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Meine Meinung:

Geschichtsvergessenheit versus Staatsraison

Samstag, 29. November 2025, 18:00 Uhr
Immer wieder hören wir von Seiten unserer politischen Eliten: „Deutschland muss kriegstüchtig werden „ und „Russland war schon immer unser Feind und wird es auch immer bleiben“. nnz-Kolumnist Achit Tölle hat dazu eine Meinung...


Solch eine Aussage ist meines Erachtens eines deutschen Politikers unwürdig. Denn sie zeugt nicht nur von Geschichtsvergessenheit, sie schürt meines Erachtens auch den gegenseitigen Hass.

Anhand solcher Bemerkungen kann man den Eindruck gewinnen, manchen Politikern ist nicht mehr bewusst, wie vielfältig die Verbrechen der Deutschen im 3. Reich waren. Denn genau das in Ungnade gefallen Land, hatte mit Abstand die meisten Opfer zu beklagen.

Äußerst bedenklich war daher die These der Frau Kallas, es handele sich um ein fragwürdiges Narrativ, dass die Sowjetunion an der Zerschlagung Hitler-Deutschlands beteiligt war. Allerdings widerlegen nicht nur die rund 27.000.000 sowjetischen bzw. russischen Opfer diese umstrittene Aussage.

Außerdem scheint es mir, als würde mitunter mit unterschiedlichem Maß gemessen, einerseits werden die kriegerischen Handlungen eines Landes mit unserer Staatsraison legitimiert, andererseits werden ähnliche Aktivitäten eines anderen Landes auf das Schärfste verurteilt.

Leider wird die bedeutende Rolle Russlands im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung, die auch einen zeitnahen Truppenabzug beinhaltete, nicht mehr gewürdigt. Es will auch niemand wahr haben, dass Jahrzehnte lang Fehler in der Deutschen Russlandpolitik gemacht worden sind. Um so befremdlicher empfinde ich den allgegenwärtigen Russenhass, der von unseren Eliten verbreitet wird.

Russische Interessen wurden bisher nicht zur Kenntnis genommen oder als illegitim beiseite geschoben. Dass eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine den Sicherheitsinteressen Russlands entgegenstehen könnte, wurde stets ignoriert. Meines Wissens wurde in Verträgen bisher festgeschrieben, dass die Sicherheit eines Staates nicht zugunsten der Sicherheit eines anderen Staates geopfert werden darf.

Erst jetzt, in Trumps Friedensplan wurden diese berücksichtigt. Die aktuelle Demontage dieses Plans schürt allerdings den Eindruck, dass ein möglicher Frieden aktuell zur Unzeit käme.

Möglicherweise nützt der Krieg in der Ukraine nicht nur der Rüstungsindustrie. Er könnte auch von innenpolitischen Defiziten der „Europäer“ in der Europäischen Union, Frankreich, Großbritannien und Deutschland ablenken, denn deren Regierungschefs, Von der Leyen, Macron, Starmer und Merz, haben mit massiven innenpolitischen Problemen zu kämpfen.

Beispiele dafür gibt es genug. So ist entgegen aller Versprechen unsere Staatsverschuldung explodiert und die aktuell kontrovers geführte Rentendebatte ist in aller Munde. Die Zuschüsse zur Rente werden in Frage gestellt, die vielen zig Milliarden Euro, die in den letzten Jahren in die Ukraine geflossen sind und in den nächsten Jahren noch fließen werden, werden trotz ausufernder Korruption bis in das unmittelbare Umfeld des Herrn Selenski, überhaupt nicht diskutiert oder in Frage gestellt.

Unseren politischen Eliten sollte es zu denken geben, dass die Friedensverhandlungen fernab von Europa in Abu Dhabi fortgeführt werden. Wir müssen akzeptieren, dass sich die globalen Kräfteverhältnisse aufgrund ökonomischer und politischer Entwicklungen zu unserem Nachteil verschoben haben, sodass wir auf der politischen Weltbühne an Bedeutung verloren haben. Europa scheint nicht mehr der Nabel der Welt zu sein.
Achit Tölle
Autor: psg

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