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So, 07:03 Uhr
01.05.2022
Hohe Energiepreise

Arme Haushalte trotz Entlastung am stärksten belastet

Haushalte mit geringen Einkommen sind von den aktuell hohen Energiepreisen deutlich stärker betroffen als Haushalte mit hohen Einkommen – selbst dann, wenn man die Entlastungspakete der Bundesregierung einbezieht. Das ist das Ergebnis umfassender Simulationsberechnungen am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP)...

Demnach müssen alle privaten Haushalte in Deutschland mittelfristig im Durchschnitt 2,1 Prozent ihres Nettoeinkommens mehr für Energie ausgeben. Ohne die staatlichen Entlastungen wären es 3,4 Prozent. Bei den einkommensschwächsten zehn Prozent der Haushalte machen die Energiepreissteigerungen sogar 6,7 Prozent des Nettoeinkommens aus und selbst bei Berücksichtigung der Entlastungen verbleiben noch rund drei Prozent Nettobelastung.

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Demgegenüber müssen die reichsten zehn Prozent der Haushalte gemessen an ihrem Einkommen durchschnittlich nur zwei Prozent mehr für Energie ausgeben – da auch sie von den staatlichen Hilfen profitieren, sind es unter dem Strich nur 1,3 Prozent. Die Berechnungen beziehen sich auf die kommenden zwölf bis 18 Monate, da die Preissteigerungen nicht für alle Haushalte zum selben Zeitpunkt wirksam werden. So tanken sie beispielsweise zu unterschiedlichen Zeitpunkten Heizöl nach oder müssen als Gas-BestandskundInnen später als NeukundInnen höhere Tarife zahlen.

Belastung ärmerer Haushalte durch Energiekosten (Foto: DIW-Berlin) Belastung ärmerer Haushalte durch Energiekosten (Foto: DIW-Berlin)


„Die deutlich gestiegenen Energiepreise schlagen insbesondere bei ärmeren Haushalten erheblich zu Buche – ganz zu schweigen von den Preiserhöhungen bei weiteren Produkten wie Lebensmitteln“, sagt DIW-Ökonom Stefan Bach, der die Studie gemeinsam mit Jakob Knautz erstellt hat. „Die Entlastungspakete der Bundesregierung helfen Haushalten mit wenig Einkommen mittelfristig nur bedingt. Es gibt also weiteren Handlungsbedarf für die Politik, wenn die Energiepreise wie zu erwarten hoch bleiben. Künftige Maßnahmen sollten stärker auf die Geringverdienenden konzentriert werden“, so Bach.

Entlastungspakete sind umfangreich, aber wenig zielgenau
Für ihre Simulationsberechnungen haben die Studienautoren die Energiepreise mit Stand Mitte April berücksichtigt. Zu diesem Zeitpunkt war beispielsweise der Liter Super E10 an den Tankstellen um 51 Cent oder 36 Prozent teurer als im Durchschnitt des Jahres 2019. Beim Diesel waren es 71 Cent beziehungsweise 55 Prozent. Der Preis für Heizöl hat sich sogar verdoppelt und beim Gas werden die günstigeren Tarife bei den Bestandskunden sukzessive angepasst werden, so dass ebenfalls eine Verdopplung der Heizkosten zu erwarten ist. Im Falle eines Energieembargos oder Lieferstopps durch Russland würden die Gaspreise noch ungleich stärker steigen.

Um die Menschen in Deutschland zu entlasten, hat die Bundesregierung zwei Entlastungspakete geschnürt. Mit rund 24 Milliarden Euro kommt der größte Teil davon den privaten Haushalten zugute. Die Maßnahmen umfassen unter anderem die Abschaffung der EEG-Umlage beim Strom, höhere Sozialleistungen, geringere Einkommensteuern, eine Energiepreispauschale, eine Spritsteuersenkung und ein stark vergünstigtes ÖPNV-Monatsticket. Zwar profitieren einkommensschwache Haushalte davon in Relation zu ihrem Nettoeinkommen am stärksten, wie die Berechnungen zeigen, unter dem Strich verbleibt aber eine höhere Belastung infolge der stark gestiegenen Energiepreise als bei reicheren Haushalten.

GeringverdienerInnen müssen einen größeren Anteil ihres Einkommens für Energie aufwenden und sind somit von den Preissteigerungen stärker betroffen. Gleichzeitig ist es ihnen mangels Ersparnisse und Vermögen kaum möglich, die höheren Preise aufzufangen. Deshalb sollte diesen Haushalten nach Ansicht der Studienautoren gezielter geholfen werden. Wichtig sei vor allem, das bereits vereinbarte Klimageld nun zügig auf den Weg zu bringen, um neue Leistungen schnell und unbürokratisch gezielt einsetzen zu können.

Zudem sollten nicht Besser- und Hochverdienende unterstützt werden, die höhere Energiepreise schultern können. Die Steuerentlastung bei den Kraftstoffen beispielsweise sei in der Hinsicht fragwürdig, zudem reduziert sie Anreize zum Energiesparen, bemängeln die Autoren. Auch beim Neun-Euro-ÖPNV-Ticket seien erhebliche Mitnahmeeffekte zu erwarten. „Angesichts der Belastungen für die öffentlichen Haushalte spricht einiges dafür, Besser- und Hochverdienende nicht zu entlasten und mittelfristig die Steuern auf sehr hohe Einkommen und Vermögen anzuheben“, so Bach.
Autor: red

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Kommentare
DonaldT
01.05.2022, 09:07 Uhr
Arme Haushalte trotz Entlastung am stärksten belastet
Prinzip Gießkanne, nur über den wirklich Bedürftigen (auch die vergessenen Rentner!!!) sind die Düsen verstopft.
Paulinchen
01.05.2022, 11:34 Uhr
Aber aus der Sicht...
... des ukrainischen Botschafters Melnyk, in Deutschland, ist das Hilfsprogramm/Paket entschieden zu viel. Er reklamiert die heute in einer großen deutschen Zeitung. Dabei stelle ich mir die Frage, weshalb macht sich dieser Mann nicht mal auf den Weg nach Moskau? Nur dort, kann der Krieg in seinen Land schnell beendet werden. Allerdings wäre er gut beraten, wenn er dort nicht mit seiner provokanten Wortwahl auftritt. Erst hat er gefordert, daß er Marder Panzer bekommt. Jetzt, wo seinen Forderungen entsprochen wird, will er die modernsten Waffen der Bundeswehr sofort haben, weil ja auch Deutschland sich schon längst mit im Krieg befindet.
Wie uns der obige Artikel beschreibt, hat Deutschland im eigenen Land, im Moment ebenfalls Probleme bei der Versorgung mit allem, was zum täglichen Leben gebraucht wird. Da rufen die Tafeln: Vergesst uns nicht! In den Familien wird das Geld auf dem Tisch so verteilt, wie wir es früher gemacht haben, als das Urlaubs Ziel Ungarn war. Da half uns unser Alugeld auch nicht einen Schritt weiter zum Glück. Dort war es ab einem gewissen Betrag nicht mehr wert. Gegenwärtig erleben wir die tatsächlichen Folgen des verwaschen Umweltschutzes in Deutschland. Jetzt fallen uns die Auslagerung der einstigen Idustriebetriebe auf die Füße. Hier war plötzlich die Luft sauber und alles chic. Doch wie es anderswo wurde, dass interessierte die dafür Verantwortlien nicht. Es wurde ja auch alles KOSTENGÜNSTIG? Zahlen wir jetzt für diese Fehler nicht wieder einen hohen Preis? Dabei interessiert es wieder keinen, wie die armen unter uns noch ärmer werden und die Zahl derer stetig steigt. Ich warte auf den Tag, an dem wieder einer in die Massen ruft: Wollt ihr den totalen.........? Ich jedenfalls nicht!
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