nnz-tv Eichsfelder Nachrichten Kyffhäuser Nachrichten Mansfeld-Südharz-Zeitung neue nordäuser zeitung
Fr, 16:18 Uhr
05.03.2021
Thüringer Finanzministerium erklärt sich:

Land Thüringen von Pleite einer Privatbank betroffen

Die Bankenaufsicht (BaFin) hat am Mittwoch die Bremer Greensill Bank mit einem Moratorium belegt und damit alle laufenden Bankgeschäfte eingefroren, begründet durch die drohende Insolvenz des Mutterkonzerns. Thüringen gehört im Rahmen seines Liquiditätsmanagements zum Anlegerkreis der Bank und muss nun um das Geldfürchten...

Anzeige MSO digital
Entsprechend ist der Freistaat betroffen. „Im Rahmen des Liquiditätsmanagements des Landes arbeiten wir mit den liquiden Mitteln, um die durch die EZB auferlegten hohen Gebühren zu vermeiden“, so Finanzministerin Heike Taubert. Der Fokus liegt auf der Vermeidung von Klumpenrisiken durch ausreichende Streuung. Ein echter Zinsgewinn ist mit Anlagen dieser Art nicht verbunden. Dabei legt der Freistaat vorrangig bei öffentlichen Banken sein Geld an. Geldanlagen bei privaten Banken sind aus Gründen der Diversifizierung möglich, aber nur unter sehr strengen Kriterien und in einem kleinen Rahmen.

Eine Bank mit A-Rating mit Sitz in Deutschland sowie entsprechenden Einlagesicherungen für Private entsprach dem Anforderungsprofil des Thüringer Finanzministeriums, wie das bei vielen anderen institutionellen Anlegern bei Greensill der Fall war. Es wurden zwei Termingeldanlagen mit je 25 Millionen Euro mit fester Laufzeit abgeschlossen. Das Finanzministerium geht davon aus, dass die BaFin als Bankenaufsicht anders als bei Wirecard rechtzeitig die Reißleine gezogen hat und damit auch das Geld institutioneller Anleger gesichert ist. Presseberichten zufolge war die Aufsichtsbehörde seit August vergangenen Jahres mit den Zahlen rund um die Greensill Bank AG vertraut. Im Thüringer Finanzministerium werden aktuell rechtliche Schritte geprüft, sollte sich herausstellen, dass die Aufsichtsbehörde in den vergangenen sieben Monaten ungenügend gehandelt hat.

Durch das Moratorium der BaFin besteht aktuell die Chance, dass das noch ausstehende Geld in den nächsten Tagen wieder an den Freistaat zurückfließen könnte. Inwieweit die Liquidität des Bankhauses ausreicht, um die Forderungen aller Anleger sofort zu bedienen, ist nicht bekannt. „Wir werden unsere Forderungen im Interesse des Landes mit allen möglichen Mitteln geltend machen“, so Heike Taubert.

Der aktuelle Haushalt sei zudem von einem möglichen Ausfall nicht betroffen.

Die Finanzministerin will auf Grund der Ereignisse die eigenen Richtlinien zur Geldanlage überarbeiten lassen. Die Rolle der privaten Banken soll noch strenger reflektiert werden.

Durch die alternative Option im gegenwärtigen Liquiditätsmanagement, die finanziellen Mittel einfach „liegen zu lassen“, entstünden jährlich hohe Zinskosten sowie ein inflationsbedingter Wertverlust. Dem Anspruch des wirtschaftlichen Umgangs mit Steuergeld würde hierdurch nur schwerlich Rechnung getragen. Das Thüringer Finanzministerium schätzt die jährlichen Kosten auf rund 15 Millionen Euro.
→ Druckversion
← zum Nachrichtenüberblick

Kommentare

05.03.2021, 17.44 Uhr
Neuer NDHler | Hier sind wohl 50 Millionen weg
Wenn man den Text so liest, sind hier mit hoher Wahrscheinlichkeit 50 Mill. Steuergelder weg.

5   |  3     Login für Vote
05.03.2021, 18.08 Uhr
tannhäuser | Peanuts solche popeligen Verluste!
Wir alle sind Berlin! Pleite, aber sexy!

Das ist erst der Anfang oder kamen jemals Wirtschaftskrisen vom Himmel geschneit wie "Rekordwinter" inmitten der "Klimaerwärmung"?

5   |  3     Login für Vote
05.03.2021, 18.52 Uhr
A-H-S | Einmal mit Profis arbeiten...
Finanzminsiterin Heike Taubert: „Wir werden unsere Forderungen im Interesse des Landes mit allen möglichen Mitteln geltend machen“
-> Im Fachjargon würde man das "Werbung mit Selbstverständlichkeiten" nennen. Dafür gäbe es eine gewerberechtliche Abmahnung wegen unlauteren Wettbewerbs. Es ist ihr grundlegender Job im Interesse des Landes zu handeln.

Davon mal abgesehen: Wie kann man bitte 50 Millionen ins Feuer stellen (und das wird nur die Spitze des Eisbergs sein), um 15 Millionen nicht zahlen zu müssen? Wozu gibt es eigentlich die landeseigene HELEBA? Hat sich irgendjemand im Finanzministerium wieder eingebildet schlauer zu sein als die Profis der landeseigenen Bank?

8   |  2     Login für Vote
06.03.2021, 12.00 Uhr
Sigmund | Siehe an
Das ist wieder ein Beispiel für die Genialität unserer politischen Experten. Aber was sind schon 50 Millionen. Die Frage ist, wer trägt die Verantwortung? Treten die Damen und Herren der Regierung in Haftung. O nein das wäre zu viel verlangt, die armen nagen ja so schon am Hungertuch. Also wird es wie immer, der Steuerzahler dient wieder einmal als Melkkuh.
Schönes Wochenende.

9   |  1     Login für Vote
→ Kommentar hinzufügen



Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.

Anzeige MSO digital
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.