Firma TMP in Langensalza und die IHK luden zum Gespräch
Konjunkturerholung durch mehr Sicherheit möglich
Mittwoch, 05. Februar 2025, 17:30 Uhr
Zum Konjunkturgespräch hatte die IHK Nordthüringens heute nach Bad Langensalza eingeladen, um über die Stimmungslage der Unternehmer im Unstrut-Hainich Kreis zu berichten. Gastgeber und kompetenter Gesprächspartner war Tobias Kern, Gesellschafter bei der ortsansässigen Firma TMP …
Blicken verhalten optimistisch in die Zukunft: TMP-Geschäfsführer Tobias Kern (l.) und Nordthüringens IHK-Chef Christian Böduel (Foto: oas)
Christian Böduel, Leiter der IHK-Niederlassung für Nordthüringen konnte heute positiveres berichten, als noch am Montag für den Landkreis Nordhausen. Um Mühlhausen und Langensalza herum sieht es freundlicher aus, der Indexwert des Konjunkturklimas liegt um 21 Punkte höher als bei der letzten Firmenbefragung im Herbst 2024. Erreicht wurden dieses Mal 91 Punkte, was immer noch weniger ist als der langjährige Durchschnitt von 102, aber eben eine deutliche Steigerung zur jüngsten Vergangenheit ausmacht. Immerhin 33 Prozent der Befragten beurteilen ihre derzeitige Situation als gut, 30 Prozent empfinden die Geschäftslage als eher schlecht. Für die Zukunft ist der Optimismus jedoch verhalten, nur zehn Prozent rechnen mit einer günstigeren Entwicklung, 60 Prozent erwarten keine Veränderung und immer noch 30 Prozent befürchtete eine Verschlechterung der Situation.
Drastischer ist die verharrende Rezession bei den Beschäftigungsaussichten erkennbar. Keine Firma will neue Mitarbeiter einstellen, 21 Prozent können sich einen weiteren Personalabbau vorstellen und die große Mehrheit von 79 Prozent will nicht an den Beschäftigungszahlen rütteln. Auch die Investitionsneigung der Unternehmen im Kreis bleibt ausbaufähig: während nur 14 Prozent eine Aufstockung des Budgets planen, wollen 45 Prozent nicht mehr investieren oder denken sogar über Abstriche nach. Unter den angedachten Aufwendungen sind allerdings 78 Prozent Ersatzbeschaffungen und nicht wirkliche Investitionen in neue Betriebsmittel. Als größte Risiken für ihre Betriebe empfinden die Unternehmer die Energie- und Rohstoffpreise, die derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, hohe Arbeitskosten und einen sinkenden Inlandsabsatz ihrer Produkte.
Das Wort Sicherheit wurde so zu einem zentralen Aspekt der Erläuterungen von Christian Böduel und Tobias Kern. Denn ohne eine ruhige, überschaubare Wirtschaftslage gibt es auch keinen Aufschwung, waren sie sich einig. Beide hoffen wie viele ihrer Kollegen darauf, dass die neue Bundesregierung diese Sicherheit wieder bieten kann, die unter der Ampelregierung verloren ging.
In der TMP Fenster und Türen GmbH hatte die allgemeine wirtschaftliche Talfahrt in den letzten beiden Jahren Spuren hinterlassen. Was im Jahre 2023 schon abzusehen war, traf die Firma 2024 mit voller Wucht. Die Aufträge gingen so massiv zurück, dass sich das Unternehmen zu Entlassungen von Arbeitskräften gezwungen sah. Unsere langjährigen Bestandskunden haben einfach nichts mehr bestellt, was zu großer Unruhe im Unternehmen geführt hat, erinnerte sich Tobias Kern. Wir mussten die Kosten stärker budgetieren und Investitionen stoppen. Bei unseren Überlegungen blieb kein Stein auf dem anderen.
Es sei seitdem eine beständige Suche nach Möglichkeiten gewesen, sich weiter am Markt zu etablieren. Die erfolgten betrieblichen Anpassungen würden erst in diesem Jahr zu Buchen schlagen. Weshalb Tobias Kern auch verhalten optimistisch ins neue Jahr blickt. Die Auftragslage hat sich wieder etwas stabilisiert und TMP beschreitet neue Geschäftsfelder, wie das Modulare Bauen, das inzwischen bei Neubauten und Sanierungen angewendet wird und der Plattenbauweise der DDR vom Verfahren her ähnelt. Hier sieht das Bad Langensalzaer Unternehmen gute Chancen, mit seinen hochwertigen Fenstern und Türen ins Geschäft zu kommen. Sieben neue Außendienstmitarbeiter wurden eingestellt, um die erprobten Leistungen und Produkte sowie das know how der Hersteller zu verkaufen. Dennoch bleibt die Gemengelage unsicher in den nächsten sechs Monaten und wir wissen nicht genau, wo die Reise hingeht.
Für die 280 TMP-Mitarbeiter wird entscheidend sein, ob die 4,5 Millionen Euro Investitionen der letzten Zeit für eine neue Fertigungsanlage jetzt gewinnbringend zum Tragen kommen. Obwohl eine zunehmende Automatisierung einige Mitarbeiter zukünftig ersetzen kann, bleibt aber durch die demografische Entwicklung auch bei TMP die Suche nach Fachkräften oberstes Gebot. Die momentan 25 Auszubildenden sollen deshalb unbedingt gehalten werden, denn sie sind durch die unkomplizierte Einarbeitung in schon bekannte Prozesse die besten Mitarbeiter, die sich Tobias Kern wünschen kann.
Auch dass der Bau von Einfamilienhäusern langsam wieder Fahrt aufnimmt, stimmt den Geschäftsführer zuversichtlich. Jetzt muss nur noch Klarheit geschaffen werden über die brauchbaren Energiequellen der Zukunft, schaut Christian Böduel nach vorn, und wieder Stabilität und Verlässlichkeit in die Politik zurückkehren, dann kann sich die leicht positive Grundstimmung im Kreis weiter verbessern. Nachprüfen, ob diese Wünsche in Erfüllung gegangen sind, wollen Böduel und Kern dann im nächsten Jahr an gleicher Stelle zum Konjunkturgespräch 2026.
Olaf Schulze
Autor: osch
Blicken verhalten optimistisch in die Zukunft: TMP-Geschäfsführer Tobias Kern (l.) und Nordthüringens IHK-Chef Christian Böduel (Foto: oas)
Christian Böduel, Leiter der IHK-Niederlassung für Nordthüringen konnte heute positiveres berichten, als noch am Montag für den Landkreis Nordhausen. Um Mühlhausen und Langensalza herum sieht es freundlicher aus, der Indexwert des Konjunkturklimas liegt um 21 Punkte höher als bei der letzten Firmenbefragung im Herbst 2024. Erreicht wurden dieses Mal 91 Punkte, was immer noch weniger ist als der langjährige Durchschnitt von 102, aber eben eine deutliche Steigerung zur jüngsten Vergangenheit ausmacht. Immerhin 33 Prozent der Befragten beurteilen ihre derzeitige Situation als gut, 30 Prozent empfinden die Geschäftslage als eher schlecht. Für die Zukunft ist der Optimismus jedoch verhalten, nur zehn Prozent rechnen mit einer günstigeren Entwicklung, 60 Prozent erwarten keine Veränderung und immer noch 30 Prozent befürchtete eine Verschlechterung der Situation.
Drastischer ist die verharrende Rezession bei den Beschäftigungsaussichten erkennbar. Keine Firma will neue Mitarbeiter einstellen, 21 Prozent können sich einen weiteren Personalabbau vorstellen und die große Mehrheit von 79 Prozent will nicht an den Beschäftigungszahlen rütteln. Auch die Investitionsneigung der Unternehmen im Kreis bleibt ausbaufähig: während nur 14 Prozent eine Aufstockung des Budgets planen, wollen 45 Prozent nicht mehr investieren oder denken sogar über Abstriche nach. Unter den angedachten Aufwendungen sind allerdings 78 Prozent Ersatzbeschaffungen und nicht wirkliche Investitionen in neue Betriebsmittel. Als größte Risiken für ihre Betriebe empfinden die Unternehmer die Energie- und Rohstoffpreise, die derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, hohe Arbeitskosten und einen sinkenden Inlandsabsatz ihrer Produkte.
Das Wort Sicherheit wurde so zu einem zentralen Aspekt der Erläuterungen von Christian Böduel und Tobias Kern. Denn ohne eine ruhige, überschaubare Wirtschaftslage gibt es auch keinen Aufschwung, waren sie sich einig. Beide hoffen wie viele ihrer Kollegen darauf, dass die neue Bundesregierung diese Sicherheit wieder bieten kann, die unter der Ampelregierung verloren ging.
In der TMP Fenster und Türen GmbH hatte die allgemeine wirtschaftliche Talfahrt in den letzten beiden Jahren Spuren hinterlassen. Was im Jahre 2023 schon abzusehen war, traf die Firma 2024 mit voller Wucht. Die Aufträge gingen so massiv zurück, dass sich das Unternehmen zu Entlassungen von Arbeitskräften gezwungen sah. Unsere langjährigen Bestandskunden haben einfach nichts mehr bestellt, was zu großer Unruhe im Unternehmen geführt hat, erinnerte sich Tobias Kern. Wir mussten die Kosten stärker budgetieren und Investitionen stoppen. Bei unseren Überlegungen blieb kein Stein auf dem anderen.
Es sei seitdem eine beständige Suche nach Möglichkeiten gewesen, sich weiter am Markt zu etablieren. Die erfolgten betrieblichen Anpassungen würden erst in diesem Jahr zu Buchen schlagen. Weshalb Tobias Kern auch verhalten optimistisch ins neue Jahr blickt. Die Auftragslage hat sich wieder etwas stabilisiert und TMP beschreitet neue Geschäftsfelder, wie das Modulare Bauen, das inzwischen bei Neubauten und Sanierungen angewendet wird und der Plattenbauweise der DDR vom Verfahren her ähnelt. Hier sieht das Bad Langensalzaer Unternehmen gute Chancen, mit seinen hochwertigen Fenstern und Türen ins Geschäft zu kommen. Sieben neue Außendienstmitarbeiter wurden eingestellt, um die erprobten Leistungen und Produkte sowie das know how der Hersteller zu verkaufen. Dennoch bleibt die Gemengelage unsicher in den nächsten sechs Monaten und wir wissen nicht genau, wo die Reise hingeht.
Für die 280 TMP-Mitarbeiter wird entscheidend sein, ob die 4,5 Millionen Euro Investitionen der letzten Zeit für eine neue Fertigungsanlage jetzt gewinnbringend zum Tragen kommen. Obwohl eine zunehmende Automatisierung einige Mitarbeiter zukünftig ersetzen kann, bleibt aber durch die demografische Entwicklung auch bei TMP die Suche nach Fachkräften oberstes Gebot. Die momentan 25 Auszubildenden sollen deshalb unbedingt gehalten werden, denn sie sind durch die unkomplizierte Einarbeitung in schon bekannte Prozesse die besten Mitarbeiter, die sich Tobias Kern wünschen kann.
Auch dass der Bau von Einfamilienhäusern langsam wieder Fahrt aufnimmt, stimmt den Geschäftsführer zuversichtlich. Jetzt muss nur noch Klarheit geschaffen werden über die brauchbaren Energiequellen der Zukunft, schaut Christian Böduel nach vorn, und wieder Stabilität und Verlässlichkeit in die Politik zurückkehren, dann kann sich die leicht positive Grundstimmung im Kreis weiter verbessern. Nachprüfen, ob diese Wünsche in Erfüllung gegangen sind, wollen Böduel und Kern dann im nächsten Jahr an gleicher Stelle zum Konjunkturgespräch 2026.
Olaf Schulze
