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Fr, 15:48 Uhr
22.01.2021
nnz-Forum

TV-Testbild zum Sendeschluss

nnz-Redakteur Olaf Schulze hatte gestern eine Kolumne über das Bildungsfernsehen veröffentlicht. Dazu erreichte die Redaktion ein Leserbrief, der mit einem Rückblick auf das DDR-TV beginnt....


Tom und Peggy hätten wohl blitzschnell aus der Ferne das längst vergessene TV-Testbild vom Sendeschluss ausgelöst, wenn sie das Chaos um Deutschlands Bildung in, vor und mit Corona als Zaungäste verfolgen würden.

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Anders ergeht es den Betroffenen (-innen, m/w/d) in bundesdeutschen Landen. Sie können nicht „abschalten“. Den Eltern werden regelmäßig neue Verordnungen, Erlasse und Ergänzungen zu Erlassen und Verordnungen zugemutet, die sie und ihre Kinder in die Pflicht nehmen, zu Hause Unterricht zu praktizieren. Parallel dazu werden die Lehrer zu Buh-Menschen der Nation degradiert, weil sie sofort auf Fern-Lehrmodus umstellen und gefälligst für jeden ihrer Schüler die perfekte digitale oder analoge Variante für Unterricht aus der Ferne aus dem Hut zaubern sollen.

Über nichtfunktionierende Clouds, nicht vorhanden seiende oder sein könnende Endgeräte, über fehlende methodische Fähigkeiten in der Beschulung innerhalb eines (Mehrkinder-)Haushaltes, über die Verknüpfung des Zuhause-Lehrens mit Heim-Büro und Hausarbeit braucht man gar nicht erst nachzudenken.

Bildungsfernsehen für alle Schüler als Verpflichtung an eine Öffentlich-Rechtliche Sendeanstalt zu übertragen scheint ebenso unmöglich wie eine gesamtdeutsche Strategie in der Pandemiebekämpfung. - Wo leben wir denn? Stattdessen jammern die ÖRs wegen fehlender Einnahmen infolge der verwehrten Gebührenerhöhung, erlassen Landesfürsten immer wieder neue Verordnungen und überlegen, die Nichtversetzung für die nächsten zwei Jahre abzuschaffen. Derweil dümpeln die Lehrer jeder Schule für sich dahin, um irgendwie das Unmögliche möglich zu machen: Unterricht aus der Ferne via Internet oder Zettelwirtschaft. Welchen Kraft-, Nerven- und Zeitaufwand dies erfordert, mag man nur erahnen.

Um auf die Idee des Bildungsfernsehens á la Tom and Peggy zurückzukommen: Wenn schon jedes Bundesland eigene Lehrpläne und Prüfungen erlassen, Schulmodelle erfinden und pflegen kann, jeder seine eigenen Prüfungsinhalte verfasst, jede Schule ihr eigenes Süppchen beim Bezug von Schulbüchern kochen darf, dürfte es für die Sendeanstalten eine besondere Herausforderung werden, ein Sendekonzept zu finden, das die regional so unterschiedlich ausgeprägten Bedürfnisse befriedigen kann.

Denn was Tom und Peggy vielleicht ihren bayerischen Zöglingen schon im 5. Schuljahr vermittelt haben, könnte zum völlig neuen Lernstoff für die brandenburgischen Sechstklässler mutieren. Insofern müssten sie sich in Bayern dann als Tom and Peggy Old vorstellen, während die Brandenburger sie als Tom and Peggy Young kennenlernen. Man kann ihnen nur raten, auf ihrer Insel zu bleiben. Denn Deutschland tut es den Preußen gleich mit Kleinstaaterei und Fürstenherrschaft.

Also bleibt alles beim Alten: Die Öffentlich-Rechtlichen JAMMERN weiter, derweil die Landesfürsten mit neuen Ergänzungen zur Verfügung über die Aussetzung der Präsenzpflicht MACHT demonstrieren und sich die inzwischen ergrauten Eltern/-innen (m/w/d) die Haare RAUFEN, während die Zöglinge weiter unter Kompetenzschwund leiden. Da fällt einem nur noch der Buchtitel von Thilo S. ein.
K. R., der vollständige Name ist der Redaktion bekannt
Anmerkung der Redaktion:
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Kommentare

22.01.2021, 22.33 Uhr
grobschmied56 | Waren die Preußen und die Kleinstaaterei so schlecht?
Die preußische Volksschule, für viele Menschen ist sie sprichwörtlich und abgrundtief schlecht.
Wirklich?
Zu den kleinen Schätzchen, die uns von unseren Vorfahren hinterlassen wurden, zählt ein unscheinbares Schulheft mit persönlichen Erinnerungen eines Ur-Ur-Großvaters.
Der war sein Leben lang in der Landwirtschaft tätig und hatte eine 6-klassige, oder wenn es hoch kam 8-klassige 'preußische' Volksschulbildung.
Das Heftchen ist gefüllt mit krakeliger Sütterlinschrift, für uns heute schwer zu lesen. Hat man den Bogen erst mal raus, stellt man mit Erstaunen fest, daß der Schreiber sich ganz gut auszudrücken wußte, über akzeptable Rechtschreibung und Grammatik und einen ganz ordentlichen Schreibstil verfügte. Die kleine, mickrige preußische Volksschule auf dem Dorfe, die diesem Mann seine Kenntnisse mit auf den Lebensweg gab, die scheint so schlecht gar nicht gewesen zu sein.
Wenn ich mir anschaue, was Schüler in Realschulen oder gar Gymnasien im Jahr 2020 zustande bringen, dann war die alte 'preußische Schule' womöglich sogar ganz gut.

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