Nordthüringer Unternehmer kamen wieder zusammen
Wirtschaft wirkt
Mittwoch, 30. März 2022, 17:36 Uhr
Im zweiten Anlauf hat es geklappt - der Nordthüringer Unternehmerverband lud am Montag zur Mitgliederversammlung. Auf der Agenda standen neben aktuellen Zeitfragen auch das Image der Wirtschaft in der Region und darüber hinaus…
Rund 70 tatkräftige Unternehmer aus Nordthüringen hatte der Verband Anfang der Woche in den neuen Räumlichkeiten des Humboldt-Gymnasiums in Nordhausen zusammenbringen können. Es war bereits der zweite Anlauf, eine Mitgliederversammlung auf die Beine zu stellen, nachdem der letzte Versuch im November vergangenen Jahres an der Corona-Entwicklung gescheitert war. Es gab einiges nachzuholen, neben den bürokratischen Formalien die man zügig abhandeln konnte gehörte dazu auch die Begrüßung einer ganzen Reihe neuer Mitglieder im Verband.
Doch auch die jetzige Mitgliederversammlung stand im Zeichen der Krise, wobei die Corona-Lage nur noch eine untergeordnete Rolle spielen sollte. In den zwei Pandemiejahren hatte man sich nach Kräften bemüht, die Mitgliedsunternehmen zügig mit aktuellen Informationen zu versorgen, etwa zu Themen wie dem Kurzarbeitergeld, erklärte der Vorstandsvorsitzende des NUV, Niels Neu. Dank stringenter Hilfestellung auch Seitens der Politik sei die Wirtschaft insgesamt glimpflich durch die Corona-Krise gekommen, wird Neu am Rande der Veranstaltung berichten, im Moment, so die Befürchtung, sehe das anders aus.
Die aktuellen Sorgen hängen auch aber nicht allein mit dem neuerlichen Schatten zusammen, der jetzt aber durch eine andere Krise geworfen wird - der Krieg in der Ukraine. Der Verband hat in Zusammenarbeit mit dem Bund der Vertriebenen eine eigene Spendenaktion auf den Weg gebracht und viele Unternehmer hatten aus eigener Initiative heraus bereits gehandelt und auf verschiedenen Wegen geholfen. Im Raum steht aber auch die Frage nach Arbeitskräften. Theoretisch können geflohene Ukrainerinnen und Ukrainer eingestellt werden so die entsprechenden Unterlagen vorliegen, erklärte Landrat Matthias Jendricke auf Nachfrage, die Ausländerbehörde helfe gerne bei der Beantwortung von Fragen. Entsprechende Erfahrungen haben diverse Unternehmen der Region schon vor Kriegsausbruch gemacht. Allerdings solle man in der jetzigen Situation das Potential für den Arbeitsmarkt nicht überbewehrten. Es sind vor allem Frauen, Kinder und Alte, die aus dem Kriegsgebiet geflohen sind. Darunter mag sich auch manche gut ausgebildete Fachkraft befinden, aber die Verarbeitung der jüngsten Traumata braucht oft Zeit, sodass die Suche nach einer Arbeitsstelle für viele im Moment noch nicht ganz oben auf der Prioritätenliste steht. Noch besteht die Hoffnung, dass der Krieg ein baldiges Ende finden wird und man nach Hause zurückkehren kann.
Als problematisch wird die Preisentwicklung der letzten Wochen insbesondere im Energie- und Kraftstoffbereich gesehen. Eine Entlastung für die Arbeitnehmer wie sie von Seiten der Bundesregierung vorgesehen ist, sei zwar wünschenswert und willkommen, würde aber gerade für kleinere und mittlere Unternehmen zu kurz greifen. Der kleine Handwerksbetrieb, der jeden Tag aus Nordthüringen zu seiner Baustelle nach Göttingen fahren muss, bezahlt mal eben das doppelte an Spritkosten als noch vor einem guten Monat, kritisiert Neu, die angekündigte Tankvergütung von 300 Euro nach Steuern greife hier viel zu kurz und komme zu spät bei den Unternehmen an.
Nach der coronabedingten Zwangspause konnte man eine ganze Reihe neuer Mitglieder in den eigenen Reihen begrüßen (Foto: agl)
In den Reihen der regionalen Wirtschaftsgrößen macht sich Unmut breit. Man hätte nicht erwartet, dass eine Regierung mit wirtschaftsliberalen Elementen derartige Überlegungen ignorieren könnte. Die Einsicht, dass es die Wirtschaft ist, die Wohlstand schafft, scheint abhanden gekommen zu sein. Vielmehr bekommt man den Eindruck, dass die Wirtschaft das schon alles hinbekommt. Das wir da schon durchkommen, wie in der Corona-Krise. Mit dem Unterschied, dass die Unterstützung damals deutlich stringenter war als jetzt, sagt Neu der nnz.
Wirtschaft wirkt
Der NUV hat mit knapp 200 Mitgliedern eine ansehnliche Größe, vertritt am Ende aber dann doch nur eine recht kleine Region im Herzen Deutschlands. Am großen Rad kann hier keiner drehen, das müssten andere tun. Wirtschaftsverbände wie die Industrie- und Handelskammern oder die Handwerkskammer kommen hier in den Sinn, doch auch von dieser Seite würden im Moment nicht genug Aktivitäten entfaltet, um der Lage Herr zu werden, meint man beim NUV.
Der NUV-Vorsitzende Niels Neu (Foto: agl)
Der will, im Rahmen seiner Möglichkeiten, versuchen das scheinbar schiefe Bild des Unternehmers und der Wirtschaft wieder etwas gerade zu rücken. In der Masse sind es nicht gierige CEO’s großer Dax-Konzerne, die das wirtschaftliche Leben bestimmen, sondern viele kleine und mittlere Unternehmen, die vor Ort für Wohlstand sorgen und eine ganze Reihe an Aktivitäten entfalten, die außerhalb der reinen Wirtschaftstätigkeit stehen. Männer und Frauen, wie sie im NUV zusammenkommen. Und eben die will man mit einer Image-Kampagne ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Wie genau das geschehen könnte, darüber wurde am Montag eifrig diskutiert. Ziel der Kampagne müsse dabei nicht allein die allgemeine Öffentlichkeit sein, sondern vor allem die überregionale Politik, die in der Interpretation der Nordthüringer gerade die kleineren Unternehmen zu vergessen scheint.
Einen eigenen Vorstoß hat man auch in Sachen Industriegebiet Goldene Aue gewagt. NUV-Mitglied Thomas Hentze wird mit einem eigens produziertem Werbefilm demnächst gen Boston aufbrechen, um Kontakte zu knüpfen und für den Wirtschaftsstandort zu trommeln. Auch Abseits dieser Bemühungen tue sich viel hinter den Kulissen und man stehe im ständigen Kontakt mit der Landesentwicklungsgesellschaft, versicherte Niels Neu. Nach den enttäuschenden Erfahrungen der Vergangenheit werde man aber keine Details nennen, bevor nicht die Tinte auf einem unterschriebenen Vertrag getrocknet sei.
Angelo Glashagel
Autor: redRund 70 tatkräftige Unternehmer aus Nordthüringen hatte der Verband Anfang der Woche in den neuen Räumlichkeiten des Humboldt-Gymnasiums in Nordhausen zusammenbringen können. Es war bereits der zweite Anlauf, eine Mitgliederversammlung auf die Beine zu stellen, nachdem der letzte Versuch im November vergangenen Jahres an der Corona-Entwicklung gescheitert war. Es gab einiges nachzuholen, neben den bürokratischen Formalien die man zügig abhandeln konnte gehörte dazu auch die Begrüßung einer ganzen Reihe neuer Mitglieder im Verband.
Doch auch die jetzige Mitgliederversammlung stand im Zeichen der Krise, wobei die Corona-Lage nur noch eine untergeordnete Rolle spielen sollte. In den zwei Pandemiejahren hatte man sich nach Kräften bemüht, die Mitgliedsunternehmen zügig mit aktuellen Informationen zu versorgen, etwa zu Themen wie dem Kurzarbeitergeld, erklärte der Vorstandsvorsitzende des NUV, Niels Neu. Dank stringenter Hilfestellung auch Seitens der Politik sei die Wirtschaft insgesamt glimpflich durch die Corona-Krise gekommen, wird Neu am Rande der Veranstaltung berichten, im Moment, so die Befürchtung, sehe das anders aus.
Die aktuellen Sorgen hängen auch aber nicht allein mit dem neuerlichen Schatten zusammen, der jetzt aber durch eine andere Krise geworfen wird - der Krieg in der Ukraine. Der Verband hat in Zusammenarbeit mit dem Bund der Vertriebenen eine eigene Spendenaktion auf den Weg gebracht und viele Unternehmer hatten aus eigener Initiative heraus bereits gehandelt und auf verschiedenen Wegen geholfen. Im Raum steht aber auch die Frage nach Arbeitskräften. Theoretisch können geflohene Ukrainerinnen und Ukrainer eingestellt werden so die entsprechenden Unterlagen vorliegen, erklärte Landrat Matthias Jendricke auf Nachfrage, die Ausländerbehörde helfe gerne bei der Beantwortung von Fragen. Entsprechende Erfahrungen haben diverse Unternehmen der Region schon vor Kriegsausbruch gemacht. Allerdings solle man in der jetzigen Situation das Potential für den Arbeitsmarkt nicht überbewehrten. Es sind vor allem Frauen, Kinder und Alte, die aus dem Kriegsgebiet geflohen sind. Darunter mag sich auch manche gut ausgebildete Fachkraft befinden, aber die Verarbeitung der jüngsten Traumata braucht oft Zeit, sodass die Suche nach einer Arbeitsstelle für viele im Moment noch nicht ganz oben auf der Prioritätenliste steht. Noch besteht die Hoffnung, dass der Krieg ein baldiges Ende finden wird und man nach Hause zurückkehren kann.
Als problematisch wird die Preisentwicklung der letzten Wochen insbesondere im Energie- und Kraftstoffbereich gesehen. Eine Entlastung für die Arbeitnehmer wie sie von Seiten der Bundesregierung vorgesehen ist, sei zwar wünschenswert und willkommen, würde aber gerade für kleinere und mittlere Unternehmen zu kurz greifen. Der kleine Handwerksbetrieb, der jeden Tag aus Nordthüringen zu seiner Baustelle nach Göttingen fahren muss, bezahlt mal eben das doppelte an Spritkosten als noch vor einem guten Monat, kritisiert Neu, die angekündigte Tankvergütung von 300 Euro nach Steuern greife hier viel zu kurz und komme zu spät bei den Unternehmen an.
Nach der coronabedingten Zwangspause konnte man eine ganze Reihe neuer Mitglieder in den eigenen Reihen begrüßen (Foto: agl)
In den Reihen der regionalen Wirtschaftsgrößen macht sich Unmut breit. Man hätte nicht erwartet, dass eine Regierung mit wirtschaftsliberalen Elementen derartige Überlegungen ignorieren könnte. Die Einsicht, dass es die Wirtschaft ist, die Wohlstand schafft, scheint abhanden gekommen zu sein. Vielmehr bekommt man den Eindruck, dass die Wirtschaft das schon alles hinbekommt. Das wir da schon durchkommen, wie in der Corona-Krise. Mit dem Unterschied, dass die Unterstützung damals deutlich stringenter war als jetzt, sagt Neu der nnz.
Wirtschaft wirkt
Der NUV hat mit knapp 200 Mitgliedern eine ansehnliche Größe, vertritt am Ende aber dann doch nur eine recht kleine Region im Herzen Deutschlands. Am großen Rad kann hier keiner drehen, das müssten andere tun. Wirtschaftsverbände wie die Industrie- und Handelskammern oder die Handwerkskammer kommen hier in den Sinn, doch auch von dieser Seite würden im Moment nicht genug Aktivitäten entfaltet, um der Lage Herr zu werden, meint man beim NUV.
Der NUV-Vorsitzende Niels Neu (Foto: agl)
Der will, im Rahmen seiner Möglichkeiten, versuchen das scheinbar schiefe Bild des Unternehmers und der Wirtschaft wieder etwas gerade zu rücken. In der Masse sind es nicht gierige CEO’s großer Dax-Konzerne, die das wirtschaftliche Leben bestimmen, sondern viele kleine und mittlere Unternehmen, die vor Ort für Wohlstand sorgen und eine ganze Reihe an Aktivitäten entfalten, die außerhalb der reinen Wirtschaftstätigkeit stehen. Männer und Frauen, wie sie im NUV zusammenkommen. Und eben die will man mit einer Image-Kampagne ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Wie genau das geschehen könnte, darüber wurde am Montag eifrig diskutiert. Ziel der Kampagne müsse dabei nicht allein die allgemeine Öffentlichkeit sein, sondern vor allem die überregionale Politik, die in der Interpretation der Nordthüringer gerade die kleineren Unternehmen zu vergessen scheint. Einen eigenen Vorstoß hat man auch in Sachen Industriegebiet Goldene Aue gewagt. NUV-Mitglied Thomas Hentze wird mit einem eigens produziertem Werbefilm demnächst gen Boston aufbrechen, um Kontakte zu knüpfen und für den Wirtschaftsstandort zu trommeln. Auch Abseits dieser Bemühungen tue sich viel hinter den Kulissen und man stehe im ständigen Kontakt mit der Landesentwicklungsgesellschaft, versicherte Niels Neu. Nach den enttäuschenden Erfahrungen der Vergangenheit werde man aber keine Details nennen, bevor nicht die Tinte auf einem unterschriebenen Vertrag getrocknet sei.
Angelo Glashagel


































