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Mo, 14:05 Uhr
21.11.2022
Ein DDR-Amateurmusiker erinnert sich

Und plötzlich war alles anders!

In unserer schnelllebigen Zeit gehen Erinnerungen oftmals verloren oder werden als uninteressant "ad acta" gelegt. Auf jeden von uns prasseln täglich unzählige Informationen herab, so dass wir manchmal nicht mehr wissen, was es ist, das unser Leben ausmacht. Wir haben mit einem Menschen gesprochen, der seine Vergangenheit lebendig halten möchte...

Andre´Bauer  mit seinem Buch "Dreams behind the Wall" beschreibt seine Erlebnisse als DDR-Amateurmusiker (Foto: Privat) Andre´Bauer mit seinem Buch "Dreams behind the Wall" beschreibt seine Erlebnisse als DDR-Amateurmusiker (Foto: Privat)


Vor Kurzem erzählte uns einer unserer Leser von seinem Leben in der DDR und den Wunsch, dass sein Werdegang nicht in Vergessenheit gerät. André Bauer, ein ehemaliger DDR-Amateurmusiker hat sich mit einer unserer Redakteurinnen „online getroffen".

Andrè Bauer wurde 1968 in Thüringen, in der Kleinstadt Apolda geboren. Sein damaliger Traum war es, dem Kleinstadtmief zu entfliehen und Sänger in einer Rockband zu werden. Musik hatte er schon immer im Blut und das wollte er der ganzen Welt beweisen. Doch eine Band zu gründen war damals für einen DDR-Musiker nicht ganz so einfach.

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In der DDR landete jemand mit einer einigermaßen guten Stimme erst einmal im Pionierchor und später dann in den FDJ-Singeclubs. Dort wurden sozialistische und kommunistische Lieder verbreitet, die nicht gerade zu dem Traum, ein Rockmusiker zu werden, passten. Den Singeclub besuchte André Bauer mit seinem Freund Rüdiger Tischoff.

Begehrte Platten, wie die Freunde sie mochten, waren in der DDR nicht ohne Weiteres zu bekommen, deshalb schnitt Bauer die aktuellen Hits aus dem Westradio auf Kassette mit.

Wer eine Band gründen wollte hatte einige Hürden zu überwinden. „Ohne Beziehungen ging gar nichts. Zuerst mussten spezielle Einstufungen für Musiker durchlaufen werden. Von der Grund- bis zur Oberstufe war es ein langer Weg. Die Oberstufe berechtigte eine Band Konzerte zu geben oder sogar einen Berufsausweis zu erhalten. Entschieden wurde dies von SED-Bonzen des Kulturkabinetts. Auch die Beschaffung von Technik und Instrumenten sowie die Planung von A nach B zu kommen, war schwierig", beschreibt André Bauer.

In den frühen 1980er Jahren gründete Rüdiger Tischoff die Band „The Fans" und nahm André Bauer als Bandsänger auf. Aus dieser Konstellation entstand die Band „Sisyphus".

Im Laufe der 1980er Jahre wurde André Bauer Frontmann der Band Sisyphus und VAMP. Die junge Coverband versuchte sich neben unzähligen Amateur- und Profibands zu behaupten. Mit ungebrochenem Optimismus spielten die Musiker in Kultureinrichtungen und Studentenclubs, manchmal auch an total verdreckten Orten mit mickerigen Gagen und schlechter Verpflegung.

„Wir rockten uns durch die Nächte, ertrugen Schikanen von Funktionären, trafen auf jede Menge Groupies und erhofften uns den großen Durchbruch als Rockband, der leider ausblieb. Enttäuschung und Hoffnung bestimmten zeitweise unser Leben", erzählt der Musiker. „Trotz allem war es eine aufregende und tolle Zeit. Wir konnten uns ausprobieren, Menschen und Orte kennenlernen und genossen eine gewisse Freiheit."

Als im Jahr 1990 die Wende und damit der Zusammenbruch der DDR kam, verschwand auch der subventionierte DDR-Kulturbetrieb. Dies bedeutete nicht nur das Aus für Bauers Band und seine Träume, sondern auch das Ende für weitere tausende Amateurbands.

Nach einer Zeit der Orientierungslosigkeit lernte Bauer, der sein Abitur abgeschlossen hat, den Beruf des Hotelfachmanns und organisierte Veranstaltungen für Musiker und Bands. Nach und nach reifte in ihm der Gedanke, seine Erlebnisse aufzuschreiben und im Eigenverlag zu veröffentlichen.

Er möchte seine Zeit als Musiker auf keinen Fall missen. Für sich, aber auch für die spätgeborenen Ostrockfans, hat er seine Erlebnisse in seinem Buch: „The Dream behind the Wall" verewigt. Das Buch ist eine Zeitreise in eine fast vergessene Kulturwelt mit vielen interessanten Bilddokumenten aus einer untergegangenen Epoche.

"Mein Buch steht für alle DDR-Amateurmusikerinnen und -musiker, die mit ungebrochenem Optimismus für ihre Sache gekämpft haben und von einem Moment zum anderen in ein neues Leben katapultiert wurden."

"Mein Leben in der DDR sehe ich nicht nostalgisch verklärt, aber ich blicke auf eine für mich sehr schöne Zeit zurück, die mein Leben bereichert und geprägt hat", resümiert Bauer abschließend.
Eva Maria Wiegand




André Bauer mit 21 Jahren (Foto: privat)
Autor: emw

Kommentare
Marionade
21.11.2022, 17.35 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Anm. d. Red.: Gehört nicht zum Thema
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