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Mi, 13:58 Uhr
09.03.2022
KKH: Vor allem Jüngere betroffen

Immer mehr Menschen geraten in eine Angstspirale

Jeder Mensch kennt Ängste – ob vor dem Verlust nahestehender Menschen, vor Einsamkeit, einer COVID-19-Infektion oder aktuell einem Krieg. Ängste sind überlebenswichtig, da sie uns warnen und vor Gefahren schützen...

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Doch bei immer mehr Menschen machen sich Sorgen in der Form breit, dass sie entgleisen und das Leben massiv aus dem Lot bringen. Das zeigen Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse. So nahmen behandlungsbedürftige Angsterkrankungen von 2010 auf 2020 um 39 Prozent zu, bei Männern sogar um 58 Prozent. Auffallend hoch ist der Anstieg bei jungen Menschen: bei den 18- bis 24-Jährigen um 51 Prozent, bei den 12- bis 17-Jährigen sogar um rund 82 Prozent. Das sind alarmierende Zahlen.

Flucht vor Angstauslösern führt in die Sackgasse
Krankhafte Ängste sind neben Depressionen die häufigsten psychischen Erkrankungen. „Betroffene haben übersteigerte Furcht vor bestimmten Situationen, Personen oder Gegenständen, die für ihre Mitmenschen normal und nicht bedrohlich sind. Ihre Sorgen bestimmen das Denken, Fühlen und Handeln dauerhaft und nehmen ihr Leben in den Klammergriff“, beschreibt Dr. Aileen Könitz, Ärztin und Expertin für psychiatrische Fragen bei der KKH. „Betroffene fühlen sich ohnmächtig und hilflos. Aus Furcht vor Panik und Kontrollverlust meiden sie die Angstauslöser, ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück und vereinsamen.“ Doch die Flucht – sei es durch Unterdrücken der Gefühle oder deren Betäubung mit Alkohol oder Beruhigungstabletten – führt in die Sackgasse. Denn unbegründete Ängste können chronisch werden und zu Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Sucht führen. Probleme mit Partner, Familie, Freunden und im Berufsleben sind vorprogrammiert.

Wie sich Krieg und andere Krisen auf Angststörungen auswirken können
Seit mehr als zwei Jahren bestimmt vor allem ein Thema unser Leben: Corona. Aktuell ist es nur noch ein Randthema. Denn in Europa herrscht Krieg, der seit Tagen unsägliches Leid in der Ukraine verursacht. Wer entwickelt da – auch außerhalb des Krisengebietes – keine Ängste? „Für Menschen mit einer Angsterkrankung können solche Ereignisse wie ein Brandbeschleuniger wirken und ihr eh aus dem Gleichgewicht geratenes Leben zusätzlich psychisch destabilisieren“, so die Expertin. Symptome krankhafter Angst wie Atemnot, Herzrasen, Zittern, Übelkeit, Erbrechen bis hin zu Todesängsten können verstärkt auftreten.

Zu den Ursachen von Angststörungen zählen belastende Ereignisse wie Gewalt, Scheidung oder finanzielle Sorgen, aber auch Stress sowie eine genetische Veranlagung. Auch eine bestehende Erkrankung von Herz oder Lunge oder eine Depression können Auslöser sein. „Bei jungen Menschen befördern Zukunftsängste wie aktuell durch den Krieg in Osteuropa, aber auch den Klimawandel die Entwicklung einer Angsterkrankung, ferner der Konsum sozialer Medien und damit verbundener Risiken wie Cybermobbing und Mediensucht“, erklärt Aileen Könitz. „Über alle Altersgruppen hinweg dürften die Globalisierung und Digitalisierung und der damit verbundene Wandel sozialen Miteinanders sowie existenzielle Risiken Angststörungen forcieren.“

Raus aus der Angstspirale – aber wie?
Betroffene gehen häufig wegen der körperlichen Symptome wie Atemnot, Schwindel oder Magen-Darm-Problemen zu ihrem Hausarzt. Häufig verschweigen sie dabei Gefühle wie Ohnmacht, Kontrollverlust und Panik aus Scham und Sorge, als labil und nicht leistungsfähig zu gelten. Daher werden Angsterkrankungen oft spät oder gar nicht erkannt. „Es braucht Mut, sich seine Ängste einzugestehen und darüber zu sprechen“, weiß Könitz. „Doch genau das ist der erste entscheidende Schritt, um seine Erkrankung in den Griff zu bekommen. Denn niemand ist seinen Ängsten hilflos ausgeliefert.“ In der Regel überweist der Hausarzt an einen Psychotherapeuten oder Psychiater. Angsterkrankungen sind heute gut behandelbar – mit psychotherapeutischen Maßnahmen und/oder medikamentös.

Übersteigerte Ängste haben viele Gesichter
Angststörungen sind vielfältig und bei Betroffenen individuell ausgeprägt. Während die KKH bei Phobien von 2010 auf 2020 ein Plus von rund 14 Prozent verzeichnet, nahmen Panikstörungen und generalisierte Angststörungen um gut 46 Prozent zu. Bei Phobien entwickeln Menschen Ängste vor eigentlich ungefährlichen Situationen, Personen oder Gegenständen. In der Folge umgehen sie diese oder flüchten davor. Bei der Agoraphobie beispielsweise versetzen Fahrten mit Bus oder Bahn, der Einkauf im Supermarkt oder größere Menschenansammlungen Patienten in Angst und Schrecken. Bei der sozialen Phobie hingegen haben Betroffene Angst, von anderen kritisiert zu werden und sich zu blamieren. In der Folge fürchten sie sich davor, Menschen zu begegnen, in größerer Runde zu sprechen oder Amtsgänge zu erledigen. Auch die Angst vorm Fliegen, vor engen Räumen, Spritzen oder Blut sind Formen von Phobien. Bei der Panikstörung überkommen Patienten von jetzt auf gleich Panikattacken, ausgelöst durch bestimmte Situationen oder Dinge. Sie können sich bis zu Todesängsten steigern. Bei der generalisierten Angststörung leiden Patienten unter ständigen, unkontrollierbaren Sorgen vor Unglücken wie einem Unfall oder einer schweren Krankheit, die eventuell eintreten könnten.
Autor: red

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Kommentare
roni
09.03.2022, 14:13 Uhr
Schlimm
und das wundert mich überhaupt nicht.... die Medien leisten da volle Arbeit.... bester Schutz vor Angst ist.... keine Nachrichten verfolgen.....

Den Menschen geht die komplette Lebensfreude abhanden...Angsstörungen sind die logische Folge.....
Echter-Nordhaeuser
09.03.2022, 14:44 Uhr
"Menschen geraten in eine Angstspirale"
Ja wenn man an die Tankstelle fährt und sieht die Preise kann schon eine Panikattacke bekommen. Für Leute die tägliche zur Arbeit fahren müssen da wird sich manch einer schon Fragen ob sich arbeiten noch lohnt.
Im Moment geht man nur noch arbeiten um zu überleben und nicht zum Leben.
Das macht Angst.
Audio
09.03.2022, 16:35 Uhr
roni, Sie haben vollkommen recht !
Für die Verbreitung von Angst und Schrecken im Zusammenhang mit dem aktuellen Kriegsgeschehen sind die Medien - allen voran das Fernsehen, schuld. Es grenzt schon an Perversion, wie die "Top-Informationen" aufgebauscht werden. Von sachlicher Berichterstattung ist bei den meisten Sendern nichts zu spüren. Sie überbieten sich mit Sensationsbildern, unsachlichen Darstellungen und angsterzeugenden Meldungen. Da werden dutzendmal Aufnahmen von Granateinschlägen in Wohnhäusern, im Kiewer Fernsehturm usw. gezeigt, dazwischende weinende Frauen und Kinder immer und immer wieder eingeblendet. Dazu die heuchlerischen, mitleidheischenden Visagen der Kommentatoren. Mir ist absolut klar: hier geht es vorwiegend um Einschaltquoten ! Dass damit die Angst bei vielen Zuschauern geschürt und gefördert wird, ist den herzlosen Sensationsproduzenten völlig egal.
Ohne Zweifel ist der Krieg Putins in Europa ganz schrecklich, und ich habe mit den unmittelbar betroffenen Menschen großes Mitleid, aber dass dieses schlimme Ereignis von gewissenlosen Medien schamlos und um des Profites willen ausgenutzt wird, finde ich gerade für Deutschland, im Hinblick auf seine Vergangenheit, gewissenlos und pervers.
Mein Rat an meine Mitbürger: meidet die Medien, so gut es geht, sucht Ablenkung in der Natur oder durch Hobbys. Und schützt eure Kinder vor falschen Informationen !
geloescht.20250302
10.03.2022, 16:15 Uhr
Angstspirale?
Wird auf zweierlei Arten sichtbar:

Straftäter sind traumatisiert oder sonstwie psychisch gestört und deshalb schuldunfähig. Aber Angst vor kriminellen Mitmenschen muss doch niemand haben. Einzelfälle schaffen doch kein Gesamtbild, oder?

Angst vor dem ungeimpften Mitmenschen. Dass die Impfung und das Boostern nicht geschützt hat...Da ist der Nachbar schuld, der ohne Maske im Treppenhaus oder bei den Einkaufswagen vor dem Supermarkt angetroffen wird. Da wird aus einzelnen Menschen plötzlich ein bekämpfungswürdiger Mob.

So hat jede totalitäre Gesellschaft ihre Bürger gefügig gemacht und in Angst gehalten.

Aber nicht vor Orwells "Großem Bruder" namens "Gleichschaltung". Sondern die Ratte hat Angst davor, dass die im Freien ohne Maske spazierengehende Maus plötzlich aus Frust zum Löwen mutiert.
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