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So, 10:40 Uhr
05.11.2023
Sonderausstellung im "Haus der Spuren"

"Es geht mir gut!"

Ganz bewusst hat der Historiker und Vereinsvorsitzende von „Spuren“, Michael Luick-Thrams, für die Eröffnung der neuen Sonderausstellung mit persönlichen Exponaten deutscher Wehrmachtssoldaten im Bad Langensalzaer „Haus der Spuren“ den 9. November gewählt. Dieses Datum prägte in mehreren Epochen nachhaltig die deutsche Geschichte

Vor 34 Jahren fiel die Berliner Mauer am 9.November, im Jahre 1938 wüteten die Nazis in der Reichspogromnacht, fünfzehn Jahre davor schlug der Hitlerputsch fehl und schließlich ist das Datum auch mit der Novemberrevolution 1918 verbunden sowie mit dem Scheitern der Märzrevolution im Jahre 1848.

Handverzierte Kochgeschirre deutscher Wehrmachtssoldaten an der front  (Foto: Eva Maria Wiegand) Handverzierte Kochgeschirre deutscher Wehrmachtssoldaten an der front (Foto: Eva Maria Wiegand)

Der Verein „Spuren“ in Bad Langensalza forscht seit vielen Jahren zur Geschichte der Region und vor allem zu den Geschichten der Menschen, die dahinterstehen. Mit persönlichen Erinnerungen und schriftlich nachgelassenen Beiträgen formen die Mitglieder und freiwilligen Hobbyhistoriker ein Bild des bewegten 20. Jahrhunderts in Thüringen und darüber hinaus. Federführend dabei ist der Amerikaner Michael Luick-Thrams, dessen Vorfahren aus Thüringen stammten und schon vor Jahrhunderten auswanderten. Er kam 1993 nach Deutschland an die Humboldt-Universität, lebte in Berlin, Dresden, Ostrava und Erfurt, wo er an den Universitäten als Dozent unterrichtete. Schon 2001 gründete er in den USA seinen Verein „Traces“, dessen deutscher Ableger „Spuren“ nun seit 2011 aktiv ist und in Langensalza sein Domizil im Haus Unterm Berge 24 gefunden hat. Hier wirkt der Verein kreativ und produktiv, beschäftigte im Laufe der letzten drei Jahre 60 junge Menschen aus aller Welt, die intensiv zur Geschichtsaufarbeitung beitrugen. Auf professionell gestalteten Schautafeln gibt das „Haus der Spuren“ wissenschaftlich erarbeitete Zeugnisse Langensalzaer, Thüringer, aber auch US-amerikanischer Geschichte.

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Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind Luick-Thrams Hauptbetätigungsfeld und die Zeit des 2. Weltkrieges und der Nazidiktatur die vordergründig bestimmende. Die Schicksale farbiger Deutscher, deutscher Juden sowie amerikanischer Kriegsgefangener hier und deutscher Kriegsgefangener in den USA sind Themen der Dauerausstellung, die nun ab kommendem Donnerstag durch die Sonderschau „Das Feldgeschirr - Es geht mir gut!“ ergänzt wird. Eine Exposition, die Leihgaben des Langensalzaers Andreas Frank zeigt, der individuell gestaltete Kochgeschirre, Gürtelverschlüsse und ähnliche Assecoires deutscher Wehrmachtssoldaten sammelt und von Flohmärkten, Haushaltsauflösungen oder per Inseraten zusammengetragen hat.

Michael Luick-Thrams, Historiker und Begründer des Vereins "Spuren", der in Bad Langensalza ein "Haus der Spuren" betreibt (Foto: Eva Maria Wiegand) Michael Luick-Thrams, Historiker und Begründer des Vereins "Spuren", der in Bad Langensalza ein "Haus der Spuren" betreibt (Foto: Eva Maria Wiegand)

Michael Luick-Thrams präsentiert dann auch erstmals die bisher unerzählte Geschichte des KZ-Außenlagers in Berga bei Gera, wo die Nazis im krassen Widerspruch zu den Genfer Konventionen amerikanische Kriegsgefangene unter unmenschlichen Bedingungen wie Sklaven hielten und für sich arbeiten ließen. Der amerikanischen Historiker mit deutschem Pass betont immer wieder, dass es ihm niemals um Militärhistorie geht bei seinen Forschungen, sondern immer um den Anti-Kriegs-Effekt und die Frage, was mit den Menschen in solch rohen Zeiten geschieht. An Themen mangelt es seinem Verein weiterhin nicht. Jeden Donnerstag treffen sich Interessierte im Haus zum „Global Salon“, in dem verschiedene Themen deutsch-amerikanischer oder anderer internationaler Beziehungen und Ereignisse besprochen werden.

Unterm Berge 24 beherbergt beeindruckende Exponate und faszinierende Geschichten  (Foto: Eva Maria Wiegand) Unterm Berge 24 beherbergt beeindruckende Exponate und faszinierende Geschichten (Foto: Eva Maria Wiegand)

Und der Verein „Spuren“ spricht und forscht nicht nur zu Vertreibung, Flucht und Migration, sondern handelt und hilft auch konkret. So sind seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine in einem Haus in der Stadt bereits 48 Geflüchtete aufgenommen und erstversorgt worden. Neun von ihnen sind derzeit noch in Bad Langensalza. Am kommenden Donnerstag, 9. November um 19 Uhr, wird das „Haus der Spuren“ seine Tür für alle öffnen und die geschichtswissenschaftliche Arbeit der letzten Jahre frei zugänglich machen. Die Veranstaltung soll im Rahmen eines kleinen Festes stattfinden und alle Interessenten sind herzlich eingeladen.
Olaf Schulze

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Autor: osch

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