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Merz soll CDU-Chef werden

Die vielleicht letzte Chance

Freitag, 17. Dezember 2021, 15:34 Uhr
Eigentlich könnte und sollte mir die CDU in diesem Deutschland herzlich egal sein. Ist sie aber nicht. Nach vielen Jahren konnte ich mich über die einstige Volkspartei mal wieder freuen. Wenn auch nur wirklich kurz…


Es war im vergangenen Winter, der Schnee lag in Nordhausen fast 40 Zentimeter hoch, noch höher zwischen Rothesütte und Sophienhof. Eigentlich ein schöner Tag – bis auf die Meldung, dass die Delegierten des CDU-Parteitages (vermutlich waren es die gleichen wie zuvor) sich für Armin Laschet und gegen Friedrich Merz entschieden hatten. Die Freude an der Schneewanderung war dahin, aber was wollte man auch von Menschen erwarten, die zuvor AKK ins Amt hievten?

Ähnlich wäre es vermutlich auch in diesen Tagen ausgegangen, wenn sich wieder 1001 Delegierte real oder virtuell getroffen hätten. Mit Norbert Röttgen als „Neuen“ wäre es mit der CDU weiter in die Täler der politischen Bedeutungslosigkeit gegangen, weiter weg von dem was Christdemokratie mal war und derzeit ist. 16 Jahre Merkel standen für Beliebigkeit und Austauschbarkeit. Sie waren aber auch genug Zeit, sich im Funktionssystem bequem einzurichten. Vom Adenauer-Haus bis in die Kreisverbände.

Ein letztes Aufbäumen des Systems Merkel gab es mit der wohl lächerlichsten aller Personalien, mit Helge Braun. Da bleibt einem nur Mitleid übrig mit dem Partei-Merkel-Soldaten, der seine Mission nicht einmal ansatzweise erfüllen konnte. Der Plan, in einer Stichwahl zwischen Röttgen und Merz, sich für Röttgen zu positionieren, der ging nicht auf. Die Basis tickt eben anders.

Nun hat der Sauerländer, der vermutlich sehr viele Stimmen aus dem Ostverbänden der Christdemokratie auf sich vereinen konnte, die Chance, die CDU aus der Merkelschen Beliebigkeit heraus zu einer konservativen und liberalen Volkspartei zu führen. Ob da vier Jahre Opposition reichen, mag bezweifelt werden.

Und da ist es mir eigentlich völlig egal, ob der Merz arrogant wirkt und vielleicht auch ist, ob er Millionär ist und ein oder zwei Flugzeuge hat. Er hat jetzt einen anderen Job, der, angesichts des für mich drohenden politischen Unheils für dieses Land, nicht einfach ist.

Insofern ist es mir eben nicht egal, was mit der CDU künftig passiert. Merz ist vielleicht ihre letzte Chance vor dem Abstieg in die politische Bedeutungslosigkeit.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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