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Mi, 20:35 Uhr
06.08.2025
Hiroshima und Nagasaki 1945

Nichts gelernt?

Es ist eine provokante These: Mit ihren Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki vor 80 Jahren sorgten die USA für die bisher wirkungsvollste Abschreckung vor einem Nuklearkrieg. Eine Kolumne von Bodo Schwarzberg...


Hat der weltberühmte Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein mit seinem 1939 geschriebenen Brief an US-Präsident Roosevelt zur Gefahr einer Atombombe in den Händen Hitlers eventuell einen Atomkrieg verhindert?

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In dem Schreiben motivierte er Roosevelt zum Bau einer eigenen Atombombe, da Otto Hahn und seinem Mitarbeiter Fritz Straßmann ein Jahr zuvor im Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut der Nachweis einer Kernspaltung gelungen war. Einstein, der sich damals im US-amerikanischen Exil befand, fürchtete die Anwendung dieses bedeutenden Forschungsergebnisses für den Bau und den Einsatz einer deutschen Kernwaffe.

Nur sieben Jahre später, am 6. und 9. August 1945, detonierten die beiden Atombomben mit den verharmlosenden Namen Little Boy und Fat Man über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki. Der neue US-Präsident Truman wollte damit das bis dahin unbeugsame faschistische Japan zur Kapitulation bewegen. Am 2. September schloss sich das japanische Kaiserreich den Beschlüssen der Potsdamer Erklärung an und beendete den Pazifikkrieg.

Die beiden Atombombenabwürfe forderten insgesamt wohl mehr als 200.000 Menschenleben und setzten damit unter den Zweiten Weltkrieg einen schrecklichen Schlusspunkt.

Seit 1939 wird also mit den Gefahren des militärischen Einsatzes der Kernspaltung Politik gemacht. Als diplomatischer Affront muss es in diesem Zusammenhang anmuten, dass nach dem Tode Roosevelts US-Präsident Truman seinen Angriffsbefehl auf die beiden japanischen Städte ausgerechnet von der Potsdamer Konferenz der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges gab, die vom 17. Juli bis zum 2. August stattfand.

Die wohl verheerendste militärische Einzelaktion des Zweiten Weltkrieges wurde also von einer Konferenz aus befohlen, die den Aufbau ausgerechnet einer friedlichen Nachkriegsordnung in Europa zum Inhalt hatte.

Die weitere Entwicklung ist bekannt: Albert Einstein unterschrieb unter dem Eindruck der Atombombenabwürfe, der späteren Atomwaffentests mit schlimmsten Strahlenschäden und damit des einsetzenden atomaren Wettrüstens der Supermächte 1955 das Russel-Einstein-Manifest, in dem die Physiker vor den dramatischen weltweiten Folgen des Einsatzes von Kernwaffen warnten.

Aber haben all die damals schon bekannten Fakten und Warnungen etwas genützt? Funktioniert die Abschreckung? Ich würde sagen, ja und nein.

Ja, weil es trotz des Kalten Krieges und einer Anhäufung von unfassbaren 60.000 atomaren Sprengköpfen in den 80er Jahren zwischen den östlichen und westlichen Militärbündnissen zu keinem atomaren Armageddon kam. Ja auch, weil die Mächtigen diesen Berg des Schreckens durch Abrüstungsverträge und vertrauensbildende Maßnahmen auf heute „nur“ noch 14.000 Atomsprengköpfe reduzierten. Und auch ja, weil den immer mal wieder ausgesprochenen Atomdrohungen, ob nun von Reagen oder Putin, bisher kein neuer atomarer Einsatz erfolgte.

Nein aber, weil diese 60.000 oder 14.000 Atomsprengköpfe mit dem Potenzial eines mehrfachen Overkills, überhaupt gebaut wurden und weil es immermal wieder ernsthafte Überlegungen zur Führbarkeit eines Atomkrieges gab und wohl auch gibt.

Dieser Größenwahnsinn zeigte sich nicht nur im Bau der 27 Tonnen schweren und 50 Megatonnen Sprengkraft aufweisenden, größten jemals gebauten sowjetischen Wasserstoffbombe, die unter dem Namen Zar-Bombe am 30. Oktober 1961 über der Halbinsel Novaja Semlija detonierte und einen Feuerball von 3,5 Kilometern Durchmesser hervorrief.

Auch im ganz Kleinen dachte man über den Einsatz von Atombömbchen nach, die, wie die amerikanische Davy Crocket, ein einzelner Mann von einer kleinen Rampe, fast wie eine Silvesterrakete, abschießen konnte und die nur eine Sprengkraft von 10 bis 20 Tonnen TNT hatte.

All das kam glücklicherweise nie zum Einsatz. Die Abschreckung hat also in diesem Sinne funktioniert. Sogar 1962 bei der Kubakrise, als die Welt den Atem anhielt und sich im Atlantik sowjetische und amerikanische Marineschiffe gegenüberstanden.

Aber die Abschreckung hat in dem Sinne nicht funktioniert, dass die vor 1989 mühsam ausgehandelten Abrüstungs- und vertrauensbildenen Verträge bis auf den Start-Vertrag über die strategischen Interkontinentalraketen wohlgemerkt seitens der USA aufgekündigt wurden. Allen voran Open Skies, der der Überwachung militärischer Aktivitäten der jeweils anderen Seite diente, und der INF-Vertrag über atomare Mittelstreckenraketen in Europa.

Europa und die Welt rüstet erneut massiv auf. 2026 sollen seitens der USA, wie schon um 1980, atomar bestückbare Mittelstreckenraketen in Deutschland stationiert werden. Die Russen planen selbiges oder haben dies schon getan.

Und sie funktioniert vor allem deshalb nicht mehr, weil man ein Grundprinzip der Diplomatie verlassen hat: miteinander reden. - Auch wenn es schwerfällt: Die Existenz der Menschheit und allen Lebens auf der Erde hängt daran.

Der frühere US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger konnte es besser ausdrücken, als ich: „Wenn die Präferenz für Demokratie in den internationalen Beziehungen zum Hauptziel erklärt wird, führt das zu einem missionarischen Impuls. Der könnte einen erneuten militärischen Konflikt zur Folge haben.“

Und ich füge an: Mit allen möglichen Konsequenzen.
Bodo Schwarzberg
Autor: psg

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Kommentare
marco-sdh
06.08.2025, 21:40 Uhr
Wie ordnet der Autor in diesem Zusammenhang ...
... die evidenten und wiederkehrenden Atom-Drohungen des Bluthundes von Putin`schen Gnaden, Herrn Medjedew ein?
Wyatt Earp
06.08.2025, 22:36 Uhr
"Wenn die Präferenz für Demokratie in den internationalen Beziehungen zum Hauptziel erklärt wird..."
Oh mein Gott. Das es um die Gedanken dieses Herren nicht so dolle bestellt ist, ist mir ja schon seit einiger Zeit aufgefallen. Aber das hier ist eine intellektuelle Bankrotterklärung, die ihres Gleichen sucht. Einfach nur unglaublich aber offenbar dennoch wahr.

Vermutlich gehört Kritik an der Herablassung der demokratischen Gesellschaft hier in diesem Medium aber nicht zum Thema. Geschenkt!
Elfie 20
07.08.2025, 01:00 Uhr
Wer hat....
Wer ist denn aus allen Verträgen als erster ausgetretten, wer hat Russland aus den Nato-Raßlandland Gesptächenin Brüssel rausgeschmissen. Na der Westen! Das vergessen alle. Immer schön die Öffendlich- Rechtlichen sehen.
Wie Bitte
07.08.2025, 09:34 Uhr
Ich würde vorschlagen,
erstmal einen Duden zu konsumieren, Rechtschreibung und Grammatik.
Lautaro
07.08.2025, 11:42 Uhr
Nun ja "Wie Bitte"
So ein legasthenischer Zeitgenosse, wie "Elfie 20" bin ich hin und wieder auch.
Wollen sie mir das Recht auf Meinung deshalb absprechen ?
Und zum Artikel....Danke Herr Schwarzberg.....
Zitat.... "führt das zu einem missionarischen Impuls. Der könnte einen erneuten militärischen Konflikt zur Folge haben.“
Genauso ist das . Wollen wir das ?
Marino50
07.08.2025, 12:38 Uhr
Marco-sdh und sein Bluthund
Nur einmal zur Erinnerung, es war ein Deutscher, der die Raketen in Peenemünde und im Kohnstein sowie anderen Stellen entwickelt hat. Und dieser Mann hat auch Anteil an den Atombomben, die in Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Er hat sie mit entwickelt und ist nach Kriegsende in die USA geflogen worden. Dieser Deutsche hat im Landkreis Nordhausen gewohnt. Wernher von Braun! Schon vergessen. Nicht Putin hat sie entwickelt.
Anmerkung techn. Support:
Wernher von Braun ist eher beim amerikanischen Raumfahrtprogramm zu verorten.
warumauchimmer
07.08.2025, 13:41 Uhr
Was war das denn?
Den Beitrag von Marino kann man wohl nur mit 'selbstsicheres Auftreten bei gleichzeitig vollkommener Ahnungslosigkeit' umschreiben.
Um es kurz zu machen: Nein, Herr von Braun hatte mit der Entwicklung der Atombombe nichts zu tun. Zumindest nicht in dieser Zeitlinie.

Falls Sie ihn aufgrund des Namens vielleicht Robert Oppenheimer verwechselten. Das war ein in New York geborener Amerikaner.
RWE
07.08.2025, 15:26 Uhr
Marino50, wer hat den behauptet Putin hätte Atombomben entwickelt??
marco-sdh, mit dem ich sicher eher wenig übereinstimme, hat von "...evidenten und wiederkehrenden Atom-Drohungen des Bluthundes von Putin`schen Gnaden, Herrn Medjedew" geschrieben. Und dass dieser Herr sich wenig diplomatisch über die atomaren Fähigkeiten Rußlands äußert ist ja wohl unstrittig. (Er scheint dabei zu vergessen, dass allein die relativ becheiden wirkenden atomaren Potentiale von England und Frankreich immernoch auseichen würden Rußland auszulöschen.)
Ganz abgesehen von Fehlverhalten anderer Mächte und der Vorgeschichte des Ukrainekonflktes, wo man gerne streiten kann. Herr von Braun hat übrigens Raketentechniker und hat somit den Amerikanern dabei geholfen Flüge zum Mond durchzuführen oder eben Trägerraketen für Sprengköpfe zu bauen. Mit dem Manhattan-Projekt hatte er nichts, aber auch gar nichts zu tun. Als die Atombomben entwickelt und über Japan abgeworfen (!) wurden, bastelte Herr von Braun noch fleißig an Vergeltungswaffen.
Marino50
07.08.2025, 17:03 Uhr
Wernher von Braun ( so schreibt sich der Name)
hat natürlich mit an den Raketenprogrammen der NASA gearbeitet, aber eben auch nach Kriegsende an der Atombombe. Die Raketenteile und Stand der Forschung der V-Waffen wurden alle nach Amerika transportiert incl Wernher von Braun.
Und auch er hatte genug Kenntnis über die begangenen Verbrechen im Stollen und außerhalb. Es war kein guter Mensch, nur so am Rande. Die anderen Reste haben die Russen in die damalige SU transportiert. Putin hat keine Atomwaffen selbst gebaut. Hier ging es mehr um die Bezeichnung "Bluthunde".
Wer im Glashaus sitzt....
Wanderwölfin
07.08.2025, 17:35 Uhr
Nichts gelernt?
Jetzt muss ich aber Elfi 20 in Schutz nehmen
,vielleicht hat den Artikel ja nicht sie, sondern das "Moorhuhn "in seiner Bierlaune geschrieben.
rasska86
07.08.2025, 20:04 Uhr
Selbstbedrohung..
Für seine Ideologie und Macht baut der vermeintlich kluge Mensch solche, ihn selbstvernichtende Waffen. Keine Maus käme auf die Idee eine Mausefalle zu konstruieren... 🤦
Wyatt Earp
07.08.2025, 20:20 Uhr
Nu ist es aber gut, die Artikelüberschrift "Nichts gelernt" scheint zuzutreffen
Zumindest bei dem Einen oder der Anderen. Wernher von Braun hat nicht am Manhatten Projekt mitgearbeitet, nicht einmal indirekt. Little Boy und Fat Man wurden von Bombern abgeworfen. Der Mann war Raketenwissenschaftler und kein Atomwissenschaftler. Hoffentlich ließt hier kein Grundschüler mit, die lernen heute eh nichts Gescheites mehr, weil sie sich täglich viel zu lange im Internet herumtreiben.

Um mal auf den Artikel zurück zu kommen. Was muss in jemanden vorgehen ernsthaft darüber nachzudenken, dass eine freie, selbstbestimmte Welt sich einem Lord Helmchen aus Moskau nach dem Motto "lieber rot als tod" ergeben soll? Weil er ja Atomwaffen hat also lieber die Klappe halten, Völker im Stich lassen und zuschauen wie er sich nimmt, was er will. Da fällt mir nichts zu ein!

Ich kann mir gut vorstellen, dass Putins Statthalter für eroberte Gebiete über 100km Harzwanderungen und Motorsensen Festspiele anders denken als der Schreiber dieses Artikels. Vermutlich setzen die solch überschüssige Energie an anderen, für den Betroffenen unangenehmen Stellen ein.
Lautaro
07.08.2025, 20:53 Uhr
Marino50 ....auch wenn ich manchmal Ihrer Meinung bin.....
Aber sie sollten im Sinne der Glaubwürdigkeit keinen Unsinn verbreiten !
Von Braun hat niemals in unserer Gegend gewohnt, Der Vater der sowjetischen Raumfahrt Koroljow dagegen in Bleicherode schon.
E20
08.08.2025, 08:17 Uhr
das stimmt so nicht "Lautaro"
Wernher von Braun hat zeitweise 1944 in Bleicherode gewohnt, um in der Nähe von Dora arbeiten zu können bzw. dort die Serienfertigung der A4 zu überwachen.
Marino50
08.08.2025, 08:51 Uhr
Lautaro
Oh doch, er hat in Bleicherode gewohnt wenn er hier im Stollen gearbeitet hat. Einfach mal nachforschen.
Ossiflüsterer
08.08.2025, 10:25 Uhr
Die Menschheit lernt geradezu rasant (1)
Im Rahmen eines Meinungsbeitrags darf man bestimmte Perspektiven und Interpretationen auf ein Thema betonen. Wenn die Einseitigkeit der Darstellung eine propagandistische Form annimmt, indem die typischen Narrative von Nichtdemokraten übernommen werden, hat allerdings eine Gegenrede zu erfolgen.

Wie Sie in ihrem Beitrag darstellen, wurde Open Skies tatsächlich zuerst von den Amerikanern gekündigt, bevor Russland ein Jahr später nachzog. Dem plumpen Narrativ folgend, dass die bösen USA angefangen haben, sitzen Sie hierbei bewusst oder unbewusst auf. Wohlwollend gehen wir davon aus, dass sie schlicht vergessen haben zu erwähnen, dass dem Austritt der Amerikaner aus dem Vertrag ein systematischer Vertragsbruch von Seiten Russlands vorausging. Russland begrenzte über Jahre Flüge über Moskau, Kaliningrad, Tschetschenien, Abchasien und Südossetien. Verträge mit Putins Russland sind nämlich das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen.
Ossiflüsterer
08.08.2025, 10:26 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema
RWE
08.08.2025, 11:07 Uhr
Nein Marino50
Von Braun hatte keine Ahnung von Atombomben. Sicher hat er beigetrgen, dass atomare Sprengköpfe nicht mehr abgeworfen weden müssen sondern auch über längere Strecken "transportiert" werden können.
Auch verstehe ich den argumentativen Bogen nicht. Es ging um das atomare Gepoltere von Medwedew und nicht darum, wer die Atombombe erfunden und entwickelt hat.
Nur am Rande, Recht außen und Links Außen schweigen bei diesem Gepolter auffällig laut. Während Personen mit abweichender Meinung schnell als Kriegstreiber bezeichnet werdnen. Bei allen Fehlern, die der Westen gemacht hat, weder Obama, Trump oder Biden haben den Russen je mit der atomaren Auslöschung gedroht.
Der Westen war kein guter Gewinner im kalten Krieg. So etwas kann sich rächen. Aber was hat Putin denn erreicht? 2 neue NATO-Mitglieder und eine massive Aufrüstung im Westen.
In meinen Augen der Ukrainekrieg ein Kolnialkrieg eines zerfallenden Kolonialreiches. Die SU war nüchtern betrerachtet ein Kolonialreich, und wie alle anderen frühren Kolonialmächte fällt fällt den Russen Machverlust schwer.
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