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So, 15:07 Uhr
13.03.2022
Einsamer Protest eines verzweifelten Arbeiters

Opa Ralle sitzt am Rathausplatz

Während am Samstagnachmittag in der Bad Langensalzaer Altstadt die ersten Touristen vor den Cafés sitzen und die Vorfrühlingssonne genießen, hat „Opa Ralle“, wie er sich selbst nennt, auf einem Fensterbrett Stellung bezogen in stillem Protest. Er hofft darauf, mit Passanten ins Gespräch zu kommen …

Opa Ralle sitzt am Rathausplatz (Foto: oas) Opa Ralle sitzt am Rathausplatz (Foto: oas)

Sein Transparent, das er etwas steif in die Welt reckt, soll zum Innehalten und Nachdenken provozieren. Ralles Frage, ob er als Deutscher stolz darauf sein könne, bezieht sich nicht auf eventuelle politische oder parteiliche Positionen und den Begriff „Super“ wendet er äußerst doppeldeutig an. Ihm geht es ganz konkret um ein Problem, das für ihn existenzbedrohend wird: die Kraftsstoffpreise für seinen fahrbaren Untersatz. Und er empfindet nichts von dem als „super“, was sich diesbezüglich in den letzten Wochen entwickelt hat.

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Fünfmal pro Woche fährt der 58-Jährige mit seinem Auto von Bad Langensalza zur Arbeit nach Erfurt, wo er als Produktionsarbeiter am Band eines technischen Betriebes steht. Er habe sich schon vorsorglich ein Hybrid-Modell zugelegt, in dem der Verbrennungsmotor mit einem Elektroantrieb kombiniert ist, erzählt er bereitwillig. Trotzdem müsse er 400 Kilometer wöchentlich zur Arbeit fahren und bei den neuen, ständig weiter steigenden Preisen an der Tankstelle, wisse er nicht mehr, wie er das zukünftig noch bezahlen solle. Seine bisherigen Kosten wurden in den letzten Tagen an den Zapfsäulen der Republik verdoppelt und er werde nun fast 300 Euro pro Monat nur für den Arbeitsweg verbrauchen. Nach Abzug von Miete und anderen Lebenshaltungskosten bleibe ihm von seinen knapp 1 600 Euro Gehalt so gut wie nichts übrig, rechnet Ralle vor.

Darüber müsse man doch reden und nachdenken, wie das weitergehen solle, meint er. Sein Vorschlag ist es, dass sein Chef in der Erfurter Fabrik einen Teil der Mehrkosten abfedern könne. Gesprochen hat er mit dem Boss darüber aber noch nicht, räumt er ein. Und ganz sicher würde sein Arbeitgeber ihm dabei erklären müssen, dass er an der Preistreiberei nicht beteiligt sei und ganz im Gegenteil selbst mit gestiegenen Kosten zu kämpfen habe.

Helfen kann Opa Ralle wohl nur eine kluge Diplomatie der Weltstaatengemeinschaft, die den Krieg in der Ukraine möglichst bald zu beenden vermag sowie eine Bundesregierung in Berlin, die Maßnahmen ergreift, eine eskalierende Preisspirale nicht nur im Kraftstoffsegment durch gezielte staatliche Eingriffe abzustellen. Andernfalls könnte Opa Ralle schnell Gesellschaft bekommen, wenn er am Samstagnachmittag auf seine Situation aufmerksam macht.
Olaf Schulze
Autor: osch

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