Mo, 11:38 Uhr
11.05.2026
Deutsche IT-Branche:
Zu wenig Präsenz in Wachstumsbereichen
Der deutsche IT- und Software-Sektor befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Während die Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) neue Chancen eröffnen, bleibt das Wachstum im internationalen Vergleich hinter den Erwartungen zurück. Dies geht aus der aktuellen Branchenanalyse des weltweit führenden Kreditversicherers Allianz Trade hervor...
IT (Symbolbild) (Foto: Gerd Altmann auf Pixabay)
Wir sehen aktuell einen globalen KI-Boom, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Allerdings profitieren davon vor allem US-amerikanische IT-Unternehmen. Sie erzielen rund 70 % der europäischen Umsätze, während deutsche Unternehmen wenig von dem Boom spüren und das Wachstum hierzulande deutlich hinterherhinkt.
Das ist vor allem ein strukturelles Problem, denn die deutschen Unternehmen sind in den wachstummstärksten Bereichen wenig präsent. Entsprechend verzeichnet der deutsche IT-Sektor ein hohes Branchenrisiko. Das weltweite Risiko liegt hingegen im mittleren Bereich. Aber: Viele deutsche Anbieter befinden sich derzeit noch in einer frühen Phase, KI wirtschaftlich erfolgreich zu monetarisieren. Da ist noch Luft nach oben und viel Potenzial.
Strukturelles Problem: Deutsche Anbieter zu wenig präsent in Wachstumssegmenten
Gründe für das schwächere Wachstum sind vor allem die geringe Präsenz deutscher Anbieter in besonders wachstumsstarken Segmenten wie Hyperscale-Cloud, KI-Plattformen und datengetriebenen Ökosystemen. Auch die geringere Kapitalintensität und die langsameren Innovationszyklen bremsen lokale Anbieter im internationalen Vergleich aus.
Im Jahr 2025 stieg der Gesamtumsatz des deutschen IT- und Software-Sektors um rund 6 %. Dies liegt etwa 3 Prozentpunkte unter dem 10-Jahres-Durchschnitt und deutlich hinter den zweistelligen Wachstumsraten, die weltweit – vor allem durch US-Unternehmen und die steigende Nachfrage nach KI-Lösungen – erzielt wurden. Die Margen erholten sich im gleichen Zeitraum auf etwa 15 % und haben sich damit im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Diese Verbesserung ist vor allem auf strikte Kostenkontrolle und Preisdisziplin zurückzuführen. Dennoch bleibt die Rentabilität volatil, und ein nachhaltiger Aufschwung, der direkt auf KI-Investitionen zurückzuführen ist, zeichnet sich bislang nicht ab.
Chancen durch KI-Investitionen und Digitalisierung – fehlende Fachkräfte als Herausforderung
Trotz des moderaten Wachstums bleibt der deutsche IT-Sektor ein zentraler Akteur in Europa, sagt Guillaume Dejean, Branchenexperte bei Allianz Trade. Deutsche Anbieter verfügen weiterhin über starke Positionen in Industrie-Software, ERP-Integration und spezialisierten B2B-Lösungen. Zudem hat die deutsche Wirtschaft ein hohes Interesse an der Integration von KI-Technologien in Geschäftsprozesse. Dank der hohen digitalen Reife deutscher Unternehmen im europäischen Vergleich und der Unterstützung durch EU-Mandate zur Förderung der Digitalisierung eröffnen sich vielversprechende Möglichkeiten.
Viele Unternehmen wollen ihre KI-Investitionen deutlich ausweiten, stoßen jedoch bei Skalierung und Fachkräften an Grenzen. Dies schafft Raum für anpassungsfähige Dienstleister, die mit klaren Umsatzprognosen und schnellem Return on Investment (ROI) punkten können.
Mehr Daten sind eine Goldgrube für die Cloud- und Cybersicherheitsbranche
Ein weiterer Wachstumsbereich ist die Cybersicherheit. Angesichts der zunehmenden Datenmengen im Unternehmens- und Verbrauchersegment steigt die Nachfrage nach entsprechenden Lösungen.
Mehr Daten sind eine Goldgrube für die Cloud- und Cybersicherheitsbranche, sagt Dejean. Eine große Chance für die europäische IT- und Softwarebranche ergibt sich aus dem exponentiellen Wachstum der in der gesamten Wirtschaft generierten Daten. Daten sind zu einem zentralen strategischen Vermögenswert geworden – entscheidend für das Verständnis des Kundenverhaltens, die Optimierung von Abläufen und die Ermöglichung von KI-Anwendungsfällen. Damit steigt die Nachfrage nach Rechenzentren, robuster Dateninfrastruktur und Analysefähigkeiten. Dieses Umfeld ist besonders förderlich für Cybersicherheits- und Datenspeicherlösungen, da Unternehmen immer komplexere und sensiblere Datensätze sichern, verwalten und deren Wert erschließen müssen.
Regulatorische Anforderungen im Bereich Datenschutz verstärken diesen Trend zusätzlich und treiben Unternehmen dazu, auf ausgefeiltere, konforme Plattformen umzusteigen. Über die Infrastruktur hinaus wird die Fähigkeit, Rohdaten in verwertbare Erkenntnisse umzuwandeln, zu einem entscheidenden Unterscheidungsmerkmal und schafft Chancen für Softwareanbieter, die Speicher, Sicherheit und Analytik in skalierbare Lösungen integrieren können. In diesem Zusammenhang ist die Datenflut nicht nur eine Frage des Volumens, sondern ein Hebel zur Wertschöpfung, der das nachhaltige Wachstum im gesamten europäischen IT-Ökosystem untermauert.
Spagat zwischen digitaler Souveränität und technologischer Wettbewerbsfähigkeit
Ein anhaltendes strategisches Dilemma für die europäische IT- und Softwarebranche ist der Spagat zwischen digitaler Souveränität und technologischer Wettbewerbsfähigkeit, sagt Dejean. Die Verringerung der Abhängigkeit von US-Hyperscalern ist zu einer politischen Priorität geworden, doch deren tief integrierte Ökosysteme, Größenvorteile und führende KI-Fähigkeiten machen eine Substitution kostspielig und komplex.
Eine zu abrupte Abkehr birgt das Risiko, dass Unternehmen einer leistungsschwächeren Infrastruktur, einer verminderten Innovationsfähigkeit und einer langsameren KI-Einführung ausgesetzt werden, was die Wettbewerbslücke Europas potenziell vergrößern könnte. Gleichzeitig schränkt das Fehlen europäischer Akteure mit vergleichbarer Breite und Größe die Machbarkeit eines raschen Übergangs ein.
Herausforderungen durch Marktfragmentierung und geopolitische Risiken
Die mittelfristigen Aussichten (2026–2028) bleiben demnach herausfordernd. Die Fragmentierung des europäischen Marktes erschwert die Skalierbarkeit und grenzüberschreitende Expansion und die Abhängigkeit von US-Technologien bleibt bestehen – auch im öffentlichen Sektor, sagt Dejean. Zudem bleibt der deutsche IT-Sektor stark mit seiner industriellen Basis verbunden, was ihn anfällig für Konjunkturabschwünge im verarbeitenden Gewerbe macht. Geopolitische Spannungen, Inflationsrisiken und schwankende Energiepreise könnten die IT-Budgets zusätzlich belasten, insbesondere bei langfristigen oder spekulativen KI-Projekten.
Ein Balanceakt zwischen Effizienz und Innovation
In diesem anspruchsvollen Umfeld verlagert sich der Fokus der Branche zunehmend von Skalierung hin zu Effizienz. Unternehmen, die selektiv vorgehen und auf Projekte mit schneller Umsetzbarkeit und messbarem Mehrwert setzen, sind am besten positioniert, um in diesem anspruchsvollen Umfeld in den kommenden Jahren erfolgreich zu sein.
Die deutsche IT-Branche steht vor einem Balanceakt zwischen der Nutzung der Chancen der KI-Revolution und der Bewältigung struktureller sowie makroökonomischer Herausforderungen.
Trotz der Herausforderungen bleibt der deutsche IT-Sektor ein zentraler Treiber der wirtschaftlichen Transformation, sagt Bogaerts. Die kommenden Jahre werden allerdings entscheidend sein, um die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich zu sichern und KI-Dienstleistungen erfolgreich zu monetarisieren.
Die komplette Studien finden Sie .
Autor: psg
IT (Symbolbild) (Foto: Gerd Altmann auf Pixabay)
Wir sehen aktuell einen globalen KI-Boom, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Allerdings profitieren davon vor allem US-amerikanische IT-Unternehmen. Sie erzielen rund 70 % der europäischen Umsätze, während deutsche Unternehmen wenig von dem Boom spüren und das Wachstum hierzulande deutlich hinterherhinkt.
Das ist vor allem ein strukturelles Problem, denn die deutschen Unternehmen sind in den wachstummstärksten Bereichen wenig präsent. Entsprechend verzeichnet der deutsche IT-Sektor ein hohes Branchenrisiko. Das weltweite Risiko liegt hingegen im mittleren Bereich. Aber: Viele deutsche Anbieter befinden sich derzeit noch in einer frühen Phase, KI wirtschaftlich erfolgreich zu monetarisieren. Da ist noch Luft nach oben und viel Potenzial.
Strukturelles Problem: Deutsche Anbieter zu wenig präsent in Wachstumssegmenten
Gründe für das schwächere Wachstum sind vor allem die geringe Präsenz deutscher Anbieter in besonders wachstumsstarken Segmenten wie Hyperscale-Cloud, KI-Plattformen und datengetriebenen Ökosystemen. Auch die geringere Kapitalintensität und die langsameren Innovationszyklen bremsen lokale Anbieter im internationalen Vergleich aus.
Im Jahr 2025 stieg der Gesamtumsatz des deutschen IT- und Software-Sektors um rund 6 %. Dies liegt etwa 3 Prozentpunkte unter dem 10-Jahres-Durchschnitt und deutlich hinter den zweistelligen Wachstumsraten, die weltweit – vor allem durch US-Unternehmen und die steigende Nachfrage nach KI-Lösungen – erzielt wurden. Die Margen erholten sich im gleichen Zeitraum auf etwa 15 % und haben sich damit im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Diese Verbesserung ist vor allem auf strikte Kostenkontrolle und Preisdisziplin zurückzuführen. Dennoch bleibt die Rentabilität volatil, und ein nachhaltiger Aufschwung, der direkt auf KI-Investitionen zurückzuführen ist, zeichnet sich bislang nicht ab.
Chancen durch KI-Investitionen und Digitalisierung – fehlende Fachkräfte als Herausforderung
Trotz des moderaten Wachstums bleibt der deutsche IT-Sektor ein zentraler Akteur in Europa, sagt Guillaume Dejean, Branchenexperte bei Allianz Trade. Deutsche Anbieter verfügen weiterhin über starke Positionen in Industrie-Software, ERP-Integration und spezialisierten B2B-Lösungen. Zudem hat die deutsche Wirtschaft ein hohes Interesse an der Integration von KI-Technologien in Geschäftsprozesse. Dank der hohen digitalen Reife deutscher Unternehmen im europäischen Vergleich und der Unterstützung durch EU-Mandate zur Förderung der Digitalisierung eröffnen sich vielversprechende Möglichkeiten.
Viele Unternehmen wollen ihre KI-Investitionen deutlich ausweiten, stoßen jedoch bei Skalierung und Fachkräften an Grenzen. Dies schafft Raum für anpassungsfähige Dienstleister, die mit klaren Umsatzprognosen und schnellem Return on Investment (ROI) punkten können.
Mehr Daten sind eine Goldgrube für die Cloud- und Cybersicherheitsbranche
Ein weiterer Wachstumsbereich ist die Cybersicherheit. Angesichts der zunehmenden Datenmengen im Unternehmens- und Verbrauchersegment steigt die Nachfrage nach entsprechenden Lösungen.
Mehr Daten sind eine Goldgrube für die Cloud- und Cybersicherheitsbranche, sagt Dejean. Eine große Chance für die europäische IT- und Softwarebranche ergibt sich aus dem exponentiellen Wachstum der in der gesamten Wirtschaft generierten Daten. Daten sind zu einem zentralen strategischen Vermögenswert geworden – entscheidend für das Verständnis des Kundenverhaltens, die Optimierung von Abläufen und die Ermöglichung von KI-Anwendungsfällen. Damit steigt die Nachfrage nach Rechenzentren, robuster Dateninfrastruktur und Analysefähigkeiten. Dieses Umfeld ist besonders förderlich für Cybersicherheits- und Datenspeicherlösungen, da Unternehmen immer komplexere und sensiblere Datensätze sichern, verwalten und deren Wert erschließen müssen.
Regulatorische Anforderungen im Bereich Datenschutz verstärken diesen Trend zusätzlich und treiben Unternehmen dazu, auf ausgefeiltere, konforme Plattformen umzusteigen. Über die Infrastruktur hinaus wird die Fähigkeit, Rohdaten in verwertbare Erkenntnisse umzuwandeln, zu einem entscheidenden Unterscheidungsmerkmal und schafft Chancen für Softwareanbieter, die Speicher, Sicherheit und Analytik in skalierbare Lösungen integrieren können. In diesem Zusammenhang ist die Datenflut nicht nur eine Frage des Volumens, sondern ein Hebel zur Wertschöpfung, der das nachhaltige Wachstum im gesamten europäischen IT-Ökosystem untermauert.
Spagat zwischen digitaler Souveränität und technologischer Wettbewerbsfähigkeit
Ein anhaltendes strategisches Dilemma für die europäische IT- und Softwarebranche ist der Spagat zwischen digitaler Souveränität und technologischer Wettbewerbsfähigkeit, sagt Dejean. Die Verringerung der Abhängigkeit von US-Hyperscalern ist zu einer politischen Priorität geworden, doch deren tief integrierte Ökosysteme, Größenvorteile und führende KI-Fähigkeiten machen eine Substitution kostspielig und komplex.
Eine zu abrupte Abkehr birgt das Risiko, dass Unternehmen einer leistungsschwächeren Infrastruktur, einer verminderten Innovationsfähigkeit und einer langsameren KI-Einführung ausgesetzt werden, was die Wettbewerbslücke Europas potenziell vergrößern könnte. Gleichzeitig schränkt das Fehlen europäischer Akteure mit vergleichbarer Breite und Größe die Machbarkeit eines raschen Übergangs ein.
Herausforderungen durch Marktfragmentierung und geopolitische Risiken
Die mittelfristigen Aussichten (2026–2028) bleiben demnach herausfordernd. Die Fragmentierung des europäischen Marktes erschwert die Skalierbarkeit und grenzüberschreitende Expansion und die Abhängigkeit von US-Technologien bleibt bestehen – auch im öffentlichen Sektor, sagt Dejean. Zudem bleibt der deutsche IT-Sektor stark mit seiner industriellen Basis verbunden, was ihn anfällig für Konjunkturabschwünge im verarbeitenden Gewerbe macht. Geopolitische Spannungen, Inflationsrisiken und schwankende Energiepreise könnten die IT-Budgets zusätzlich belasten, insbesondere bei langfristigen oder spekulativen KI-Projekten.
Ein Balanceakt zwischen Effizienz und Innovation
In diesem anspruchsvollen Umfeld verlagert sich der Fokus der Branche zunehmend von Skalierung hin zu Effizienz. Unternehmen, die selektiv vorgehen und auf Projekte mit schneller Umsetzbarkeit und messbarem Mehrwert setzen, sind am besten positioniert, um in diesem anspruchsvollen Umfeld in den kommenden Jahren erfolgreich zu sein.
Die deutsche IT-Branche steht vor einem Balanceakt zwischen der Nutzung der Chancen der KI-Revolution und der Bewältigung struktureller sowie makroökonomischer Herausforderungen.
Trotz der Herausforderungen bleibt der deutsche IT-Sektor ein zentraler Treiber der wirtschaftlichen Transformation, sagt Bogaerts. Die kommenden Jahre werden allerdings entscheidend sein, um die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich zu sichern und KI-Dienstleistungen erfolgreich zu monetarisieren.
Die komplette Studien finden Sie .
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