Im Interview: Ivan Alboresi
Kreislauf einer Beziehung
Donnerstag, 19. Februar 2026, 16:30 Uhr
Am 27. Februar feiert der Ballett-Doppelabend "Die vier Jahreszeiten"/"Das Glühen" um 19.30 Uhr im Theater im Anbau seine mit Spannung erwartete Premiere. Im Interview gibt Ivan Alboresi Einblicke in seine Arbeit...
Die israelische Choreografin Adi Salant hat eigens für diesen Abend das Ballett "Das Glühen" geschaffen. Unter dem kraftvollen Titel widmet sich die international wirkende Künstlerin dem "inneren Licht", jener Energie in uns, die so Salant "unsere Bewegungen, Gefühle und Verbindungen zur Welt antreibt".
Für Ivan Alboresi sind "Die vier Jahreszeiten" der letzte Ballettabend, den er als Ballettdirektor am TN LOS! kreiert, bevor er in der kommenden Saison neue Herausforderungen am Landestheater Detmold annimmt.
Du verwendest für deinen neuen Ballettabend Antonio Vivaldis "Die vier Jahreszeiten", Recomposed by Max Richter, eine wegweisende Neuinterpretation der Barockmusik. Richter nutzte die musikalische DNA von Vivaldi und schuf eine moderne, emotionale Klanglandschaft. Was war dein Beweggrund, diese Musik auszuwählen? Weil die Musik emotionaler ist, moderner, besser fürs Ballett oder weil sie dich einfach mehr anspricht?
Alboresi:Alle diese Gründe treffen zu. Die Musik von Vivaldi ist wunderbar, ich bin als Italiener mit ihr aufgewachsen. Die Bearbeitung von Max Richter legt sich aber wie eine zweite Haut über das Ballett: Sie ist sehr emotional, durch ihre Minimalismen wirkt sie moderner und spricht uns heute direkt an. Sie entspricht auch eher unseren Hörgewohnheiten.
Die Musik von Vivaldi entspricht also eher klassischen Hörgewohnheiten, willst du ganz bewusst auch ein jüngeres Publikum ansprechen?
Alboresi:Mein Anspruch ist, Produktionen zu schaffen, die dem Theater und insbesondere dem Ballett auch neue, jüngere Publikumsschichten erschließen. Das Beste für uns ist natürlich, alle glücklich zu machen. Mein Anspruch ist, dass jeder etwas findet, was ihm gefällt.
Was hat dich dazu inspiriert, Licht als zentrales thematisches Element in deiner Interpretation zu verwenden?
Alboresi:Licht ist für mich generell ein essenzieller Faktor in allen meinen Stücken. Es verleiht jeder Inszenierung Magie. Im Jahreszeitenzyklus beobachten wir, wie sich Tageslicht im Verlauf des Jahres verändert. Wir nutzen diese Wandel-Dynamik als Gestaltungsmittel auf der Bühne nicht durch Helligkeit, sondern durch Farbgebung. Unsere Bühne hat eine rein weiße Grundausstattung, die als Projektionsfläche dient sie reflektiert Erinnerungen, Gedanken und auch den Verlauf der Jahreszeiten.
Was möchtest du erzählen?
Alboresi:Für mich geht es zentral um Beziehungen, konkret um Liebesbeziehungen jedoch nicht im klassischen Sinne einer Liebesgeschichte. Es geht um den Kreislauf einer Beziehung: erste Begegnung, Werden, Wachsen, Entscheiden, vielleicht Verlieren oder Festigen. So ist der Frühling die Phase des Sich-Kennenlernens. Er spiegelt die Leichtigkeit und Verliebtheit, das Gefühl, dass alles möglich ist. Der Sommer steht für Leidenschaft, für Begehren und körperliche Nähe. Im Herbst tauchen in meiner Interpretation die ersten Probleme und Fragen auf. Es ist eine Zeit der ersten Konflikte, eine Zeit, in der die Erwartungen auf die Realität treffen. Erste Blätter fallen. Man nimmt wahr, was die rosarote Brille zuvor verborgen hielt. Es gibt den Wunsch nach Veränderung und erste Machtkämpfe in der Beziehung. Mit dem Winter treten wir in die Stabilisierungsphase. Für mich heißt das entweder Akzeptanz oder Loslassen. Aber auch Vertrauen und inneres zur Ruhe kommen. Ich erzähle die inneren Zustände der Liebe, wie sie sich in übertragenem Sinn in den Jahreszeiten entfalten. Als Brücke zwischen Kunst Natur habe ich vier Allegorien eingeführt. Sie stehen als Metaphern für die Jahreszeiten und interagieren nicht direkt mit dem Ensemble; tänzerisch äußern sie sich völlig anders und unterscheiden sich auch in den Kostümen.
Wie spiegelt sich das in den Kostümen wider?
Alboresi:Die Allegorien erwecken fast den Eindruck von Statuen. Ihre Kostüme sind sehr opulent und künstlerisch aufgewertet. Der Frühling ist überbordend von Blüten, alles scheint aus der Figur heraus zu wachsen, der Sommer steht für die Reflexion der Wärme und den Herbst verbinde ich mit Wind, alles ist in Bewegung. Das Kostüm für den Winter wirkt fast knöchern, die Wirbelsäule ist sichtbar, eisig steif, verfestigt, doch zerbrechlich gleichermaßen. Diese Kostüme von Emma Gaudiano wurden aus Neopren geschaffen, wodurch die Allegorien fast skulptural wirken. Das Ensemble trägt dagegen schlichte, weich fallende Kostüme.
Setzt du außer dem Lichtdesign noch weitere Projektionselemente ein, um den Jahreszeitenzyklus sichtbar zu machen?
Alboresi:Ja. Hinter dem weißen Projektionsraum schaffe ich einen zusätzlichen Raum einen Ort der Kunst und Natur. Er wirkt wie ein begehbares Gemälde, ein Sehnsuchtsort.
Das Interview führte Renate Liedke, Pressesprecherin am Theater Nordhausen. Die Premiere ist bereits ausverkauft. Weitere Vorstellungen: 14. und 28. März; 12. April; 22. Mai 2026.
Autor: redDie israelische Choreografin Adi Salant hat eigens für diesen Abend das Ballett "Das Glühen" geschaffen. Unter dem kraftvollen Titel widmet sich die international wirkende Künstlerin dem "inneren Licht", jener Energie in uns, die so Salant "unsere Bewegungen, Gefühle und Verbindungen zur Welt antreibt".
Für Ivan Alboresi sind "Die vier Jahreszeiten" der letzte Ballettabend, den er als Ballettdirektor am TN LOS! kreiert, bevor er in der kommenden Saison neue Herausforderungen am Landestheater Detmold annimmt.
Du verwendest für deinen neuen Ballettabend Antonio Vivaldis "Die vier Jahreszeiten", Recomposed by Max Richter, eine wegweisende Neuinterpretation der Barockmusik. Richter nutzte die musikalische DNA von Vivaldi und schuf eine moderne, emotionale Klanglandschaft. Was war dein Beweggrund, diese Musik auszuwählen? Weil die Musik emotionaler ist, moderner, besser fürs Ballett oder weil sie dich einfach mehr anspricht?
Alboresi:Alle diese Gründe treffen zu. Die Musik von Vivaldi ist wunderbar, ich bin als Italiener mit ihr aufgewachsen. Die Bearbeitung von Max Richter legt sich aber wie eine zweite Haut über das Ballett: Sie ist sehr emotional, durch ihre Minimalismen wirkt sie moderner und spricht uns heute direkt an. Sie entspricht auch eher unseren Hörgewohnheiten.
Die Musik von Vivaldi entspricht also eher klassischen Hörgewohnheiten, willst du ganz bewusst auch ein jüngeres Publikum ansprechen?
Alboresi:Mein Anspruch ist, Produktionen zu schaffen, die dem Theater und insbesondere dem Ballett auch neue, jüngere Publikumsschichten erschließen. Das Beste für uns ist natürlich, alle glücklich zu machen. Mein Anspruch ist, dass jeder etwas findet, was ihm gefällt.
Was hat dich dazu inspiriert, Licht als zentrales thematisches Element in deiner Interpretation zu verwenden?
Alboresi:Licht ist für mich generell ein essenzieller Faktor in allen meinen Stücken. Es verleiht jeder Inszenierung Magie. Im Jahreszeitenzyklus beobachten wir, wie sich Tageslicht im Verlauf des Jahres verändert. Wir nutzen diese Wandel-Dynamik als Gestaltungsmittel auf der Bühne nicht durch Helligkeit, sondern durch Farbgebung. Unsere Bühne hat eine rein weiße Grundausstattung, die als Projektionsfläche dient sie reflektiert Erinnerungen, Gedanken und auch den Verlauf der Jahreszeiten.
Was möchtest du erzählen?
Alboresi:Für mich geht es zentral um Beziehungen, konkret um Liebesbeziehungen jedoch nicht im klassischen Sinne einer Liebesgeschichte. Es geht um den Kreislauf einer Beziehung: erste Begegnung, Werden, Wachsen, Entscheiden, vielleicht Verlieren oder Festigen. So ist der Frühling die Phase des Sich-Kennenlernens. Er spiegelt die Leichtigkeit und Verliebtheit, das Gefühl, dass alles möglich ist. Der Sommer steht für Leidenschaft, für Begehren und körperliche Nähe. Im Herbst tauchen in meiner Interpretation die ersten Probleme und Fragen auf. Es ist eine Zeit der ersten Konflikte, eine Zeit, in der die Erwartungen auf die Realität treffen. Erste Blätter fallen. Man nimmt wahr, was die rosarote Brille zuvor verborgen hielt. Es gibt den Wunsch nach Veränderung und erste Machtkämpfe in der Beziehung. Mit dem Winter treten wir in die Stabilisierungsphase. Für mich heißt das entweder Akzeptanz oder Loslassen. Aber auch Vertrauen und inneres zur Ruhe kommen. Ich erzähle die inneren Zustände der Liebe, wie sie sich in übertragenem Sinn in den Jahreszeiten entfalten. Als Brücke zwischen Kunst Natur habe ich vier Allegorien eingeführt. Sie stehen als Metaphern für die Jahreszeiten und interagieren nicht direkt mit dem Ensemble; tänzerisch äußern sie sich völlig anders und unterscheiden sich auch in den Kostümen.
Wie spiegelt sich das in den Kostümen wider?
Alboresi:Die Allegorien erwecken fast den Eindruck von Statuen. Ihre Kostüme sind sehr opulent und künstlerisch aufgewertet. Der Frühling ist überbordend von Blüten, alles scheint aus der Figur heraus zu wachsen, der Sommer steht für die Reflexion der Wärme und den Herbst verbinde ich mit Wind, alles ist in Bewegung. Das Kostüm für den Winter wirkt fast knöchern, die Wirbelsäule ist sichtbar, eisig steif, verfestigt, doch zerbrechlich gleichermaßen. Diese Kostüme von Emma Gaudiano wurden aus Neopren geschaffen, wodurch die Allegorien fast skulptural wirken. Das Ensemble trägt dagegen schlichte, weich fallende Kostüme.
Setzt du außer dem Lichtdesign noch weitere Projektionselemente ein, um den Jahreszeitenzyklus sichtbar zu machen?
Alboresi:Ja. Hinter dem weißen Projektionsraum schaffe ich einen zusätzlichen Raum einen Ort der Kunst und Natur. Er wirkt wie ein begehbares Gemälde, ein Sehnsuchtsort.
Das Interview führte Renate Liedke, Pressesprecherin am Theater Nordhausen. Die Premiere ist bereits ausverkauft. Weitere Vorstellungen: 14. und 28. März; 12. April; 22. Mai 2026.

