Mi, 14:30 Uhr
02.04.2025
Bad Langensalzas Gasthaus Zur Weintraube expandiert weiter
Tradition und Innovation in perfekter Harmonie
Er wollte ein eigenes Lokal haben und nicht nur ein Pächter sein. Im Jahre 1994 erfüllte sich der Traum von Hans-Otto Anton, nachdem er sein ganzes Leben der Gastronomie gewidmet hatte. Eine Familientradition wurde gegründet im geschichtsträchtigsten Wirtshaus des tausendjährigen Langensalza, die eine einzigartige Erfolgsgeschichte ist …
Die Wirtsleute Alexandra und Maik Anton-Dollhofer in ihrem Herzensobjekt, dem Gasthaus "Zur Weintraube" (Foto: Eva Maria Wiegand)
Am vergangenen Freitag feierten die Anton-Dollhofers Richtfest in einem neuen Erweiterungsbau für ihr florierendes Beherbergungsgeschäft, das seine Ursprünge im einstigen Güntherschen Lokal hat. Das diente schon vor fast sechshundert Jahren als Ausspanne für Bauern und deren Vieh auf dem Weg zum Markt. Erst unter Preußens Adler erhielt das Traditions-Gasthaus im Jahre 1897 seinen heutigen Namen Zur Weintraube.
Seitdem durften die Betreiber auch erst Fremdware dazu kaufen und anbieten, denn vorher musste alles in eigener Produktion angefertigt werden, was die Wirtsleute über ihren Tresen feilboten. Kein Wunder also, dass noch heute ein Hausbier in der Weintraube angeboten wird, das nach einem Rezept ihres Ururgroßvaters gebraut wird, erzählt die heutige Chefin Alexandra Anton-Dollhofer der uhz online.
Diese Wirtsleute waren damals Wirtsmänner, denn weibliches Personal war nicht gestattet, damit es nicht zu locker zuging und etwa dem Verfall der guten Sitten Vorschub geleistet wurde. Eine Kuriosität, die sich in der Konzessionszulassung noch bis zum Jahre 1994 in den Grundbüchern des Hauses wiederfand. Daran gehalten hat sich zu dieser Zeit allerdings niemand mehr und die holde Weiblichkeit war längst zum unverzichtbaren Bestandteil in der Gastronomie geworden.
Hans Ottos Tochter Alexandra übernahm im Jahre 2019 das seit den Neunziger Jahren ordentlich instand gesetzte Gasthaus mit Biergarten, Nebengelassen und ausgebauten Fremdenzimmern. Das rustikale Einzeldenkmal an der Mühlhäuser Straße galt als Vorzeigeobjekt und wurde doch zweimal ernsthaft von der Schließung bedroht, obwohl es über sieben Doppel- und zwei Einzelzimmer verfügte, die gut gebucht wurden. 2017 war der Betrieb so weit heruntergefahren, dass nur die Pension noch bestand. Und nach der spektakulären Wiedereröffnung des Restaurants in den Weihnachtstagen 2019 (jetzt unter der Führung der jungen Antons) drohte die Corona-Pandemie mit all ihren verordneten politischen Kapriolen und bürokratischen Bestimmungen das Geschäft zum Erliegen zu bringen. Unsere Gäste haben uns über diese schwere Zeit getragen, erinnert sich Alexandra Anton-Dollhofer. Sie haben uns mehr Gerichte im Straßenverkauf abgenommen, als wir im Restaurant hätten verkaufen können. Zusätzlich sicherte der weiterlaufende Beherbergungsbetrieb mit Frühstück für die meist aus Bauarbeitern bestehenden Gäste den Fortbestand in einer jahrelangen Periode der Lockdowns, Kontaktsperren und Maskenspiele.
Tradition und modern hergerichtete Gastlichkeit empfängt die Gäste im Restaurant und dem Pensionshaus der "Weintraube" (Foto: Eva Maria Wiegand)
Bis zum heutigen Tag bringen die großen Langensalzaer Firmen ihre Gäste und Besucher in der Weintraube unter, was auch in der touristenärmeren Zeit an den Wochentagen für Belegung der Räume sorgt. Die gesamte Gastronomie hat sich stark verändert, schätzt die Weintrauben-Besitzerin heute ein und verweist auf die eingerahmten Super-Skatblätter an der Wand, die vormals an den Stammtischen gedroschen wurden. Heute gibt es keine Stammtische mehr. Die Leute kommen zum Essen und gehen danach wieder nachhause. Öffnungszeiten bis 23 Uhr sind nicht mehr gefragt.
Es war dann auch nur eine Frage der Zeit, bis Alexandras Ehemann Maik seinen Arbeitsmittelpunkt auf die Unternehmung Zur Weintraube konzentrierte und seine Handy-Läden deutschlandweit für das Familienprojekt aufgab.
Positiver Aspekt der Corona-Jahre war die Entwicklung des Freisitzes am Augustinerplatz, wo inzwischen dreizehn Tische in der warmen Jahreszeit zum Verweilen einladen. Hier entstand auch die Idee zum ersten Erweiterungsschritt des Pensionsbetriebs. Als die Anton-Dollhofers Wind bekamen vom geplanten Verkauf des in die Jahre gekommenen Hauses Augstinerplatz 3, direkt vor ihrem Straßen-Café, bewarben sie sich mit dem cleveren Konzept für ein Haus voller Ferienwohnungen und erhielten prompt den Zuschlag für diese städtische Immobilie. Nach einem gründlichen Umbau des historischen Gebäudes, das einst als Polizeistation mit Gefängniszelle und später als Bestattungsunternehmen genutzt wurde, können jetzt hier vier schicke Ferienwohnungen und ein Doppelzimmer gebucht werden. Ein Fahrstuhl wurde eingebaut, das Haus gilt als barrierearm und besticht durch liebevolle Innengestaltung unter historischen Bezügen. So sind die Namen der einzelnen Wohneinheiten im Haus zur Erinnerung den Familienahnen der Antons vorbehalten.
Treppenhaus im Pensionshaus Augustinerplatz 3: liebevolles Interieur, hier mit geschnitztem Hausgeist im Hintergrund (Foto: Eva Maria Wiegand)
Neu im Portfolio des Pensionsbetriebes wird in Kürze das wieder entstehende Gebäude in der Holzgasse 10/11 die bisherigen Angebote vervollständigen und die große Nachfrage besser bedienen können. Weitere sechs Ferienwohnungen entstehen hier, wo am vergangenen Freitag Richtfest war. Und wo (wie auch schon beim Umbau am Augustinerplatz) ausschließlich einheimische Firmen werkeln. Für Alexandra, ihren Mann Maik und Sohn Max ist es eine Selbstverständlichkeit, mit regionalen Partnern zu handeln und zu denken.
Neben dem schon erwähnten Hausbier gibt es im Restaurant regionale und saisonale Küche mit wechselnden Tagesangeboten, Wildgerichten zu jeder Jahreszeit und Zutaten, die alle aus Kooperationen mit heimischen Anbietern stammen. Auch die beliebten Obstbrände der Weintraube gehen auf die eigene Gartenernte zurück und müssen vom Herstellungsort in der Fahner Landbrennerei Döllstädt keine Riesenstrecken zurücklegen, ehe sie durch die Kehlen glücklicher Gäste rinnen. Die Möbel in den Pensionszimmern kommen aus dem lokalen Hause Knappstein und die Fenster natürlich vom örtlichen Betrieb TMP.
Bei so viel Tradition und regionaler Verwurzlung ist es nahezu eine logische Folge, dass Max Anton-Dollhofer seine Traumkarriere bei der Polizei sausen ließ, um eine Kochausbildung zu absolvieren. Nun steht er in der heimischen Küche an den Töpfen und Pfannen und bereitet sich darauf vor, die Familientradition in eine nächste Generation zu führen. Viel mehr Heimatverbundenheit geht kaum. Die Gäste der Weintraube aus nah und fern wissen es zu schätzen und die Einheimischen können zu Recht stolz sein auf so eine geschichtsträchtige Unternehmung mit so viel innovativem Potenzial.
Olaf Schulze
Autor: osch
Die Wirtsleute Alexandra und Maik Anton-Dollhofer in ihrem Herzensobjekt, dem Gasthaus "Zur Weintraube" (Foto: Eva Maria Wiegand)
Am vergangenen Freitag feierten die Anton-Dollhofers Richtfest in einem neuen Erweiterungsbau für ihr florierendes Beherbergungsgeschäft, das seine Ursprünge im einstigen Güntherschen Lokal hat. Das diente schon vor fast sechshundert Jahren als Ausspanne für Bauern und deren Vieh auf dem Weg zum Markt. Erst unter Preußens Adler erhielt das Traditions-Gasthaus im Jahre 1897 seinen heutigen Namen Zur Weintraube.
Seitdem durften die Betreiber auch erst Fremdware dazu kaufen und anbieten, denn vorher musste alles in eigener Produktion angefertigt werden, was die Wirtsleute über ihren Tresen feilboten. Kein Wunder also, dass noch heute ein Hausbier in der Weintraube angeboten wird, das nach einem Rezept ihres Ururgroßvaters gebraut wird, erzählt die heutige Chefin Alexandra Anton-Dollhofer der uhz online.
Diese Wirtsleute waren damals Wirtsmänner, denn weibliches Personal war nicht gestattet, damit es nicht zu locker zuging und etwa dem Verfall der guten Sitten Vorschub geleistet wurde. Eine Kuriosität, die sich in der Konzessionszulassung noch bis zum Jahre 1994 in den Grundbüchern des Hauses wiederfand. Daran gehalten hat sich zu dieser Zeit allerdings niemand mehr und die holde Weiblichkeit war längst zum unverzichtbaren Bestandteil in der Gastronomie geworden.
Hans Ottos Tochter Alexandra übernahm im Jahre 2019 das seit den Neunziger Jahren ordentlich instand gesetzte Gasthaus mit Biergarten, Nebengelassen und ausgebauten Fremdenzimmern. Das rustikale Einzeldenkmal an der Mühlhäuser Straße galt als Vorzeigeobjekt und wurde doch zweimal ernsthaft von der Schließung bedroht, obwohl es über sieben Doppel- und zwei Einzelzimmer verfügte, die gut gebucht wurden. 2017 war der Betrieb so weit heruntergefahren, dass nur die Pension noch bestand. Und nach der spektakulären Wiedereröffnung des Restaurants in den Weihnachtstagen 2019 (jetzt unter der Führung der jungen Antons) drohte die Corona-Pandemie mit all ihren verordneten politischen Kapriolen und bürokratischen Bestimmungen das Geschäft zum Erliegen zu bringen. Unsere Gäste haben uns über diese schwere Zeit getragen, erinnert sich Alexandra Anton-Dollhofer. Sie haben uns mehr Gerichte im Straßenverkauf abgenommen, als wir im Restaurant hätten verkaufen können. Zusätzlich sicherte der weiterlaufende Beherbergungsbetrieb mit Frühstück für die meist aus Bauarbeitern bestehenden Gäste den Fortbestand in einer jahrelangen Periode der Lockdowns, Kontaktsperren und Maskenspiele.
Tradition und modern hergerichtete Gastlichkeit empfängt die Gäste im Restaurant und dem Pensionshaus der "Weintraube" (Foto: Eva Maria Wiegand)
Bis zum heutigen Tag bringen die großen Langensalzaer Firmen ihre Gäste und Besucher in der Weintraube unter, was auch in der touristenärmeren Zeit an den Wochentagen für Belegung der Räume sorgt. Die gesamte Gastronomie hat sich stark verändert, schätzt die Weintrauben-Besitzerin heute ein und verweist auf die eingerahmten Super-Skatblätter an der Wand, die vormals an den Stammtischen gedroschen wurden. Heute gibt es keine Stammtische mehr. Die Leute kommen zum Essen und gehen danach wieder nachhause. Öffnungszeiten bis 23 Uhr sind nicht mehr gefragt.
Es war dann auch nur eine Frage der Zeit, bis Alexandras Ehemann Maik seinen Arbeitsmittelpunkt auf die Unternehmung Zur Weintraube konzentrierte und seine Handy-Läden deutschlandweit für das Familienprojekt aufgab.
Positiver Aspekt der Corona-Jahre war die Entwicklung des Freisitzes am Augustinerplatz, wo inzwischen dreizehn Tische in der warmen Jahreszeit zum Verweilen einladen. Hier entstand auch die Idee zum ersten Erweiterungsschritt des Pensionsbetriebs. Als die Anton-Dollhofers Wind bekamen vom geplanten Verkauf des in die Jahre gekommenen Hauses Augstinerplatz 3, direkt vor ihrem Straßen-Café, bewarben sie sich mit dem cleveren Konzept für ein Haus voller Ferienwohnungen und erhielten prompt den Zuschlag für diese städtische Immobilie. Nach einem gründlichen Umbau des historischen Gebäudes, das einst als Polizeistation mit Gefängniszelle und später als Bestattungsunternehmen genutzt wurde, können jetzt hier vier schicke Ferienwohnungen und ein Doppelzimmer gebucht werden. Ein Fahrstuhl wurde eingebaut, das Haus gilt als barrierearm und besticht durch liebevolle Innengestaltung unter historischen Bezügen. So sind die Namen der einzelnen Wohneinheiten im Haus zur Erinnerung den Familienahnen der Antons vorbehalten.
Treppenhaus im Pensionshaus Augustinerplatz 3: liebevolles Interieur, hier mit geschnitztem Hausgeist im Hintergrund (Foto: Eva Maria Wiegand)
Neu im Portfolio des Pensionsbetriebes wird in Kürze das wieder entstehende Gebäude in der Holzgasse 10/11 die bisherigen Angebote vervollständigen und die große Nachfrage besser bedienen können. Weitere sechs Ferienwohnungen entstehen hier, wo am vergangenen Freitag Richtfest war. Und wo (wie auch schon beim Umbau am Augustinerplatz) ausschließlich einheimische Firmen werkeln. Für Alexandra, ihren Mann Maik und Sohn Max ist es eine Selbstverständlichkeit, mit regionalen Partnern zu handeln und zu denken.
Neben dem schon erwähnten Hausbier gibt es im Restaurant regionale und saisonale Küche mit wechselnden Tagesangeboten, Wildgerichten zu jeder Jahreszeit und Zutaten, die alle aus Kooperationen mit heimischen Anbietern stammen. Auch die beliebten Obstbrände der Weintraube gehen auf die eigene Gartenernte zurück und müssen vom Herstellungsort in der Fahner Landbrennerei Döllstädt keine Riesenstrecken zurücklegen, ehe sie durch die Kehlen glücklicher Gäste rinnen. Die Möbel in den Pensionszimmern kommen aus dem lokalen Hause Knappstein und die Fenster natürlich vom örtlichen Betrieb TMP.
Bei so viel Tradition und regionaler Verwurzlung ist es nahezu eine logische Folge, dass Max Anton-Dollhofer seine Traumkarriere bei der Polizei sausen ließ, um eine Kochausbildung zu absolvieren. Nun steht er in der heimischen Küche an den Töpfen und Pfannen und bereitet sich darauf vor, die Familientradition in eine nächste Generation zu führen. Viel mehr Heimatverbundenheit geht kaum. Die Gäste der Weintraube aus nah und fern wissen es zu schätzen und die Einheimischen können zu Recht stolz sein auf so eine geschichtsträchtige Unternehmung mit so viel innovativem Potenzial.
Olaf Schulze