der Redaktion bekannt
Autor: psgNatürlich bin ich der Meinung, dass wir mit ausländischen Diplomaten auch respektvoll umgehen sollten. Allerdings setzt das auch ein entsprechendes Verhalten dieser voraus. Das Bedrängen unserer Regierung wegen der Lieferung von Waffen, ist aber genau das Gegenteil vom üblichen diplomatischen Handel. Ein absolutes Tabu ist das Anprangern des Staatsoberhauptes des Gastlandes, weil dieses die Interessen seines Landes vertritt, auch wenn diese Interessen dem Heimatland des Diplomaten entgegenstehen. So geschehen, nachdem unser Bundespräsident vor einem Jahr die Pipeline Nord Stream 2 verteidigt hatte.
Nicht erst seit diesem Zeitpunkt galt der Ukrainische Botschafter Andreij Melnyk, als jemand der die Regeln des diplomatischen Anstands nicht immer achtet.
Nach dem Motto wehret den Anfängen ist es in unserem Land schon über viele Jahre üblich, Lehren aus unserer Geschichte zu ziehen. Herr Melnyk sieht das anders. Er setzt die deutsche Politik unter Druck und ist ein offen bekennender Verehrer des früheren ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera. So besuchte der Botschafter zum Beispiel das Grab Banderas auf dem Münchner Waldfriedhof. Bandera hatte sich Anfang der 1930er Jahre erst der Organisation Ukrainischer Nationalisten angeschlossen, stieg schnell darin auf und wurde Führungskader, um dann, aufgrund von Differenzen mit deren Anführer, Andreij Melnyk (kein Schreibfehler, dieser hieß auch wie der aktuelle Botschafter), die Spaltung in eine konservative OUN-Melnyk und eine revolutionär/radikale OUN-Bandera herbeizuführen.
In der Ostukraine wird Bandera aufgrund der Zusammenarbeit mit der deutschen Wehrmacht als Kollaborateure bezeichnet, in der Westukraine hingegen als Nationalheld gefeiert. Dort wird ihm mit Denkmälern gehuldigt und Straßen und Plätze wurden nach ihm benannt. Auch bezeichnet der Diplomat das Regiment Asow, welches rechtsextreme Ansichten vertritt, als mutige Kämpfer für die Verteidigung der Heimat.
Im Oktober forderte der Botschafter von Deutschland Reparationen und aktuell fordert er Waffen wie unter anderem Kampfpanzer, U-Boote und Kampfflugzeuge. Angesichts der großen Hilfsbereitschaft, die unser Land der Bevölkerung der Ukraine entgegenbringt, wäre es angemessener, wenn sich der ukrainische Botschafter an übliche, diplomatische Regeln hielte, etwas kompromissbereiter wäre und mehr Verständnis für sein Gastland aufbringen würde.
Ein ehemaliger Regierungsvertreter, der sich stets an üblichen diplomatischen Gepflogenheiten gehalten hatte, wäre am vergangenen Wochenende 100 Jahre alt geworden. Egon Bahr war als Bevollmächtigter von Kanzler Willy Brand oft als Unterhändler zu Sondierungsgesprächen in Moskau oder Ost-Berlin in geheimer Mission unterwegs gewesen. Sein politisches Konzept nannte sich damals Wandel durch Annäherung.
Vielleicht wäre dieses Konzept auch heute der richtige Ansatz, um den Frieden in Europa wiederherzustellen.
acto, der vollständige Name ist der Redaktion bekannt