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Mo, 08:46 Uhr
13.01.2020
Bad Langensalza

Augustinerkloster erhält neue Dauerausstellung

Im Stadtmuseum Bad Langensalza wird zurzeit an einem ersten Abschnitt der neuen Dauerausstellung gearbeitet. Gegenwärtig entsteht im Augustinerkloster auf einer Fläche von insgesamt 192 Quadratmetern in fünf Räumen der erste Teil einer neuen Dauerausstellung, die zunächst für drei stadtgeschichtliche Themen neu konzipiert wurde...

Zukünftig werden sich Gäste des Museums zunächst mit der Bau- und Nutzungsgeschichte des Kulturdenkmals Augustinerkloster vertraut machen können. Zum Thema „Kloster und Stadt“ wird in den ersten drei Ausstellungsräumen die Geschichte des Augustinerklosters in Salza bis zur Einführung der Reformation 1539 in der damaligen albertinischen Amtsstadt (Langen)Salza dargestellt. Die Sakristei mit Kreuzgewölbe stellt den am besten erhaltenen Teil des einstigen Augustinerklosters dar. Seine museale Ausstattung passt sich dem historischen Raum an und soll die Geschichte erlebbar vermitteln.

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Die Besucher dürfen Platz nehmen, um das restaurierte Altarretabel, datiert 1492 und 1493, anzuschauen oder neben der Figurine des Augustinermönchs Martin Luther sitzend zuzuhören, was er zu berichten hat. Für die Figurine fertigte der Künstler und Präparator Sebastian einen sehr lebendig wirkenden Porträtkopf des etwa 33-jährigen Martin Luther an, der nach dem bekannten Luther-Porträt von Lucas Cranach dem Älteren entstand. Martin Luther besuchte als beauftragter Distriktsvikar am 29. Mai 1516 das Augustinereremitenkloster in Salza und setzte am nächsten Tag seine „Dienstreise“ nach Nordhausen fort.

Im nachfolgenden Ausstellungsraum, dem langen Flur, bauhistorisch zwischen Sakristei und Kapitelsaal gelegen, „begegnet“ der Besucher Schulkindern, führte doch dieser Flur viele Jahrhunderte lang auf den Schulhof, dem früheren Kreuzgang. Nach der Reformation wurde im ehemaligen Kapitelsaal die erste städtische Schule eingerichtet. Der Abschnitt „Schule im Museum“ thematisiert den Schulalltag und fasst die Entwicklung von der Lateinschule nach der Reformation bis hin zur Bürgerschule Ende des 19. Jahrhunderts in Langensalza zusammen. Schulutensilien und Bücher werden in kleinen Vitrinen ausgestellt. In die Schattenrisse von Schulkindern und den eines Lehrers werden Hörstationen eingebaut, so dass die Besucher den Schulalltag aus unterschiedlicher Sichtweise und sehr konkret erfahren.

Unter dem Thema „Menschen im Krieg die Schlacht bei Langensalza 1866“ wird die seit 2006 und 2009 bestehende Ausstellung überarbeitet und ergänzt. Sie stellt den dritten Abschnitt der neuen Dauerausstellung dar. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Präsentation bleiben im Wesentlichen erhalten. Der Entschluss, das Ausstellungsthema stärker auf Menschen im Krieg zu fokussieren, führte zu neuen Ansätzen der musealen Umsetzung. Der neukonzipierte Raum soll als ein authentischer Ort des Geschehens begriffen werden. Im Sommer 1866 musste auch dieser ehemalige Unterrichtsraum der Bürgerschule vorübergehend zur Pflege von verwundeten Soldaten bereitgestellt werden. Das 12 Quadratmeter große Zinnfiguren-Diorama bleibt weiterhin Mittelpunkt der anschaulichen Betrachtung des Gefechtsverlaufs zwischen der hannoverschen Armee und preußischen Truppenteilen in Langensalza im Juni 1866.

Stärker als bisher soll die Ausstellung erlebte Geschichte vermitteln. Die historischen Ereignisse in Langensalza und ihre Auswirkungen auf die Stadt und ihre Bürger werden beispielhaft durch ausgewählte Zeitzeugen geschildert, die in verschiedenen Hörstationen zu Wort kommen. Die Themen Humanitäre Hilfe und das Rote Kreuz, Hilfslazarette und medizinische Versorgung sowie Erinnerung und Verantwortung erfahren eine Erweiterung.

Die Besucher lernen in der Ausstellung Menschen kennen, die im Namen der Menschlichkeit handelten und sich aktiv für die Pflege und Versorgung aller verwundeten Soldaten einsetzten. Es war der Verdienst des Langensalzaer Lehrers Friedrich Wilhelm Looff (1808-1889), der die namentliche Erfassung aller verwundeten Soldaten initiierte und dies mit Hilfe weiterer Zivilpersonen in den mehr als 13 Lazaretten in Langensalza, Merxleben und Kirchheilingen durchführte. Sein Nachweisbüro über die Schicksale der verwundeten Soldaten gilt heute als Beginn des sich später entwickelnden internationalen Suchdienstes. In Langensalza kam es weltweit zum ersten Mal zum praktischen Einsatz von freiwilligen und zivilen Helfern des Roten Kreuzes auf einem Schlachtfeld, wo sie bei der Bergung von verwundete Soldaten halfen.

Im letzten Abschnitt „Erinnerung und Verantwortung“ wird nachgefragt, wie die Menschen mit diesen dramatischen Ereignissen vor mehr als 150 Jahren umgegangen sind. Es geht um Denkmale, Bilder, Erinnerungsberichte, den vaterländischen Frauenverein und um das Museum selbst. Auch zu diesem Thema wird es Hörstationen geben. Letztendlich führte das gemeinschaftliche und öffentliche Erinnern zur Gründung und Eröffnung des Museums am 27. Juni 1900 als, wie es damals hieß, „Gedächtnis-und Ehrenhalle, in welcher das Andenken der Helden jenes 27. Juni 1866 für alle Zeiten pietätvoll geehrt und lebendig erhalten werden soll“. Heutiger Anspruch an die Ausstellung ist, die Besucher zur gedanklichen Auseinandersetzung mit unserer Geschichte anzuregen und die Verantwortung jedes Einzelnen für humanitäres Handeln zu hinterfragen.

Neben den Arbeiten am ersten Abschnitt der neuen Dauerausstellung ist außerdem die Umgestaltung des Eingangsfoyers sowie die Einrichtung eines neuen Kassen- und Servicebereiches mit Museumsshop geplant. Bis Oktober 2019 fanden im Außenbereich des Museums Sicherungsarbeiten an den noch vorhandenen Bauresten der ehemaligen Klosteranlage statt. Geplant ist noch der Neubau eines Sanitärtraktes. Nach fünfjähriger Schließzeit soll das Stadtmuseum anlässlich seines 120. Geburtstages am 26. Juni 2020 wiedereröffnet werden.
Emanuel Cron
Pressesprecher
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