Mi, 16:18 Uhr
20.08.2025
Bewohner machen Busfahrer für Eskalation verantwortlich
Flüchtlingsrat fordert mehr Busse zur GU Obermehler
Der Flüchtlingsrat Thüringen solidarisiert sich mit den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in Obermehler und ihrem Protest für die Wiederaufnahme des öffentlichen Personennahverkehrs. Schuld an allem sei ein Busfahrer gewesen...
"Wir rufen Landrat Thomas Ahke und den Omnibusbetrieb und Reiseservice Olaf Weingart dazu auf, die Haltestelle der Unterkunft für Geflüchtete wieder anzufahren.", verlangte der Flüchtlingsrat in einem offenen Brief.
In zwei anderen offenen Briefen an Busunternehmen und Landratsamt fordern die Bewohner, dass der Busverkehr nach einem Vorfall am 11. August wieder aufgenommen wird. Die Lage der Gemeinschaftsunterkunft ist abgelegen und isoliert. Der Öffentliche Nahverkehr ist unsere einzige Verbindung in die deutsche Gesellschaft, aber auch zu Ärzten, Schulen, Sprachkursen, Ämtern und Behörden, heißt es im Brief an Thomas Ahke.
Mehr als 600 Menschen, darunter Familien mit Kindern, ältere Personen, Kranke und Schwangere, seien damit faktisch von Mobilität abgeschnitten. Der nächste Halt liegt in Schlotheim, drei Kilometer Fußweg entfernt. Die Mehrheit der Geflüchteten in der Unterkunft besitze ein Deutschlandticket, argumentiert der Flüchtlingsrat, kann es aber nicht nutzen, da die Haltestelle nicht mehr angefahren wird.
Geflüchtete werden durch solche Maßnahmen noch weiter isoliert, erklärte Sabine Berninger, einer der Vorstände des Flüchtlingsrats Thüringen. Das ist eine kollektive Bestrafung, die Menschen von elementaren Bedürfnissen wie medizinischer Versorgung, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe abschneidet.
Im offenen Brief an den Landrat des Unstrut-Hainich-Kreises, Thomas Ahke, schreiben die Betroffenen: Und genau aus dieser Isolierung entstehen zahlreiche Probleme: Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, um hier Schutz zu finden, fühlen sich einsam und werden psychisch krank. Andere versuchen dies durch Alkohol- und/oder Drogenkonsum auszugleichen. Unsere Versuche, Deutschkurse zu besuchen, eine Arbeit aufzunehmen wurden bereits vielfach verhindert bzw. abgelehnt. Wir fühlen uns wie Aussätzige, die von der deutschen Gesellschaft ferngehalten werden, sich aber gleichzeitig in diese Gesellschaft integrieren sollen."
Die Bewohner der GU erheben deutliche Forderungen:
Im offenen Brief der Bewohner an das Busunternehmen wird zudem die Behauptung aufgestellt, die Lage am 12. August sei ursächlich aufgrund eines Fehlverhaltens des Busfahrers entstanden:
"Der Fahrer erlaubt wiederholt Personen, ohne gültiges Ticket oder Bezahlung einzusteigen. Unter anderem ließ er auch eine betrunkene Person einsteigen, die später Pfefferspray eingesetzt hat. Erst der Sicherheitsdienst forderte von dieser Person ein Ticket, woraufhin die Situation eskaliert ist. Eine frühzeitige Kontrolle durch den Busfahrer hätte dies unserer Ansicht nach verhindern können.
Außerdem wurde beobachtet, dass der Fahrer bewusst bestimmte Fahrgäste bevorzugt."
Um welche Personengruppe es sich dabei handeln soll, lassen die Bewohner auch nicht offen und präzisieren: "Insbesondere lässt er junge Frauen kostenlos mitfahren, um private Kontakte mit ihnen zu knüpfen." Und weiter heißt es im Text, der Fahrer zeige sich zudem erleichtert darüber, dass seine Linie nun nicht mehr am Flüchtlingsheim hält.
Dem Busunternehmen wird empfohlen, "den Fahrer durch eine geeignete Fachkraft zu ersetzen oder zumindest sicherzustellen, dass alle Fahrgäste gleich behandelt werden."
Der Flüchtlingsrat Thüringen e.V. fordert zusätzlich die Verbesserung des Fahrplans: Die Haltestelle der Unterkunft soll nicht nur wieder angefahren werden, sondern muss regelmäßig und zu bedarfsgerechten Zeiten bedient werden. Bisher fahren werktags lediglich fünf Busse in jede Richtung, die letzte Rückfahrt zur Unterkunft ist bereits um 16.42 Uhr. Am Wochenende gibt es gar keine Verbindung. Diese Situation verstärkt die Isolation der Bewohner. Gesellschaftliche Teilhabe findet nicht nur zu Behördenzeiten statt.
In ihrem Schreiben an das Verkehrsunternehmen weisen die Bewohner außerdem darauf hin, dass die Ursache der Eskalation am 12. August im Fehlverhalten des Busfahrers lag, der wiederholt Personen ohne gültiges Ticket einsteigen ließ und bestimmte Fahrgäste bevorzugte. Die überwiegende Mehrheit der Geflüchteten in Obermehler besitzt ein Deutschlandticket und nutzt den ÖPNV regelkonform.
Wir fordern die Verantwortlichen im Landkreis und beim Verkehrsunternehmen auf, die Haltestelle umgehend wieder anzufahren und die Bewohner nicht für das Verhalten Einzelner pauschal abzustrafen, so Berninger. Die Menschen in Ober- mehler brauchen Anschluss an die Gesellschaft, nicht noch mehr Isolation.
Autor: osch"Wir rufen Landrat Thomas Ahke und den Omnibusbetrieb und Reiseservice Olaf Weingart dazu auf, die Haltestelle der Unterkunft für Geflüchtete wieder anzufahren.", verlangte der Flüchtlingsrat in einem offenen Brief.
In zwei anderen offenen Briefen an Busunternehmen und Landratsamt fordern die Bewohner, dass der Busverkehr nach einem Vorfall am 11. August wieder aufgenommen wird. Die Lage der Gemeinschaftsunterkunft ist abgelegen und isoliert. Der Öffentliche Nahverkehr ist unsere einzige Verbindung in die deutsche Gesellschaft, aber auch zu Ärzten, Schulen, Sprachkursen, Ämtern und Behörden, heißt es im Brief an Thomas Ahke.
Mehr als 600 Menschen, darunter Familien mit Kindern, ältere Personen, Kranke und Schwangere, seien damit faktisch von Mobilität abgeschnitten. Der nächste Halt liegt in Schlotheim, drei Kilometer Fußweg entfernt. Die Mehrheit der Geflüchteten in der Unterkunft besitze ein Deutschlandticket, argumentiert der Flüchtlingsrat, kann es aber nicht nutzen, da die Haltestelle nicht mehr angefahren wird.
Geflüchtete werden durch solche Maßnahmen noch weiter isoliert, erklärte Sabine Berninger, einer der Vorstände des Flüchtlingsrats Thüringen. Das ist eine kollektive Bestrafung, die Menschen von elementaren Bedürfnissen wie medizinischer Versorgung, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe abschneidet.
Im offenen Brief an den Landrat des Unstrut-Hainich-Kreises, Thomas Ahke, schreiben die Betroffenen: Und genau aus dieser Isolierung entstehen zahlreiche Probleme: Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, um hier Schutz zu finden, fühlen sich einsam und werden psychisch krank. Andere versuchen dies durch Alkohol- und/oder Drogenkonsum auszugleichen. Unsere Versuche, Deutschkurse zu besuchen, eine Arbeit aufzunehmen wurden bereits vielfach verhindert bzw. abgelehnt. Wir fühlen uns wie Aussätzige, die von der deutschen Gesellschaft ferngehalten werden, sich aber gleichzeitig in diese Gesellschaft integrieren sollen."
Die Bewohner der GU erheben deutliche Forderungen:
- Sofortige Wiederaufnahme der Linie 123 zur GU Obermehler.
- Überprüfung der Unterkunft und konsequente Schließung bei anhaltenden strukturellen Missständen.
Im offenen Brief der Bewohner an das Busunternehmen wird zudem die Behauptung aufgestellt, die Lage am 12. August sei ursächlich aufgrund eines Fehlverhaltens des Busfahrers entstanden:
"Der Fahrer erlaubt wiederholt Personen, ohne gültiges Ticket oder Bezahlung einzusteigen. Unter anderem ließ er auch eine betrunkene Person einsteigen, die später Pfefferspray eingesetzt hat. Erst der Sicherheitsdienst forderte von dieser Person ein Ticket, woraufhin die Situation eskaliert ist. Eine frühzeitige Kontrolle durch den Busfahrer hätte dies unserer Ansicht nach verhindern können.
Außerdem wurde beobachtet, dass der Fahrer bewusst bestimmte Fahrgäste bevorzugt."
Um welche Personengruppe es sich dabei handeln soll, lassen die Bewohner auch nicht offen und präzisieren: "Insbesondere lässt er junge Frauen kostenlos mitfahren, um private Kontakte mit ihnen zu knüpfen." Und weiter heißt es im Text, der Fahrer zeige sich zudem erleichtert darüber, dass seine Linie nun nicht mehr am Flüchtlingsheim hält.
Dem Busunternehmen wird empfohlen, "den Fahrer durch eine geeignete Fachkraft zu ersetzen oder zumindest sicherzustellen, dass alle Fahrgäste gleich behandelt werden."
Der Flüchtlingsrat Thüringen e.V. fordert zusätzlich die Verbesserung des Fahrplans: Die Haltestelle der Unterkunft soll nicht nur wieder angefahren werden, sondern muss regelmäßig und zu bedarfsgerechten Zeiten bedient werden. Bisher fahren werktags lediglich fünf Busse in jede Richtung, die letzte Rückfahrt zur Unterkunft ist bereits um 16.42 Uhr. Am Wochenende gibt es gar keine Verbindung. Diese Situation verstärkt die Isolation der Bewohner. Gesellschaftliche Teilhabe findet nicht nur zu Behördenzeiten statt.
In ihrem Schreiben an das Verkehrsunternehmen weisen die Bewohner außerdem darauf hin, dass die Ursache der Eskalation am 12. August im Fehlverhalten des Busfahrers lag, der wiederholt Personen ohne gültiges Ticket einsteigen ließ und bestimmte Fahrgäste bevorzugte. Die überwiegende Mehrheit der Geflüchteten in Obermehler besitzt ein Deutschlandticket und nutzt den ÖPNV regelkonform.
Wir fordern die Verantwortlichen im Landkreis und beim Verkehrsunternehmen auf, die Haltestelle umgehend wieder anzufahren und die Bewohner nicht für das Verhalten Einzelner pauschal abzustrafen, so Berninger. Die Menschen in Ober- mehler brauchen Anschluss an die Gesellschaft, nicht noch mehr Isolation.