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Mo, 19:50 Uhr
14.11.2022
Hunderte Menschen protestierten heute erneut gegen die Regierungspolitik

Vom Bundesadler zur Raupe Nimmersatt

Pünktlich um 17 Uhr begrüßte heute Matthias Reinz, der Bürgermeister Bad Langensalzas, rund 300 Menschen auf dem Neumarkt, die schon zum dritten Male seinem Aufruf zu einer Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung folgten. Es war der zweite Termin, den er als Privatperson angemeldet und sich um Redner für die Veranstaltung gekümmert hatte

Bernhard Helbing (Foto: oas) Bernhard Helbing (Foto: oas)

„Das Land ist in einem Zustand der Spaltung“, sagte der Hauptredner des Abends, Bernhard Helbing, der sich erinnerte, fast auf den Tag genau vor 33 Jahren das letzte Mal auf einer Kundgebung gegen Regierungspolitik gesprochen zu haben. Er äußerte sein Unverständnis, dass in einem so reichen Land wie dem unseren keine kostenfreien Kita-Plätze zur Verfügung stehen, dass Mütter beim Arzt für die Behandlung und Medikamente ihrer Kinder zuzahlen müssen und er äußerte sein Unverständnis über die Einführung eines Bürgergeldes, wenn gleichzeitig fast 50 Prozent des ausgegebenen Lohns der Arbeitgeber per Steuern an den Staat zurückfließt. „Deutschland hat keine Einnahmenproblem. Deutschland hat ein Ausgabenproblem“, sagte er unter dem Beifall der Anwesenden auf dem Langensalzaer Neumarkt. Manchmal käme es ihm so vor, als sei das Wappentier unsers schönen Landes nicht der stolze Adler, sondern ein Raupe Nimmersatt. Es wäre doch mal ein „Wumms“, meinte der ehemalige Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebes, wenn es hier Änderungen gäbe. Wenn nicht ein immer größerer Bundestag mit immer mehr Abgeordneten entstünde und ein neues Kanzleramt für 740 Millionen Euro, sondern diese Gelder den Menschen im Land zugute kämen. Auch die Gewerkschaften sollten sich hinterfragen, ob sie immer neue Gehaltserhöhungen durchsetzen wollen, oder nicht lieber anfangen sollten dafür zu kämpfen, dass die Arbeitnehmer endlich mehr Nettoeinkommen vom Bruttolohn erhalten. Für Bildung, Gesundheitswesen und Steuerrecht hält Helbing eine Roßkur für dringend vonnöten.

Robert Böhm (Foto: oas) Robert Böhm (Foto: oas)

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Ähnliche Gedanken beschäftigen auch Robert Böhm, der als Geschäftsmann einem Baubetrieb vorsteht und von den dortigen Problemen mit Preissteigerungen und Materialbeschaffung berichtete. „Das größte Problem aber ist“, führte der Unternehmer aus, „dass wir nicht mehr genug selbst produzieren und uns deshalb in Abhängigkeiten begeben.“ Er könne die Sanktionspolitik gegen Russland nicht nachvollziehen, die uns mehr schade als Putin. Auch den Verzicht auf Kernkraft hält er für falsch. „Ich kann so wichtige Energieträger nur abschaffen, wenn ich dafür eine funktionierende Alternative habe“, meinte Böhm und bezweifelte, dass die Windenergie die entstandene Versorgungslücke füllen werde. Die derzeitige deutsche Politik rette nicht das Klima, sondern deindustrialisiere das Land. Für den Mittelstand versicherte er: „Wir wollen nicht, dass Betriebe aufgeben müssen, sondern wir wollen neue Lösungen finden.“ Vielleicht, so Böhm weiter, wäre es sinnvoll, wenn die Regierenden zukünftig Wirtschaftsvertreter befragten und mitreden ließen. „Dann hätten wir auch wieder eine andere Politik", mutmaßte Böhm, wofür er großen Beifall aus dem Auditorium erhielt. Schließlich hoffte er auf einen Verbesserung der Situation in der nächsten Zeit und gab zu, dass mit den Panik verbreitenden Massenmedien nicht mehr umgehen zu können. Die Initiative des Bürgers Matthias Reinz zu einem solchen Format auf dem Neumarkt begrüßte er ausdrücklich und dankte ihm dafür. „Es kommt gut an im Lande, wie hier miteinander gesprochen wird und Missstände offen und laut benannt werden“, sagte Robert Böhm und schloss seinen Vortrag mit der Forderung, endlich den Krieg in der Ukraine zu beenden.

Rüdiger Speck (Foto: oas) Rüdiger Speck (Foto: oas)

Dritter Redner war heute der Bezirksschornsteinfegermeister Rüdiger Speck, der in zehn Jahren seiner Amtszeit schon sechs Lehrlinge ausgebildet hat und sich nichts mehr von Leuten erzählen lassen will, die über zehn Jahre studiert haben, ohne einen Abschluss erworben zu haben. Sein Thema war jedoch ein fachliches: die immer gefragter werdenden Brennstoffe und der Umgang damit. Nicht jedes alte Brett sei auch guter Brennstoff und den Ofen vollzustopfend und schnell zu schließen, damit er die Wärme halte, sei ebenfalls kein probates Mittel. Er warnte und riet zu sorgfältigem und durchdachten Einsatz der Brennstoffe und bot Hilfe und Unterstützung an, damit es möglichst nicht zu Schornsteinbränden oder anderen Katastrophen komme. Rüdiger Speck versicherte aber auch, er werde mit seinen Mitteln weiter kämpfen, dass es wieder gerechter zugehe in unserer Gesellschaft.

In seinem Schlusswort schätzte Matthias Reinz noch einmal ein, dass es das richtige Format sei, sich hier friedlich zu treffen, um offen und kritisch über Probleme zu sprechen und er bedankte sich bei den Menschen, die heute bei winterlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt gekommen waren, um ein Zeichen zu setzen. Bevor es dann zum obligatorischen Demonstrationszug durch die Altstadt kam, plauderte Reinz noch aus dem Nähkästchen, was aus seiner Einladung an Landes- und Bundespolitiker wurde, gemeinsam Probleme anzusprechen und nach Lösungen zu suchen. Letztendlich haben aus den verschiedensten Gründen alle Parteivertreter abgesagt oder sich noch gar nicht zum Angebot geäußert. Und die bisher einzige Zusage eines AfD-Politikers habe dazu geführt, dass die Runde nun gar nicht zustande kommt. Einen kleinen Seitenhieb gegen die am Mittwoch im Burgtheater geplante Veranstaltung „Dialog gegen die Angst“ konnte sich das Stadtoberhaupt dann doch nicht verkneifen und bemängelte, dass dort nur Vertreter von Parteien eingeladen seien, die im Bund und in Thüringen die Regierungen stellten. „Warum niemand aus der Opposition? Wo bleibt da die Demokratie?“, wollte er von den Teilnehmern seiner Kundgebung wissen und bekam dafür viel Beifall.

Nachdem nun heute wie schon in den beiden vorangegangenen Kundgebungen wieder Probleme benannt und Forderungen aufgestellt wurden, darf jetzt gespannt auf die Veranstaltung am Mittwochabend (17.30 Uhr im Burgtheater) geschaut werden, für die sich die erwarteten Bundes- und Landespolitiker nichts weniger vorgenommen haben, als Antworten auf die drängenden Fragen der Bevölkerung zu geben und ihr die Angst vor einer weiteren Verschlechterung der Energie- und Inflationssituation zu nehmen. Ob dann auch ein Plakat mit der Aufschrift „Strom sparen heißt Ampel aus“ im Publikum hochgehalten wird, wie es heute auf dem Neumarkt zu sehen war, bleibt abzuwarten. Die uhz online wird Sie am Mittwochabend darüber informieren.
Olaf Schulze

Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Dritte Kundgebung gegen die Energiepolitik der Bundesregierung in Bad Langensalza  (Foto: oas)
Autor: osch

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