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Das Wort zum Wochenende

Vom Zeit-Haben

Freitag, 26. Juni 2026, 10:00 Uhr
Immer zu wenig Zeit, kennen wir alle. Dabei haben wir heute mehr Lebens- und Freizeit als je zuvor. Steckt hinter dem Gefühl der Hetze vielleicht ein Denkfehler? Pfarrerin Theresa Hause hat eine überraschend einfache Perspektive, die nicht mehr Zeit verspricht, aber etwas möglicherweise Wertvolleres...

„Ich hab keine Zeit.“ Das ist sehr oft mein Fazit, wenn ich in den Kalender schaue, auf meine To-Do-Liste und besonders wenn ich dann noch an das denke, was an Vorhaben und Ideen in meinem Hinterkopf herumgeistert. Eigentlich komisch: Denn wir haben heute so viel Lebenszeit und Freizeit wie noch nie. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist doppelt so hoch wie noch vor 150 Jahren. Die Anzahl der Urlaubstage hat sich seitdem sogar verfünffacht. Wir leben länger und können mehr Urlaub machen als jede Generation vor uns.

Trotzdem fühlen wir uns gehetzter denn je und es bleibt oft das Gefühl, kaum Zeit zu haben. Vielleicht unterliegt unser „Ich hab keine Zeit“ einem Denkfehler. Wörtlich verstanden stimmt es auch gar nicht. Ich habe durchaus Zeit. Zeit ist immer da. Sie mag relativ sein, sie mag sich dehnen oder rasen, sie mag knapp oder lang erscheinen. Aber sie ist nicht irgendwann aufgebraucht und alle. Eigentlich gibt es das gar nicht, dass ich keine Zeit habe. (Höchstens am Lebensende.)

Wir haben nur eben nicht immer für alles Zeit. Das ist ja meist das Problem: Wir wollen oder sollen mehr machen, merken aber, dass wir das nicht schaffen. Wir merken, es geht nicht alles auf einmal und sagen „Ich habe keine Zeit“. Das hinterlässt dann das unangenehme Gefühl, versagt zu haben, etwas nicht zu schaffen, irgendwelchen äußeren oder inneren Ansprüchen nicht zu genügen.

Wie wäre es denn, wenn wir mal nicht von uns ausgehen und unserer Zeit, sondern von den Dingen und Ereignissen. Immer, wenn wir drauf und dran sind zu verkünden, dass wir keine Zeit haben, würden wir dann sagen „Alles hat seine Zeit“. Diese Weisheit aus der Bibel würde uns zwar nicht mehr Zeit verschaffen, aber mehr Gelassenheit. Denn dann hängt nicht mehr alles nur an uns. Dann vertrauen wir darauf, dass alles seine eigene Zeit hat und dass die nicht immer jetzt sofort sein muss.

Und statt dem Gefühl des Versagens bleibt hoffentlich ein Gefühl innerer Ruhe. Also, wenn der Alltag oder Urlaub stressig werden und ihr nicht alles schafft, was ihr gern würdet, dann nehmt das so hin. Und sagt euch: „Ich habe Zeit, denn alles hat seine Zeit.“

In diesem Sinne wünsche ich eine gute Sommer-Zeit!
Pfarrerin Theresa Hause
Autor: red

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