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Sa, 12:30 Uhr
18.05.2024
Wahl zum Bürgermeister der Stadt Bad Langensalza

Bürgermeister Matthias Reinz im uhz-Interview

In der uhz online sollen kurz vor der Bürgermeisterwahl am nächsten Sonntag noch einmal beide Rivalen zu Wort kommen und auf die gleichen Fragen antworten können. Heute stellt sich der amtierende Bürgermeister Matthias Reinz den zehn Fragen

Seit 2018 leitet Matthias Reinz als Bürgermeister die Stadtverwaltung in Bad Langensalza und möchte dies auch in den nächsten sechs Jahren tun (Foto: emw) Seit 2018 leitet Matthias Reinz als Bürgermeister die Stadtverwaltung in Bad Langensalza und möchte dies auch in den nächsten sechs Jahren tun (Foto: emw)


uhz online: Was ist das Beste an Bad Langensalza?
Matthias Reinz:
Betritt man die Innenstadt, wird man sofort von dem historischen Charme eingehüllt. Die malerischen Gassen, die alten Fachwerkhäuser und die gut erhaltene Altstadt versetzen einen direkt in vergangene Zeiten. Aber es ist nicht nur die Architektur, die Bad Langensalza so besonders macht. Hier scheint die Zeit langsamer zu vergehen und man kann wirklich abschalten und zur Ruhe kommen. Es ist wie ein Kurzurlaub für die Seele.

Ein weiterer Aspekt, der Bad Langensalza so einzigartig macht, ist, dass es überall in der Stadt eine Fülle von Blumen und Pflanzen gibt. Besonders im Frühling und Sommer verwandelt sich die Stadt in ein wahres Pflanzen- und Blütenmeer. Es bereitet mir jeden Tag aufs Neue Freude, durch die Straßen zu schlendern und unsere grüne Stadt zu bewundern.
Aber das Beste an Bad Langensalza sind meiner Meinung nach die Menschen, die hier leben. Die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt zeichnen sich durch ihr hohes Maß an ehrenamtlichem Engagement aus. Ob in Sportvereinen, Verbänden, Beiräten oder als Helfer bei der Tafel, die Menschen hier setzen sich jeden Tag für ihre Stadt ein und machen sie zu etwas ganz Besonderem. Das herzliche Miteinander, welches ich in den vergangenen sechs Jahren erfahren durfte, machen Bad Langensalza zu einem Ort, an dem man sich wirklich zuhause fühlt.

Was ist das Verbesserungswürdigste in Bad Langensalza?
Es gibt zweifellos Bereiche, die unsere Aufmerksamkeit erfordern, sei es die Sanierung einiger Straßen oder andere infrastrukturelle Aspekte.
Wir müssen bestrebt sein, mit neuen Projekten und Sanierungen die Stadt stetig zu verbessern und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass die Erhaltung des bereits Geschaffenen von höchster Bedeutung ist. Nur so können wir sicherstellen, dass Bad Langensalza unsere Stadt bleibt, in der wir gerne leben und uns wohlfühlen.

Es ist unbestreitbar, dass Bad Langensalza eine wunderschöne Stadt ist, die viele Besucherinnen und Besucher beeindruckt. Diese Schönheit und die vielen positiven Aspekte unserer Stadt dürfen bei allen Verbesserungsvorschlägen nicht außer Acht gelassen werden. Wir müssen einen ausgewogenen Ansatz verfolgen, der sowohl die Weiterentwicklung als auch die Bewahrung unserer Wahrzeichen berücksichtigt.
Auch im Bereich der Jugend müssen wir besser werden. Es ist unerlässlich, dass wir den Jugendlichen angemessene Räume bieten, in denen sie sich treffen und soziale Kontakte knüpfen können. Die Arbeit von Vereinen wie dem Zwiwel e.V. ist dabei herausragend und verdient Anerkennung. Dennoch müssen auch wir als Stadt unsere Bemühungen verstärken, um den Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht zu werden und sie hier langfristig an die Stadt zu binden. Mit der Gründung des Jugendparlaments haben wir es bereits geschafft, der Jugend in Bad Langensalza eine Stimme zu geben. Das war auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

Wir müssen Plätze schaffen, die den Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich ungestört zu treffen und sich entfalten zu können. Dabei ist es wichtig, ihre Ideen und Wünsche ernst zu nehmen und bewusst mit in die Planung einzubeziehen

Welche ist die erste Maßnahme, die Sie nach Ihrer Wahl zum Bürgermeister umsetzen möchten?
Ich freue mich natürlich erst einmal im Falle einer Wiederwahl, dass ich dieses ehrwürdige Amt auch in den kommenden sechs Jahren innehaben darf und erneut das Vertrauen von den Bürgerinnen und Bürgern bekommen habe.

Vor uns liegen große Aufgaben, die es zu bewältigen gibt, insbesondere das Haushaltssicherungskonzept wird in der kommenden Zeit einen sehr hohen Stellenwert bekommen müssen. Dieser Herausforderung möchte ich mich mit aller Kraft stellen. Wir haben zahlreiche Projekte, die noch in den Kinderschuhen stecken, diese möchte ich gerne weiterverfolgen und zu Ende bringen, sei es im Bereich der Digitalisierung, dem Leerstandsmanagement oder der Weiterführung und Beendigung von Bauprojekten wie beispielsweise dem Areal um das Kultur- und Kongresszentrum. Ich habe noch viele Ideen und Vorstellungen, was wir in Bad Langensalza noch erreichen können, jedoch geht es in den kommenden Jahren zunächst erst einmal darum, das Geschaffene zu erhalten und zu bewahren. Das wird vorrangig in den nächsten Jahren mein große Aufgabe.

Was sind Ihre drei wichtigsten Säulen der Stadtentwicklung in den nächsten Jahren?
1. Wirtschaft stärken: Ansiedlung von neuen Firmen und Bestandspflege der bestehenden Firmen, damit Arbeitsplätze sowohl erhalten, als auch neu geschaffen werden

2. Ausbau und Etablierung des Tourismus- und Kurortstatus der Stadt Bad Langensalza, Tourismus fördern, um einheimische Dienstleistungswirtschaft zu stärken. Bestehende touristische Anziehungspunkte und Einrichtungen, wie beispielsweise der Botanische Garten mit seinem Tretbecken können auch von den Einheimischen genutzt werden und sorgen dafür, dass Bad Langensalza so lebens- und liebenswert ist und bleibt.

3. Stadtsanierung, vorzugsweise mit Fördermitteln, Bereitstellung von geeigneten Wohnbauland und differenzierten Wohnformen, sowie dem Einsatz von Mitteln der Dorferneuerung in den Ortsteilen.

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Der städtische Haushalt ist in Schieflage geraten. In welchen drei Bereichen sehen Sie die größten Einsparpotentiale?
Wir stehen als Stadt vor einer großen finanziellen Herausforderung. Im Zuge einer innerbetrieblichen Umstrukturierung unseres langjährigen Hauptgewerbesteuerzahlers haben wir rückwirkend ab 2023 einen Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen von jährlich 3 Millionen Euro zu verkraften. Diese beträchtliche Summe können wir nicht einfach aus einzelnen Bereichen heraus kompensieren. Es bedarf daher einer umfassenderen Strategie, um unsere Haushaltslage zu stabilisieren. Der städtische Haushalt ist so kleinteilig, dass man keine drei Bereiche nennen könnte, wo es ansatzweise machbar wäre, überhaupt solche Summen einzusparen.

Wir werden nach dem entsprechenden Stadtratsbeschluss eine Steuerungsgruppe bilden, die sich mit Ideen und Lösungsvorschlägen bei der Erstellung eines Haushaltssicherungskonzeptes einbringen wird.

In der Zwischenzeit ist es entscheidend, dass alle relevanten Akteure die Verwaltung, Stadtratsmitglieder und ich als Bürgermeister unsere Verantwortung ernst nehmen und konstruktiv zusammenarbeiten, um Lösungen zu entwickeln. Dies erfordert möglicherweise schwierige Entscheidungen und auch Liebgewonnenes muss auf den Prüfstand gestellt werden, aber es ist ein unumgänglicher Schritt, um wieder langfristige Stabilität für die Stadt zu gewährleisten und die schwierige finanzielle Situation zu überwinden. Trotz unserer Bemühungen muss jedoch klar und deutlich gesagt werden, dass wir das Haushaltsloch allein mit Einsparungen nicht stopfen können. Hier hoffe ich auch auf die Unterstützung des Landes. Voraussichtlich ab 2027 wird eine Anpassung über das Berechnungssystem des kommunalen Finanzausgleichs erfolgen, was uns hoffentlich wieder auf finanziell feste Füße stellen wird. Bis dahin ist es jedoch wichtig, dass wir zusammenhalten und gemeinsam Lösungen entwickeln.

Was ist zukünftig nötig, um neue Industrie- und Gewerbeansiedlungen für Bad Langensalza zu generieren?
Die Generierung von Industrie- und Gewerbeansiedlungen setzt zwingend voraus, dass wir geeignete Flächen für die Unternehmer bereitstellen. Dafür benötigen wir unbedingt die großflächige Erschließung der Industriegroßfläche Nord und weiterer geeigneter Gewerbegrundstücke.

Wir haben hier innovative Firmen ansässig, dafür bin ich sehr dankbar. Borbet und die Firma RSP haben erst kürzlich bekanntgegeben, Flächen zur Erweiterung ihrer Werke erwerben zu wollen. Das ist ein klares Signal an den Wirtschaftsstandort Bad Langensalza. Ich möchte aber an dieser Stelle auch betonen, dass es mir nicht nur um Neuansiedlungen geht, sondern wir uns auch auf die bestehenden Unternehmen konzentrieren müssen. Auch diesen muss unsere vollste Unterstützung gelten.

Sind die derzeitigen Maßnahmen der Stadtverwaltung und der Kur- und Tourismus GmbH ausreichend, um den Tourismus in der Stadt zu steigern?
Wir haben in Bad Langensalza das Glück eine Vielzahl von Anziehungspunkten für Touristinnen und Touristen zu haben. Mit den Gärten, dem Baumkronenpfad, der Rumpelburg und der malerischen Gegend sind wir weit über die Region hinaus bekannt und bieten ideale Voraussetzungen für Urlaube und Tagesbesuche.

Mit der neu sanierten Therme haben wir ein weiteres Aushängeschild geschaffen, was Potential hat, Besucherinnen und Besucher nach Bad Langensalza zu locken. Was ich damit sagen will ist, dass Bad Langensalza so viele Gründe hat, die Stadt zu besuchen. Solch ein Potential nach außen hin zu vermarkten bedarf zahlreicher Akteure mit kreativen Ideen und Visionen, die diese dann gemeinsam bündeln und umsetzen. In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, dem Citymanagement und der KTL haben wir starke Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gerne und mit Leidenschaft für unsere Stadt arbeiten. Wir arbeiten seit längerer Zeit an einem Leitbild für die Stadt. Dieser Prozess bestand aus zahlreichen Projektschritten, wie beispielsweise die Zukunftswerkstätte, diverse Strategierunden und auch einer Online-Jugendumfrage, in der viele Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen involviert und ihre Ideen eingebracht haben.

Das Leitbild umfasst 8 Handlungsfelder wie Kultur und Tourismus, Wirtschaftsförderung, Energie und Umwelt für die zukunftsorientierte Schwerpunktthemen gesetzt wurden. Mit diesem städtischen Leitbild sollen alle Akteure nach einem festen Leitfaden arbeiten können und Bad Langensalza noch besser nach außen hin vermarkten. Der Prozess war und ist sehr aufwendig, doch ich bin davon überzeugt, dass das Projekt Früchten tragen wird.

Neue große touristische Anziehungspunkte werden in der nächsten Zeit aufgrund der Haushaltslage nicht machbar sein, daher gilt es das was uns bereits auszeichnet intensiver zu vermarkten und auch damit können wir im Vergleich mit Städten gleicher Größe deutlich glänzen.

Wie wollen Sie in Ihrer Amtszeit die Laden-Leerstände in der Innenstadt bekämpfen?
Bad Langensalza hat eine optisch schöne und einladende Innenstadt. Viele Geschäfte haben sich hier über die Jahre etabliert und werden nicht nur von Bürgerinnen und Bürgern gerne besucht, sondern auch von Gästen. Geschäftsaufgaben und Leerstand in der Innenstadt machen aber auch vor Bad Langensalza nicht Halt. Das Internet und Online-Shopping stellen Einzelhändler immer mehr vor große Probleme und Sorgen. Man muss an dieser Stelle auch an Bürgerinnen und Bürger appellieren lokal zu kaufen und die Kaufkraft in der Region zu belassen. Das würde ich mir sehr für den lokalen Handel wünschen. Aber auch wenn ein Objekt leer steht, setzen wir alles daran, dieses Geschäft schnell wieder mit Leben zu füllen. Wir konnten beispielsweise bei Salza-Bike und dem Eiscafé am Neumarkt durch eine gezielte und kreative Leerstandskampagne neue Betreiber finden. Das sind Erfolge, die man an dieser Stelle auch hervorheben muss. Wir als Stadt haben großes Interesse an der Sicherung als Einkaufsstandort und daher ist ein effektives Leerstandsmanagement von großer Bedeutung, um Leerstände zu minimieren und positive Veränderungen zu bewirken. Das Kooperationsprojekt der Leerstandskampagne „KleinstadtPotenzial“ zwischen der Verwaltung, dem Citymanagement und der DSK als Sanierungsträger ist dabei ein hoffnungsvolles Projekt, welches darauf abzielt Leerstände zu identifizieren, Immobilieneigentümer zu unterstützen neue Betreiber zu finden und Konzepte zur Wiederbelebung der leerstehenden Immobilien zu erstellen.

Wichtig ist, dass wir hier aktiv bleiben und unsere Ideen weiterhin einbringen und unsere Stadt nach außen hin weiterhin so gut vermarkten. Wir sind hier auf dem richtigen Weg.

Wenn das Förderzentrum demnächst umzieht, wie möchten Sie als Bürgermeister mit der Immobilie in der Poststraße verfahren?
Derzeit ist die Immobilie in der Poststraße aufgrund des stattfindenden Schulbetriebs im Besitz des Landkreises. Sofern in der Immobilie kein Schulbetrieb mehr stattfindet, fällt das Eigentum wieder auf die Stadt zurück und soll anschließend veräußert werden, damit der Erlös des Verkaufes in den Neubau der Förderschule fließen kann. Das Landratsamt arbeitet derzeit an den benötigten Fördermittelanträgen für den Neubau der Schule. Darüber bin ich sehr dankbar und dies ist dem Engagement zahlreicher Beteiligten zuzuschreiben. Gemeinsam mit dem Landkreis haben wir hier eine gute Lösung für alle Beteiligten gefunden und jetzt hoffe ich, dass die dringend benötigten Fördermittel akquiriert werden können und der Bau starten kann. Mein Ziel war es immer, Bad Langensalza als Schulstandort des Förderschulzentrums zu behalten und dieses Ziel haben wir bis dato erreicht.

Warum sollten die Bad Langensalzaer Sie zum Bürgermeister wählen und nicht Ihren Konkurrenten?
Ich habe und hatte während meiner gesamten bisherigen Amtszeit immer das Wohl der Menschen im Blick. Dabei habe ich nie einen Unterschied gemacht ob Unternehmer, Arbeitnehmer, Rentner oder Bürgergeldempfänger und immer versucht dem Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Dabei war ich immer ehrlich zu den Bürgerinnen und Bürger und habe nie falsche Versprechungen gemacht oder Luftschlösser gebaut. Die kommenden Jahre werden nicht einfach, aber ich möchte mit all meiner Kraft und dem notwendigen Mut die Stadt wieder auf finanziell sichere Füße stellen. Ich möchte wieder Bürgermeister werden, weil ich noch viele Visionen und Ideen für die Stadt habe, die auch umsetzbar sind. Ich lebe und liebe diese Stadt und ich bin unheimlich dankbar für meine bisherige Amtszeit und ich hoffe, dass ich auch am 26. Mai wieder das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger erhalten werde.


Autor: osch

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