Lichtblick zum Wochenende
Wie Gott erkannt werden kann
Freitag, 22. April 2022, 09:00 Uhr
Kleopas und sein Gefährte sind unterwegs. Wohin ist zumindest auf der Landkarte klar: Es geht nach Emmaus 30 Kilometer von Jerusalem entfernt. Mindestens ein Tagesmarsch. Sie sind unterwegs, reden über dies und das. Aber wo sind sie innerlich?...
Sie sind auf dem Weg ins Nichts. Denn nichts ist geblieben von der Hoffnung die sie haben. Vielleicht ist die Reise nach Emmaus ein letzter Versuch zumindest sich selbst zu retten, mit heiler Haut davon zu kommen. Denn sie spüren, irgendetwas ist da im Gange.
Nicht nur das zuerst alle ihre hohen Ziele von einem Leben an der Seite ihres Königs dahin sind, nun rumort es. Die Frauen erzählen von leeren Grab, davon das Jesus lebt.
Wie lange dauert es bis Römer und Hohepriester Jagd machen? Sie müssen los. Irgendwo hin. Sie reden dabei über das, was geschehen ist. Aber wo liegt das Ziel? Sie erzählen sich gegenseitig was sie erlebt haben. Gesprächstherapie, sozusagen.
Vielleicht haben Sie das auch schon mal erlebt. Auch wenn der andere nichts neues beizutragen hat, so tut es gut zu reden. Eine Resonanz zu haben, sich in einer Gemeinschaft zu fühlen, die einander versteht. Das kann eine Weile tragen, auch wenn noch kein Land in Sicht ist. Sie sind auf dem Weg und doch stehen sie still.
Und da werden Sie angesprochen, mitten hinein in diese Situation. Die Geschichte steht im Lukas Evangelium im 24. Kapitel
Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.
Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.
Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.
Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.
Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk;
wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.
Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist.
Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,
haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.
Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.
Etwas neues kommt hinzu, jemand der scheinbar keine Ahnung hat, da haben sie nochmal die Chance in Erinnerung zu schwelgen, noch einmal einen Ausflug zu machen in ihre Hoffnungen und Träume: Denn er kennt ja noch nicht das traurige Ende ihrer Geschichte.
Das kennen Sie vielleicht. Jemanden etwas zu erzählen was er noch nicht weiß, Passagen der eigenen Geschichte erzählen, das ist wie eine Zeitreise. Sie können noch einmal mit erleben, was vergangen ist. Das kann gut sein und zu einem wohligen Gefühl führen. Ich merke das selbst, wenn ich mit Freunden von Studium oder Abizeit das vergangene Revue passieren lasse oder anderen davon erzähle.
Die Frage ist immer, wie die Geschichte enden. Da sind die Jünger auf dem Weg nach Emmaus traurig und ratlos. Denn sie erinnern sich daran, an das Vergangene, aber sie sehen keine echte Zukunft. Sie sind mit Blindheit geschlagen. Gefangen auf dem Weg, der nirgendswo hinführt. Gewissheiten und Sicherheiten sind zerbrochen. Ich erkenne mich darin gerade ein wenig wieder. Denn Gewissheiten und Sicherheiten bröckeln. Der Ukraine-Konflikt, Corona, Klimawandel. Da möchte ich manchmal einfach sagen: Ach geht mir weg mit dem Zeug!. Ich will Verbindlichkeiten und Sicherheiten wieder haben. Ich will mich irgendwo zurückziehen, wo ich Ruhe habe.
Kleopas und sein Gefährte, laufen dazu nach Emmaus. Einfach weg vom Kreuz, weg von der Enttäuschung. Aus Angst. Aus Resignation.
Sie sind darin so gefangen, dass sie Jesus nicht erkennen. Auch wenn er mit ihnen reist.
So wie wir gefangen sein können in einer Sorge, Angst manchmal auch in einer Sache, die uns so in Beschlag nimmt, dass wir ringsherum nichts mehr wahrnehmen. Nicht das Gute und nicht das Schlimme. Die Jünger von Emmaus werden durch ihre Reise mit Jesus aus dieser Situation herausgerissen. Es passiert etwas.
Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege?, fragen sie sich hinterher.
Gott schenkt Ihnen diesen besonderen Moment, in mitten des Sturms, der um sie wütet.
Ich glaube fest daran, dass diese Momente jeden Tag passieren können, dass sich Chancen zum Leben eröffnen. So wie Ostern den Blick darauf öffnet, dass der Tod und Verfall nicht die Oberhand behält. Auch wenn es sich manchmal so anfühlen mag. Gott ist ein Gott des Lebens. Jesu Botschaft ist die Beziehung zwischen Mensch und Gott und zwischen Menschen untereinander zu suchen. In Ehrlichkeit und Verzeihen, im Streit und auch in der Harmonie.
Besonders dann, wenn wir drohen von allen anderen verschluckt zu werden.
Am Ende kommen die Jünger nicht in Emmaus an.
Ihr Weg führt jetzt nicht mehr ins Nichts, er bekommt unerwartet Richtung und Ziel. Ihr Begleiter setzt sich mit ihnen. Er nimmt das Brot, er dankt und zerreißt es und isst mit ihnen. Und auf einmal gehen ihnen die Augen auf. Beziehung und Begegnung sind es, die sie sehen lassen: Es gibt ein Ziel, unerwartet und doch tief. In der Gemeinschaft des Brotbrechens haben sie ihn erkannt. Und er entschwindet vor ihren Augen. Aber nicht aus ihren Herzen.
Das ist auch an dich gerichtet. Im Brotbrechen, in der Beziehung lässt sich der lebendige Gott finden. Auch wenn es manchmal dauert und wir ihn manchmal nicht sehen.
Die Jünger von Emmaus gehen zurück nach Jerusalem und stellen sich allem, was sie da erwarten könnte. Aber in ihrem Herzen ist Gott. Er kann auch in deinem und in meinem einziehen.
Martin Weber
Autor: redSie sind auf dem Weg ins Nichts. Denn nichts ist geblieben von der Hoffnung die sie haben. Vielleicht ist die Reise nach Emmaus ein letzter Versuch zumindest sich selbst zu retten, mit heiler Haut davon zu kommen. Denn sie spüren, irgendetwas ist da im Gange.
Nicht nur das zuerst alle ihre hohen Ziele von einem Leben an der Seite ihres Königs dahin sind, nun rumort es. Die Frauen erzählen von leeren Grab, davon das Jesus lebt.
Wie lange dauert es bis Römer und Hohepriester Jagd machen? Sie müssen los. Irgendwo hin. Sie reden dabei über das, was geschehen ist. Aber wo liegt das Ziel? Sie erzählen sich gegenseitig was sie erlebt haben. Gesprächstherapie, sozusagen.
Vielleicht haben Sie das auch schon mal erlebt. Auch wenn der andere nichts neues beizutragen hat, so tut es gut zu reden. Eine Resonanz zu haben, sich in einer Gemeinschaft zu fühlen, die einander versteht. Das kann eine Weile tragen, auch wenn noch kein Land in Sicht ist. Sie sind auf dem Weg und doch stehen sie still.
Und da werden Sie angesprochen, mitten hinein in diese Situation. Die Geschichte steht im Lukas Evangelium im 24. Kapitel
Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.
Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.
Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.
Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.
Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk;
wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.
Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist.
Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,
haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.
Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.
Etwas neues kommt hinzu, jemand der scheinbar keine Ahnung hat, da haben sie nochmal die Chance in Erinnerung zu schwelgen, noch einmal einen Ausflug zu machen in ihre Hoffnungen und Träume: Denn er kennt ja noch nicht das traurige Ende ihrer Geschichte.
Das kennen Sie vielleicht. Jemanden etwas zu erzählen was er noch nicht weiß, Passagen der eigenen Geschichte erzählen, das ist wie eine Zeitreise. Sie können noch einmal mit erleben, was vergangen ist. Das kann gut sein und zu einem wohligen Gefühl führen. Ich merke das selbst, wenn ich mit Freunden von Studium oder Abizeit das vergangene Revue passieren lasse oder anderen davon erzähle.
Die Frage ist immer, wie die Geschichte enden. Da sind die Jünger auf dem Weg nach Emmaus traurig und ratlos. Denn sie erinnern sich daran, an das Vergangene, aber sie sehen keine echte Zukunft. Sie sind mit Blindheit geschlagen. Gefangen auf dem Weg, der nirgendswo hinführt. Gewissheiten und Sicherheiten sind zerbrochen. Ich erkenne mich darin gerade ein wenig wieder. Denn Gewissheiten und Sicherheiten bröckeln. Der Ukraine-Konflikt, Corona, Klimawandel. Da möchte ich manchmal einfach sagen: Ach geht mir weg mit dem Zeug!. Ich will Verbindlichkeiten und Sicherheiten wieder haben. Ich will mich irgendwo zurückziehen, wo ich Ruhe habe.
Kleopas und sein Gefährte, laufen dazu nach Emmaus. Einfach weg vom Kreuz, weg von der Enttäuschung. Aus Angst. Aus Resignation.
Sie sind darin so gefangen, dass sie Jesus nicht erkennen. Auch wenn er mit ihnen reist.
So wie wir gefangen sein können in einer Sorge, Angst manchmal auch in einer Sache, die uns so in Beschlag nimmt, dass wir ringsherum nichts mehr wahrnehmen. Nicht das Gute und nicht das Schlimme. Die Jünger von Emmaus werden durch ihre Reise mit Jesus aus dieser Situation herausgerissen. Es passiert etwas.
Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege?, fragen sie sich hinterher.
Gott schenkt Ihnen diesen besonderen Moment, in mitten des Sturms, der um sie wütet.
Ich glaube fest daran, dass diese Momente jeden Tag passieren können, dass sich Chancen zum Leben eröffnen. So wie Ostern den Blick darauf öffnet, dass der Tod und Verfall nicht die Oberhand behält. Auch wenn es sich manchmal so anfühlen mag. Gott ist ein Gott des Lebens. Jesu Botschaft ist die Beziehung zwischen Mensch und Gott und zwischen Menschen untereinander zu suchen. In Ehrlichkeit und Verzeihen, im Streit und auch in der Harmonie.
Besonders dann, wenn wir drohen von allen anderen verschluckt zu werden.
Am Ende kommen die Jünger nicht in Emmaus an.
Ihr Weg führt jetzt nicht mehr ins Nichts, er bekommt unerwartet Richtung und Ziel. Ihr Begleiter setzt sich mit ihnen. Er nimmt das Brot, er dankt und zerreißt es und isst mit ihnen. Und auf einmal gehen ihnen die Augen auf. Beziehung und Begegnung sind es, die sie sehen lassen: Es gibt ein Ziel, unerwartet und doch tief. In der Gemeinschaft des Brotbrechens haben sie ihn erkannt. Und er entschwindet vor ihren Augen. Aber nicht aus ihren Herzen.
Das ist auch an dich gerichtet. Im Brotbrechen, in der Beziehung lässt sich der lebendige Gott finden. Auch wenn es manchmal dauert und wir ihn manchmal nicht sehen.
Die Jünger von Emmaus gehen zurück nach Jerusalem und stellen sich allem, was sie da erwarten könnte. Aber in ihrem Herzen ist Gott. Er kann auch in deinem und in meinem einziehen.
Martin Weber
