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Mo, 19:15 Uhr
08.08.2022
Individuelle Trauerarbeit in einem innovativen Unternehmen

„Feinsliebchen“ im Herzen der Stadt

Alles in unserem Leben steuert unvermeidlich auf das eigene Ende zu. Der Tod als finales Ereignis ist einer der wichtigsten Bestandteile unseres Daseins. Aber oftmals gehen wir verschämt und unwillig mit seiner Existenz um. Die ausgebildete Palliativ-Krankenschwester und Trauerrednerin Mary Fischer will dieses Bild mit ihrem letztes Jahr gegründete Unternehmen „Feinsliebchen“ in Bad Langensalzas Altstadt verändern…

Mary Fischer vor ihrem Bestattungshaus in der Bad Langensalzaer Altstadt  (Foto: oas) Mary Fischer vor ihrem Bestattungshaus in der Bad Langensalzaer Altstadt (Foto: oas)

Denn fein und sensibel ist der Abschied von geliebten Menschen und er soll mit Würde und möglichst ohne Frust gelingen. Weil Mary Fischer alles was sie anfängt mit Liebe zur Sache tut, gefiel ihr diese aus der deutschen Romantik stammende Wortkombination für ihr außergewöhnliches Unternehmen am besten. Ihr Bestattungshaus, das später auch zum Trauerhaus und einer Stätte der Begegnung werden soll, liegt mitten in der Bad Langensalzaer Innenstadt. Alles, was sie je begann in ihrem Leben, so erzählt sie der uhz online, hängt mit ihrer Berufsausbildung und ersten Beschäftigungen mit Trauerarbeit in dieser Zeit zusammen. Jetzt sei mit der Gründung ihres Betattungsunternehmens ein Kulminationspunkt erreicht, glaubt die zierliche Frau, die inzwischen selbst Sterbebegleiter ausbildet.

Seit 17 Jahren hält sie Trauerreden; durch einen Zufall und als Freundschaftsdienst damals die erste, inzwischen ist sie seit 13 Jahren als Rednerin und selbständig aktiv. Ihr Ansatz ist ein ganzheitlicher, ihre Philosophie die einer Rundumbetreuung der Hinterbliebenen, gern auch schon mit Einbeziehung des Sterbenden noch zu seinen Lebzeiten. „Behütet bestatten“ ist der Slogan, mit dem sie für einen einzigartigen Abschied des geliebten Menschen wirbt und den Trauernden eine getröstetes Weiterleben ermöglichen will. Fischers Engagement geht weit über die reine Organisation der Formalitäten hinaus und will aktiven Trost und Beistand bieten, die Trauerarbeit der Angehörigen persönlich begleiten.

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Das Feinsliebchen-Trauerhaus in der Mühlhäuser Straße 3 ist ein moderner, kunstfertiger Ort, der friedliche Ruhe und ehrfürchtigen Respekt vor den Lebenden und den Toten ausstrahlt. Immer wieder finden sich in den stilvollen Räumen die Markenzeichen aus dem Firmenlogo wieder: der Rabe und das tränende Herz. Zu beiden hat Mary Fischer ganz individuelle Verbindungen, die ihr die Arbeit zur Freude machen. Denn nur mit Freude an der Sache und Liebe in der Ausführung lässt sich ein solches Geschäft betreiben, ist sie überzeugt.

Noch sind die barrierefreien Räumlichkeiten nicht fertig, hier und da fehlen noch Ausstattungsdetails und Kleinigkeiten, die in den nächsten Wochen eingebaut werden sollen. Vor allem aber fehlt noch ein Portal in den eigentlichen Trauersaal, so dass die Eröffnung des „Feinsliebchen“ noch auf sich warten lässt. An der äußeren Gestaltung und dem dekorierten Schaufenster ist aber heute schon zu sehen, welche niveauvolle ästhetische Richtung hier eingeschlagen wird.

Die Powerfrau Mary Fischer, die in ihrem Leben viele Ausbildungen absolvierte und sich mitunter auch autodidaktisch schulte, ist seit einem Vierteljahrhundert Stadtführerin in ihrer Heimatstadt Bad Langensalza und steht ihrer Zunft erfolgreich und tonangebend vor.

„Ich glaube an das Gute im Menschen“, sagt sie „und dass auf meinem Weg durchs Leben alles mit meiner damaligen Lehre im Krankenhaus und der Arbeit als Stadtführerin zusammenhängt.“

Für das neue Geschäft wird sie als Stadtführerin kürzer treten müssen. Das empfindet Mary Fischer nicht als negativ, vertraut sie doch vollends ihren souveränen und gut ausgebildeten Kollegen. Im „Feinsliebchen“ wird von Vorsorgegesprächen bis hin zu Versicherungsempfehlungen für den Todesfall; von der Palliativbegleitung für die Angehörigen und der tröstlichen Abschiednahme bis zur kompletten Organisation der Trauerfeier und der Übernahme der Trauerrede alles angeboten, was in einem Sterbefall auf eine Trauergemeinde zukommt. Mary Fischer arbeitet dabei in vertrauensvoller Partnerschaft mit dem örtlichen Bestattungsunternehmen Thomä zusammen.

Heute empfindet sie es als Glück, schon in DDR-Zeiten von der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross gehört zu haben, die mit ihrem Fünf-Phasen-Modell, welches den Umgang sterbenskranker Menschen mit ihrer Situation beschreibt, Mary Fischers Werdegang entscheidend geprägt hat. Auch in der Arbeit des ehemaligen Musikmanagers und heutigen Bestatters Eric Wrede, der mit seiner Herangehensweise eine neue Perspektive auf das letzte Geleit aufzeigt, findet die Ehefrau und Mutter Inspiration und Zustimmung für ihre einzigartige Idee. Der hohe Bekanntheitsgrad, den sie über die Jahrzehnte in ihrer Heimat erlangte, dürfte dabei helfen, dass ihr „Feinsliebchen“ bald auch bekannt wird. Wenn hier im Herzen der Altstadt eine Bestattung individuell, würdevoll und heimatverbunden vollzogen wird, dann sollte sich das schnell herumsprechen in der Rosenstadt.
Olaf Schulze
Autor: osch

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