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Vor allem Thüringen betroffen:

Netzlücken immer langsamer geschlossen

Freitag, 30. Januar 2026, 09:12 Uhr
Deutschland wird bei der Beseitigung von Funklöchern immer langsamer – im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Abbau der Netzdefizite fast halbiert. Für 85 Prozent dieser Netzlücken steht jetzt schon fest, dass sie mindestens ein Jahr lang nicht geschlossen werden. Das zeigt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox auf Basis des aktuellen Mobilfunk-Monitorings der Bundesnetzagentur...

Mobilfunk (Symbolbild) (Foto: Andreas Glöckner auf Pixabay) Mobilfunk (Symbolbild) (Foto: Andreas Glöckner auf Pixabay)
Rund ein Siebtel der bundesdeutschen Fläche ist nicht ausreichend mit Mobilfunk versorgt (13,3 Prozent). In diesen Regionen können maximal zwei Netzbetreiber eine mobile Datennutzung über 4G oder 5G anbieten. Wer woanders Handykunde ist, kann nur auf das alte 2G-Netz aus den 1990er-Jahren zurückgreifen.

Damit lässt sich lediglich telefonieren oder SMS versenden; mobiles Surfen nach heutigen Standards ist nicht möglich. Vor einem Jahr waren 14,2 Prozent der bundesweiten Fläche unterversorgt, vor zwei Jahren 16 Prozent.

Überdurchschnittlich stark von Netzlücken betroffen sind Handynutzer in Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bayern und Thüringen. Den Negativrekord halten die Hessen, dort ist mit 19,7 Prozent fast ein Fünftel der Landesfläche unterversorgt.

Ganz anders sieht es im Norden Deutschlands aus: Den Top-Wert unter den Flächenländern verzeichnet Schleswig-Holstein mit nur 3,6 Prozent Netzlücken. Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen gelten seit Jahren als nahezu lückenlos versorgt.

85 Prozent der Funklöcher ohne zeitnahe Lösung
Für 5.804 Quadratkilometer in Deutschland steht fest, dass die dortigen Funklöcher mindestens ein weiteres Jahr bestehen bleiben. Denn für diesen Teil des Bundesgebiets stellt die Bundesnetzagentur offiziell ein „Ausbaudefizit“ fest: Dort besteht weder aktuell eine mobile Breitbandversorgung noch ist sie innerhalb der nächsten 12 Monate geplant. Die betroffenen Gebiete entsprechen etwa der doppelten Fläche des Saarlandes. Bei der Erhebung im Vorjahr hatte die Behörde noch 6.600 Quadratkilometer als defizitär eingestuft.

„Gerade im ländlichen Raum werden viele Menschen noch lange auf eine zeitgemäße Mobilfunkversorgung warten müssen“, sagt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. „Dabei geht es selten um einzelne abgelegene Gehöfte, sondern oft um ganze Landstriche: So ist etwa im Berchtesgadener Land auf fast einem Viertel der gesamten Fläche kein mobiles Surfen möglich – nicht nur für Bewohner, sondern auch für Urlauber in der beliebten Ferienregion ein anhaltendes Ärgernis.“

Netzausbau am Boden kommt an seine Grenzen
Stellenweise bleibt das mobile Internet komplett aus: 149 Gemeinden in Deutschland haben auf mindestens einem Fünftel ihrer Fläche überhaupt kein Datennetz; im Extremfall beträgt die Funklochdichte bis zu 98 Prozent. Dort sind bei allen Netzbetreibern, wenn überhaupt, nur Telefonate und SMS möglich. Notrufe können funktionieren, garantiert ist dies jedoch nicht. Insgesamt finden sich solche „weißen Flecken“ auf 1,9 Prozent der bundesdeutschen Fläche.

„Der terrestrische Netzausbau kommt an seine Grenzen“, sagt Schamberg. „Das musste auch die inzwischen aufgelöste Funklochbehörde feststellen. Besonders für gebirgige Regionen sind Alternativen gefragt, etwa über Satellit. Derzeit braucht es dafür noch spezielle Geräte – doch auch in Deutschland wird bereits daran geforscht, den Mobilfunk aus dem All künftig mit handelsüblichen Smartphones nutzbar zu machen.“

Laut Auflagen der Bundesnetzagentur soll jeder Netzbetreiber bis 2028 mindestens 98 Prozent der Haushalte in dünn besiedelten Regionen mit mobilen Bandbreiten von 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) oder mehr versorgen.

Methodik
Basis der Erhebung ist das jüngste Mobilfunk-Monitoring der Bundesnetzagentur (Stand Oktober 2025, für die offiziellen Ausbaudefizite April 2025). Vergleichsbasis ist die Erhebung von Oktober 2024. Die Flächenversorgung wird auf Kreisebene ausgewiesen. Die Angaben basieren auf Daten der Mobilfunknetzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und O2/Telefonica. Der vierte Netzbetreiber 1&1 nutzt aktuell National-Roaming-Vereinbarungen mit Vodafone und baut sein eigenes Netz erst noch auf.
Autor: psg

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