eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Fr, 17:20 Uhr
31.01.2025
Tupag Holding AG aus Mühlhausen setzt auf die Jugend

Erfolgreich ausbilden und arbeiten

Bei der Breitsülze in Mühlhausen trafen sich am Vormittag Führungskräfte der gastgebenden Tupag Holding AG, der Agentur für Arbeit, der IHK und des Bundesverbands der mittelständigen Wirtschaft, um anlässlich der neuesten Arbeitsmarktzahlen die angespannte Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu erläutern…

Dr. Marcus Lange, Antje Breitbarth und Jens Hartung stellen ihre Unternehmen für die Zukunft auf (Foto: oas) Dr. Marcus Lange, Antje Breitbarth und Jens Hartung stellen ihre Unternehmen für die Zukunft auf (Foto: oas)


Angesichts einer wieder steigenden Jugendarbeitslosigkeit von 8,1 Prozent in Nordthüringen, was 1.360 jungen Menschen entspricht, warnten die regionalen Wirtschaftsexperten vor einem sorglosen Umgang mit dieser Entwicklung. Jeder zehnte Arbeitslose ist jugendlich, drei Viertel von ihnen haben keine Ausbildung, 70 Prozent sind im Alter von 20 - 25 Jahren. Ein Drittel dieser Gruppe hat bis vor kurzem versicherungspflichtig und ungelernt gearbeitet. Deutlich warnte Arbeitsamtschef Karsten Froböse vor dem Irrglauben, die Unternehmen wären froh über jede Arbeitskraft, auch die ungelernten. Es fehle nicht an Ausbildungsplätzen, sondern an Bewerbern. „Eine vernünftige Basis muss wieder hergestellt werden“, betonte Froböse, „die jungen Menschen bekommen nicht automatisch das geliefert, was sie sich wünschen.“

Dieser Meinung schloss sich auch Christian Böduel an, der Nordthüringer IHK-Distriktleiter. „Die Wirtschaft hat diese Probleme erkannt“, sagte er und verwies auf den für Schüler der achten Klassen geschaffenen „Tag in der Produktion“, an dem sich bereits 28 Regelschulen und 900 regionalen Unternehmen beteiligen, die 1.380 Schüler damit ansprechen und anregen. „Dadurch beginnt der Kontakt in eine mögliche Berufsausbildung schon sehr früh“, freute sich Böduel. Die Thüringer Initiative hat inzwischen für so viel Aufsehen gesorgt, dass sie für den Deutschen Fachkräftepreis des Bundesarbeitsministeriums nominiert wurde.

Anzeige symplr (1)
Andreas Schreiber, regionaler Vorsitzender des Bundesverbands mittelständischer Unternehmen, bekräftigte diesen Ansatz: „“Die Betriebe müssen sich offensiv in den Schulen bewerben“. Er berichtete von den Protesten der Wirtschaftsvertreter vor zwei Tagen in Berlin, an denen auch viele Thüringer beteiligt waren. „Immerhin hat die neue Landesregierung in Erfurt begriffen, dass es nicht mehr fünf vor, sondern mindestens drei nach zwölf ist, was die Situation in Deutschland betrifft.“ Tenor aller Redner war es, dass in Zukunft nicht weniger, sondern eher mehr und härter gearbeitet werden müsse als derzeit, wenn nicht der über Jahrzehnte erarbeitete Wohlstand des Landes sich in Luft auflösen solle. In diesem Sinne, so Schreiber, sei es nicht hoch genug anzurechnen, was hier von Ort von der Firma Tupag geleistet würde. Hier würde vorbildlich durch Ausbildung für den eigenen Nachwuchs gesorgt.

Der TUPAG-Konzern ist eine mittelständische Unternehmensgruppe, die aus 36 Einzelunternehmen besteht, an der die TUPAG-Holding-AG als Führungs- und Finanzholding des Konzerns beteiligt ist. Die Holding verfügt über keine eigenen Beziehungen zu Absatz- und Beschaffungsmärkten und übt grundsätzlich keine eigene Produktionstätigkeit aus.
Die Geschäftstätigkeit des TUPAG-Konzerns erstreckt sich auf die Konzernsegmente Landwirtschaft und Ernährung, Logistik, Industrie- und Landtechnik, Freizeit-, Bau- und Gartenmärkte sowie Gartenbau und Gartenhandel. In seinen 27 Tochterunternehmen beschäftigt das Unternehmen rund 1.000 Arbeitnehmerinnen und -nehmer. Auch aktuell werden Fachkräfte gesucht und dabei eng mit der Agentur für Arbeit zusammengearbeitet.

Der Geschäftsführer für die technischen Gewerke der Holding, Jens Hartung, konnten stolz von fünf übernommenen Azubis in der letzten Ausbildungsphase berichten. Unverblümt äußerte er in Richtung der amtierenden Bundesregierung: „Es muss den Wählern gesagt werden, dass es so nicht weitergehen kann und wir wieder mehr und nicht immer weniger arbeiten müssen.“ Am Beispiel einer Kindergartenbelegung verdeutlichte er die demographische Herausforderung, die auf Deutschland zurollt. „Wo heute 260 Kinder betreut werden, sind es im Jahre 2030 noch neunzig. Das führt zu einem noch größeren Fachkräftebedarf.“

Andreas Schreiber (l.) vom Bundesverband mittelständischer Unternehmer, daneben IHK-Regionalchef Christian Böduel (Foto: oas) Andreas Schreiber (l.) vom Bundesverband mittelständischer Unternehmer, daneben IHK-Regionalchef Christian Böduel (Foto: oas)


Der Geschäftsführer der gesamten Holding, Dr. Marcus Lange, ergänzte, dass es in der Vergangenheit gute Jahre gegeben habe. Um den Stand zu erhalten, müsse jetzt aber in allen Bereichen viel Leistung erbracht werden. Die Anzahl der Ausbildungsstellen in seinem Konzern richte sich nach der Anzahl der Bewerber. Kommen mehr, gibt es auch mehr Lehrstellen für die Bewerber. Aber sie müssen die Anforderungen erfüllen. Bei den jungen Menschen stelle er in letzter Zeit ein Umdenken fest, was ihn hoffnungsvoll stimme. „Wir brauchen dringen einen Zuzug in den Arbeitsmarkt und nicht in die Sozialsysteme“, sagte er auch mit Blick auf die unzureichende Fachkräfteakquise der Bundesregierung.

Er werde aber sehr genau darauf achten, dass seine Mitarbeiterzahl die Eintausendermarke nicht übersteigt, denn dann greife für die Tupag Holding das neue Lieferkettengesetz, in dem minutiös nachgewiesen werden muss, wo jedes einzelne Teil herkommt und wie ökologisch es hergestellt worden ist. Für Tupag würde das einen hohen bürokratischen Aufwand von rund 200.000 Euro Mehrkosten jährlich bedeuten.
Auch das Arbeitszeitgesetz nahm Lange unter die Lupe: „Es ist belustigend, dass jetzt Überstunden steuerfrei gestellt werden sollen, wenn es doch bei Strafandrohung bis 10.000 Euro verboten ist, eine Arbeitszeit von zehn Stunden zu überschreiten.“ Wann solle der Arbeitnehmer denn die steuerfreien Überstunden leisten, frage Marcus Lange sich. Und sei es früher ein Vertrauensverhältnis zwischen Betrieb und Angestellten gewesen, wie viele Überstunden absolviert würden, so wird das heute elektronisch vom Staat überwacht. Da könne sich kein Arbeitnehmer zusätzlich durch Mehrarbeit etwas persönlich aufbauen. Wer sich aber im Betrieb gegängelt fühle, der werde ihn wieder verlassen und woanders sein Glück versuchen.

Ein weiteres Beispiel seien Speditionsbetriebe, die es auch im Portfolio der Tupag Holding AG gibt. Deutsche Speditionen sind an die deutsche Zehnstundenvorgabe gebunden. Ausländische, die nach europäischem Recht arbeiten, aber nicht. Das verschaffe deutliche Wettbewerbsnachteile, was viele deutsche Spediteure zur Geschäftsaufgabe zwinge. „Wir brauchen aber nicht weniger Spediteure, sondern mehr“, stellte Marcus Lange abschließend fest.

Kompetente Runde bei der Vorstellung der Abeitsmarktzahlen in Mühlhausen (Foto: oas) Kompetente Runde bei der Vorstellung der Abeitsmarktzahlen in Mühlhausen (Foto: oas)


Antje Breitbarth, die Personalleiterin der TUPAG - Holding - AG, berichtete, mit welcher Strategie die Firma um die potentiellen jungen Mitarbeiter wirbt. Bei der Vorstellung in den Schulen werden von Seiten des Unternehmens schon ganz klar Werte und Normen aufgezeigt, die für einen vertrauensvollen Umgang miteinander entscheidend sind. Die verschiedenen Berufe vom Techniker bis zur Verkäuferin werden nicht nur intensiv theoretisch vorgestellt, sondern können in verschiedenen Betriebspraktika von den jungen Leuten selbst getestet und sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut gemacht werden.

Dazu gehört auch der „Tag in der Produktion“, in dem sich seit 2023 insgesamt 49 Praktikanten in den neun Ausbildungsberufen der Firma einen Kurzüberblick verschaffen konnten und von denen bereits zwei eine Ausbildung bei Tupag aufnahmen. Natürlich schöpft das Unternehmen auch alle anderen Möglichkeiten der Eigenwerbung aus, von Berufsmesse bis hin zu Auftritten in den social media Kanälen. Die praktischen Erfahrungen seien jedoch die besten für die künftigen Azubis. Derzeit sind 78 junge Menschen in der Ausbildung, von denen Antje Breitbarth am liebsten alle in der Firma halten will. Hilfreich sei ein Orientierungspraktikum vor Antritt des Lehrverhältnisses gewesen, in dem Bewerber und Tupag-Mitarbeiter gemeinsam herausgefunden hätten, wofür die beste Eignung besteht.

Zum Abschluss präzisierte Dr. Marcus Lange noch einmal, was er unter den viel besprochenen „Fachkräften“ versteht. „Man darf den Begriff nicht falsch interpretieren. Mit Fachkräften sind keineswegs nur Akademiker gemeint. Es gibt in allen Berufen ausgewiesene Fachkräfte, die durch eine gute Ausbildung heute genau so wie in der Zukunft unentbehrlich sind für ein erfolgreiches Unternehmen.“

Olaf Schulze


Autor: osch

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)