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Wirtschaft traf Politik und Gesellschaft in Bad Langensalza

Neujahrsempfang in schwierigen Zeiten

Freitag, 16. Januar 2026, 10:40 Uhr
Einmal mehr war der restlos gefüllte Saal des Bad Langensalzaer Kultur- und Kongresszentrums Austragungsort für den offiziellen Neujahrsempfang des Kreises. Und wiederum war es die Mittelstandgruppe, die gemeinsam mit Landkreisverwaltung und der Stadt Bad Langensalza einlud…

Das Jugendblasorchester Nägelstedt beim Neujahrsempfang 2026 (Foto: emw) Das Jugendblasorchester Nägelstedt beim Neujahrsempfang 2026 (Foto: emw)


Überschrieben war die Einladung mit einem Zitat des Apple-Gründers Steve Jobs, der das Durchhaltevermögen als die Hälfte von allem ausmachte, was einen erfolgreichen von einem erfolglosen Unternehmer unterscheidet. Dieses Durchhaltevermögen ist auch im Landkreis gefragt, verdeutlichte Mathias Oßwald als einer der Moderatoren des Abends. Seit der Gründung der Mittelstandsgruppe im Zuge der Bauernproteste 2023 habe sich die Situation der Unternehmen noch verschlechtert, wofür er hohe CO2-Steuern, steigende Mindestlöhne und die ausufernde Bürokratie verantwortlich machte.

Sein Kollege Robert Böhm betonte, dass es der Mittelstand sei, der die Region bestimmt. Er warnte davor, dass die Fleißigen die Lust am Arbeiten verlieren könnten. Die Politik solle sich weniger einmischen. „Wir melken unser Land, um die Welt zu versorgen“, rief er den über 400 Anwesenden im Saal zu und erntete Szenenapplaus für die Bemerkung. Unter den Gästen befanden sich neben Unternehmern, Regionalpolitikern und Vereinsvertretern auch wieder zahlreiche Feuerwehrleute und medizinische Dienstleister, die ihren verdienten Sonderapplaus erhielten.

Landrat Thomas Ahke  (Foto: Eva Maria Wiegand) Landrat Thomas Ahke (Foto: Eva Maria Wiegand)


Gastgeber und Bürgermeister Matthias Reinz sah in dem großen Interesse am Empfang ein starkes Zeichen für Dialog und Zusammenarbeit und bezeichnete den Mittelstand als das Rückgrat der Gesellschaft. Er bedankte sich bei allen, die täglich sich aktiv einbringen und hob als besonderes Beispiel die Familie Hyseni hervor, die den Langensalzern in der Adventszeit ihre Eisbahn wieder ermöglichte. Es gebe in diesem Jahr schmerzhafte Entscheidungen zu treffen und das Wasser stände der Kommune weit über den Hals hinaus, weshalb er alle bitte, mitzuziehen auf diesem Weg. Aber es seien über das Jahr 2026 auch viele Veranstaltungen geplant, um gemeinsam zu feiern. In der fruchtbaren Zusammenarbeit von Ehrenamt, Vereinen und öffentlicher Hand werde das gelingen, war sich Reinz sicher.

Landrat Thomas Ahke setzte dort fort und appellierte an den Zusammenhalt in der Gesellschaft und das Verantwortungsbewusstsein. Denn „Freiheit ist auch Verantwortung und es darf kein Egoismus daraus werden“. Es dürfe nicht sein, dass diejenigen gewinnen, die am lautesten schreien und es käme wieder darauf an, Kompromisse auszuhandeln und miteinander zu reden. Die Bürokratie und steigende Sozialausgaben setzten seine Verwaltung unter Druck. Geld fehle vor allem für Schulen, Straßen und die Kommunen, beklagte der Landrat. Immerhin sei der Haushalt konsolidiert, die Kreisumlage könne geringfügig gesenkt werden für die Kommunen und der Kreis sei nach vielen Jahren der Bedarfszuweisung wieder eigenständig handlungsfähig. Dies müsse nun behauptet werden und das gehe nur, wenn Politik, Gesellschaft und Mittelstand an einem Strang zögen.

Der Verein für Life e.V. Hospiz Evelyn erhält großzügige Spende. Foto (Foto: Eva Maria Wiegand) Der Verein für Life e.V. Hospiz Evelyn erhält großzügige Spende. Foto (Foto: Eva Maria Wiegand)


Der für die eigentlich angekündigte Thüringer Wirtschaftsministerin eingesprungene Staatssekretär Mario Suckert versprach für die Landesregierung, viele strukturelle Probleme angehen zu wollen, lobte den Unstrut-Hainich-Kreis für seinen Zuwachs an Tourismus und die erhöhte Anzahl an Gewerbeanmeldungen. Auch er will den Bürokratieabbau vorantreiben, Vergaberechte sollen vereinfacht werden und Verfahren beschleunigt. Einige hinderliche Nachweispflichten seien schon entfallen und das Handwerk werde gestärkt durch kostenlose Meisterprüfungen und Praktikumsunterstützungen für die Unternehmen. „Wir wollen mit dem Mittelstand Politik betreiben“, sagte Suckert.

Ihm folgte am Rednerpult Marko Hesse als Vertreter des Kreisbauernverbandes, der den Finger tief in die Wunde legte und mit Beispielen und Zahlen verdeutlichte, wo der Unmut der Bauern herkommt, die weiter um ihre Rechte und ihren Berufsstand kämpfen würden. „Unternehmen investieren nicht in politische Absichtserklärungen sondern in funktionierende Rahmenbedingungen“, setzte er Suckerts Ausführungen entgegen. Im Hinblick auf das umstrittene Mercosur-Abkommen der EU mit Südamerika verlangte er gleiche Bedingungen für alle Akteure. „Wer fordert muss auch ermöglichen“, gab er den Regierungsvertretern mit auf den Weg nach Hause.

Vierhundert Gäste wohnten dem Neujahrsempfang 2026 im KKZ, in Bad Langensalza, bei (Foto: Eva Maria Wiegand) Vierhundert Gäste wohnten dem Neujahrsempfang 2026 im KKZ, in Bad Langensalza, bei (Foto: Eva Maria Wiegand)


Etwas unpolitischer kam der Impulsvortrag der Sportfunktionäre des Post SV Mühlhausen daher. Geschäftsführer Thomas Stecher und Bundesliga-Trainer Erik Schreyer hätten ebenfalls mit viel Bürokratie und großem Strukturaufbau zu kämpfen, aber hier gelte das gleiche Motto wie im Sport: „Jammern nach Niederlagen bringt nichts und man muss wieder aufstehen und gestärkt daraus hervorgehen.“ Die Tischtennisspieler in der Kreisstadt haben viel erreicht und behaupten sich als einziger ostdeutscher Verein in der höchsten deutschen Spielklasse. Dass sie in dieser Saison sogar Champions-League spielen und Tischtennis auf Weltniveau bieten können, mache sie stolz, ließe sie aber auch mit Demut und Dankbarkeit auf ihre Arbeit blicken, erklärten beide unisono. Ihr Traum ist es, in Mühlhausen ein Nachwuchs-Leistungszentrum aufzubauen. Schließlich sei der Post SV „der Leuchtturm im Osten“. Dankbarkeit, Leistung und Gemeinschaft sind die Pfeiler des Erfolges, verrieten Stecher und Schreyer abschließend.

Die Übergabe eines Schecks über 1.000 Euro für den Hospizverein des Hauses Evelyn und die von den Anwesenden laut mitgesungene Nationalhymne, gespielt vom Jugendblasorchester Nägelstedt, beschlossen den offiziellen Teil des Abends. Danach ging es ans großzügige Büffet der Villa Italia und zu vielen guten und vernetzenden Gesprächen, die ein Gemeinschaftsgefühl im Kreis weiter stärken werden.
Olaf Schulze
Autor: emw

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