eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Sa, 12:22 Uhr
19.07.2025
Tim Schäfer beschäftigte sich mit dem Musiker Thomas Müntzer

Der Klang des Aufruhrs und die Stimme des Glaubens

Derzeit wird der 500.Jahrestag des Bauernkrieges in der Landesausstellung Thüringen in Mühlhausen thematisiert. Dabei ist Müntzers Musik gegenwärtig und herausragend, weiß Tim Schäfer für die nnz zu berichten...

Haben Sie gewusst, dass der gebannte und geköpfte Unterstützer der sogen. Baueraufstände 1525, großartige Musik entwarf?

Anzeige symplr (1)
Ja, Müntzers Predigten auf Deutsch, noch vor Luther, öffneten vielen, einfachen Menschen die Augen. Das war allein schon schlicht revolutionär, ein Ausdruck, der beinah inflationär und politisch verbraucht wurde, bis heute. Mit Müntzer wurde aber auch in Allstedt gesungen. Es sind meist hingebungsvolle Stücke, voller Demut, aber auch in einem diversen Verständnis von Gott, nämlich eher als Richter und Befreier.

Die feste Basis für Alles, was Müntzer wollte. Damit hat er aufgerüttelt. Denn wenn der Glaube nicht nur tröstete, sondern drängte, wenn Musik nicht nur erhebt, sondern aufrüttelt – dann begegnet uns heute noch ein Geist wie Thomas Müntzer. Als Prediger, Lieddichter und Reformator kämpfte er nicht nur mit Worten, sondern mit dem Herzen eines Propheten. Seine sakrale Musik war kein sanftes Echo mittelalterlicher Frömmigkeit.

Müntzers Musik wirkt wie intensive, satt emotional geprägte, geistdurchdrungene Andacht in klangvoller Demut. Ein Beispiel, ein Vers aus seinem Adventshymnus „Gott heilger Schöpfer aller Stern“ trifft direkt ins Herz: „Denn es ging dir zu Herzen sehr, da wir gefangen waren schwer...“ Diese Zeilen offenbaren einen tiefen Trost: Gott sieht das Leid der Menschen – und handelt. Müntzers Lyrik in heutiger poetischer Sprache klingt etwa so: „Ein Herz, das Schuld mit Glanz umfing, ein Lied, das in der Finsternis singt.“

Doch seine Botschaft war radikal: Gottes Reich sollte nicht nur gedacht, sondern auf Erden gelebt und erkämpft werden – und das brachte ihn in direkten Gegensatz zu Martin Luther. Während Luther Stabilität suchte, wollte Müntzer Umbruch. Wo Luther schrieb, sprach Müntzer wie von Flammen bewegt. Sozusagen stand Luther beständig auf Seiten der feudalen Macht, während Müntzer sich in Gottesbild, Bibelverständnis, Sprache, Gesellschaftsmodell und Haltung zu den Insurgenten (Bauernkrieg) beinah diametral gegenüberstanden. Nur exemplarisch dazu: Das Gottesbild- lutherisch übertragen als „Gnadenreicher Vater“, bei Müntzer eher „Richter und Befreier“.

Müntzer ist die Gallionsfigur damals für Revolution von unten, Luther, gemeinsam mit den Landesfürsten, eher für Reformen von oben.
Thomas Müntzer bleibt für uns ein Symbol für den Glauben, der nicht nur betet, sondern handelt. Ein Mann, dessen Musik und Worte bis heute nachhaltig nachhallen und doch unterdrückt wurden. Müntzer ist Ruf zur Gerechtigkeit, Lied der Hoffnung. Müntzer sollte in seiner Musik, nach vielen Jahrhunderten gegenwärtig werden dürfen. Sozusagen war sein Bann ein Sakrileg. Seine Musik hat überlebt, aber nicht nur seine Musik, oder?
Tim Schäfer
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Anzeige symplr (6)
Kommentare
Lautaro
19.07.2025, 18:08 Uhr
Nun ja Herr Schäfer....
Haben sie schon einmal geschmiedet, gewebt oder das Korn angebaut ? Genau diese Leute traten trainierten Söldnern, welche das töten zu ihrem Beruf machten gegenüber..
ich hätte mir einen anderen Ausgang gewünscht, aber sie hatten niemals eine Chance..
Warren
20.07.2025, 13:22 Uhr
Mit Recht muss
Herrn Schäfer für seine erstaunliche, bisher selten mitgeteilte Ansicht gedankt werden.
Kommentar hinzufügen
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)